Al-Qaida-Chef Zawahiri ruft alle Jihadisten zur Einheit auf

LIMASSOL. «Vereinigt im Kampf zur Befreiung Jerusalems» lautet die Überschrift der jüngsten Hetzbotschaft von Al-Qaida-Chef Ayman al-Zawahiri, die am Montagabend in sozialen Netzwerken verbreitet wurde.

Michael Wrase
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Al-Qaida-Chef und Bin-Laden-Nachfolger Ayman al-Zawahiri. (Bild: ap)

Al-Qaida-Chef und Bin-Laden-Nachfolger Ayman al-Zawahiri. (Bild: ap)

LIMASSOL. «Vereinigt im Kampf zur Befreiung Jerusalems» lautet die Überschrift der jüngsten Hetzbotschaft von Al-Qaida-Chef Ayman al-Zawahiri, die am Montagabend in sozialen Netzwerken verbreitet wurde. Der Nachfolger von Osama bin Laden ruft darin Moslems in aller Welt zu Terroranschlägen in westlichen Staaten auf.

Al Zawahiris Terrorvorbilder

Die Unterstützer von Israel, forderte Al Zawahiri, müssten mit ihrem Blut für Verbrechen gegen den Islam bezahlen. Als Vorbilder im «Kampf um Jerusalem» nennt er «zum Märtyrertod» bereite Palästinenser, die Messerattacken gegen Israeli ausführen. «Zur Nachahmung» empfohlen werden zudem die Anschläge des französischen Islamisten Mohammed Merah, der 2012 drei Soldaten, drei Schüler sowie den Lehrer einer jüdischen Schule in Toulouse erschoss. Auch den Terroranschlag der Brüder Zarnajew, die vor zwei Jahren beim Boston-Marathon drei Menschen durch Sprengsätze töteten, hebt der Al-Qaida-Chef als «gutes Beispiel» für Wiederholungen hervor.

Einheit im Jihad gefordert

Im Mittelpunkt von Al Zawahiris Hetzrede stehen nach Ansicht des israelischen Experten Dov Lieber aber nicht die Terrorempfehlungen, sondern dessen Aufruf zur Vereinigung aller Jihadisten. «Die Amerikaner, Russen, Iraner, Alawiten und Hisbollah koordinieren inzwischen den Kampf gegen uns. Warum sind nicht auch wir fähig, unseren Kampf untereinander einzustellen, um alle unsere Kraft gegen sie zu verwenden?», fragt der Al-Qaida-Chef. Es läge an den Kämpfern, «wie ein Mann zu stehen – von der Türkei bis nach Marokko».

Al Qaida hatte bereits im vergangenen Jahr dem sogenannten «Islamischen Staat» (IS) eine Art Friedensangebot gemacht. Dieses sei unter dem Eindruck der immer massiveren westlichen und vor allem russischen Luftangriffe in Syrien nun erneuert worden, betonen Terrorismusexperten. Der IS war zu Beginn des vergangenen Jahres wegen «Ungehorsam gegenüber der Al-Qaida-Führung» vom Terrornetzwerk noch geächtet worden. Al-Qaida-Chef Al Zawahiri nannte die Selbsternennung von Abu Bakr al-Baghdadi zum Kalifen damals noch «einen Dolchstoss», sagt Don Lieber. Angesichts des gemeinsamen Feindes könne aber eine Annäherung der beiden Terrorgruppen nun nicht mehr ausgeschlossen werden.

Kooperation Al Qaida und IS

Auf lokaler Ebene arbeiten IS-Kämpfer und Jihadisten des Al-Qaida-Ablegers Nusra-Front in Syrien bereits zusammen. So sei es den beiden Gruppen vergangene Woche gelungen, in einer gemeinsamen Aktion die Nachschublinien der syrischen Armee nach Aleppo zu kappen, berichtet Rami Abdurrahman, der Direktor der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

In der Region Homs sollen zudem Hunderte von Nusra-Leuten zum IS übergelaufen sein. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Viele Jihadisten schliessen sich dem IS an, weil sie glauben, dann auf der Seite der späteren Sieger zu stehen.