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Als sich Reagan über Nordkorea lustig machte

Die Begegnungen zwischen USA und Nordkorea.
Renzo Ruf, Washington
Von der südkoreanischen Seite der entmilitarisierten Zone blickte Ronald Reagan nach Nordkorea. (Bild: Scott Stewart/AP ( 13. November 1983))

Von der südkoreanischen Seite der entmilitarisierten Zone blickte Ronald Reagan nach Nordkorea. (Bild: Scott Stewart/AP ( 13. November 1983))

Als im Jahr 1983 erstmals ein amerikanischer Präsident die entmilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea besuchte, weckte die Szenerie bei Ronald Reagan Erinnerungen an seine erste Karriere. Er scherzte: Das nordkoreanische «Friedensdorf» Kijong-dong – das in den Augen der Südkoreaner bloss eine Fassade ist – sehe aus wie der Hinterhof eines Hollywood-Studios, «einfach nicht so wichtig». Geflissentlich ignorierte Reagan dabei, dass an dieser «Frontlinie der Freiheit» Zehntausende von amerikanischen Soldaten stationiert waren – darum bemüht, die sorgsam austarierte Balance zwischen Nord- und Südkorea zu halten.

Vielleicht zeigt der Scherz des längst verstorbenen US-Präsidenten aber auch, welchen Stellenwert der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel jahrzehntelang besass. Zum einen verdrängten die Amerikaner den Krieg, der zur Teilung Koreas geführt hatte – wohl auch, weil der Koreakrieg, der erste Stellvertreter-Konflikt zwischen den Supermächten, im Jahr 1953 mit einem Patt geendet hatte und sich deshalb nur begrenzt politisch ausschlachten liess. Zum andern war das stalinistische Nordkorea im Kalten Krieg höchstens ein Stachel im Fleisch der Amerikaner. Ein unberechenbarer Kleinstaat, dem es mittels spektakulärer Einzelaktionen – der Entführung des amerikanischen Aufklärungsschiffes USS Pueblo im Jahr 1968 zum Beispiel – immer wieder gelang, die Aufmerksamkeit Washingtons auf sich zu ziehen, der aber keine strategische Bedrohung für die USA darstellte.

Selbst als vor 50 Jahren mehr als eine halbe Million amerikanischer Soldaten in Vietnam kämpfte, um den Kommunismus zurückzuschlagen, blieben die 50 000 US-Soldaten in Südkorea in den Kasernen.

Jimmy Carters Privatgespräch mit Kim Il Sung

Dies änderte sich erst in den frühen Neunzigerjahren, als der damalige nordkoreanische Diktator Kim Il Sung (der Grossvater des heutigen Herrschers Kim Jong Un) verstärkt auf Konfrontationskurs ging. Kim drohte mit einem Rückzug seines Landes vom Atomwaffensperrvertrag. Im Weissen Haus läuteten die Alarmglocken. Allerdings waren sich hochrangige Vertreter der Regierung von Präsident Bill Clinton alles andere als einig über die weiteren Schritte. Letztlich war es ein Ex-Präsident, der eine Lösung fand, die auf beiden Seiten auf Zustimmung stiess. Im Juni 1994 reiste Jimmy Carter aus eigenem Antrieb nach Pjöngjang und traf dort Kim zu einem Privatgespräch. Der Diktator, der erstmals einem (wenn auch ehemaligen) US-Präsidenten gegenübersass, willigte ein, das Nuklearprogramm zu stoppen. Später sagte Clinton, er habe Carter keine Steine in den Weg gelegt, weil er den Nordkoreanern einen Ausweg aus der Krise aufzeigen wollte, der es dem Regime ermöglichte, «das Gesicht zu wahren». Am 21. Oktober 1994 unterzeichneten Vertreter der USA und Nordkoreas ein entsprechendes Rahmenabkommen, welches das Ende des Atomkonflikts besiegelte.

Allein: Kim Jong Il, der nach dem Tod seines Vaters Kim Il Sung 1994 zum «Grossen Führer» aufgestiegen war, hielt sich nicht an das Abkommen. (Clinton schrieb in seinen Memoiren, er habe erst nach seinem Rücktritt erfahren, dass Nordkorea spätestens ab 1998 «den Geist des Abkommens» verletzte.) Clintons Nachfolger George W. Bush stand dem Atompakt mit Nordkorea von Beginn weg skeptisch gegenüber. «Ich hasse Kim Jong Il», verkündete er im August 2002 dem Journalisten Bob Woodward. Er könne es nicht ausstehen, dass Kim die Bevölkerung Nordkoreas unterdrücke und sich einen Dreck um Menschenrechte kümmere. Obwohl Nordkorea von Bush zu einem Mitglied der «Achse des Bösen» erhoben wurde, blieb es bei rhetorischen Drohungen und neuen Sanktionen. Dem Weissen Haus und dem Pentagon fehlten nach den Interventionen im Nahen und Mittleren Osten die Kapazitäten für einen weiteren Konflikt.

Mischung aus Diplomatie und Sanktionen

Dieser Linie blieb auch Barack Obama treu. Seine Regierung versuchte mit diplomatischen Avancen, wirtschaftlichen Sanktionen und Cyber-Vergeltungsschlägen Nordkorea zur Vernunft zu bringen. Diese Strategie scheiterte, wie Obama seinem Nachfolger im Weissen Haus einräumen musste. Als der Demokrat im November 2016 erstmals mit seinem republikanischen Nachfolger sprach, nannte er Nordkorea die grösste aussenpolitische Herausforderung, die auf Trump warte.

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