Al Sisis Strategie hilft den Fanatikern

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Ägypten ist bis ins Mark erschüttert. Ein solches Massaker an Gläubigen in einer Moschee hat es in der 95-Millionen-Nation noch nie gegeben. Das Land erlebt eine Zäsur, zumal sich solche monströsen Taten eines Tages auch im Kernland entlang des Nils wiederholen könnten. Präsident Abdel Fattah al-Sisi war angetreten, den Terrorismus zu besiegen und sein Land zu stabilisieren. Seitdem wird wahllos verhaftet, gefoltert und mit dem Tode bestraft. Auf dem Nordsinai eskalierte der Konflikt in einen offenen Krieg zwischen Armee und Dschihadisten. Ungeachtet dessen beklagt das Pentagon seit Jahren, dass sich Ägypten weigert, sich geeignete Rüstungsgüter für den Kampf auf der Sinai-Halbinsel liefern zu lassen. Stattdessen plädieren die Generäle jedes Mal wieder für neue Panzer, Kampfjets und Helikopter, mit denen sich militärisch protzen, aber gegen IS-Kommandos auf der zerklüfteten Halbinsel wenig ausrichten lässt.

Zudem können weder Militäroffensive noch lückenloser Polizeistaat die sozialen und gesellschaftlichen Missstände beseitigen, die der «Islamische Staat» für seine mörderische Ideologie als Nährboden nutzt. In Ägyptens Gefängnissen unter den 60000 politischen Häftlingen formen sich immer wieder neue IS-Kommandos. Sinais Beduinen fühlen sich seit Jahrzehnten von Kairo vernachlässigt und missachtet. Unter Hosni Mubarak lebten sie vor allem vom Schmuggel in den Gazastreifen. Seit Sisi die über 8000 Tunnel zerstören liess, wachsen Arbeitslosigkeit, Armut und Verzweiflung. Gleichzeitig macht Ägyptens Luftwaffe ganze Dörfer der Region dem Erdboden gleich. Den Fanatikern aber treibt eine solche einseitige Militärstrategie nur immer neue Rekruten zu. Seite 7