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CDU: Annegret Kramp-Karrenbauer setzt sich durch

Angela Merkels Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sticht bei der Wahl zum CDU-Vorsitz Friedrich Merz hauchdünn aus. Die Partei ist in zwei Lager gespalten.
Christoph Reichmuth, Hamburg
Eine zufriedene Angela Merkel (rechts) gratuliert Annegret Kramp-Karrenbauer zur Wahl. (Bild: Carsten Koall/Getty; Hamburg, 7. Dezember 2018)

Eine zufriedene Angela Merkel (rechts) gratuliert Annegret Kramp-Karrenbauer zur Wahl. (Bild: Carsten Koall/Getty; Hamburg, 7. Dezember 2018)

Die Tränen kann sie nicht mehr zurückhalten, Annegret Kramp-Karrenbauer läuft die Bühne auf und ab, schlägt immer wieder die Hände vor ihr Gesicht. Es gibt warmen, teils frenetischen Applaus der CDU-Delegierten und von Hunderten von Gästen, manche jubeln und skandieren ihren Namen. AKK, wie sie genannt wird, ist erleichtert und glücklich zugleich. Die 56-Jährige verspricht, dass sie als Parteivorsitzende dafür sorgen werde, dass sämtliche Flügel in der Partei gleichberechtigt berücksichtigt würden, der konservative, der wirtschaftsliberale und der progressive. Damit soll die CDU die «grosse Volkspartei der Mitte» bleiben.

Es ist ein Herzschlag-Finale bei der Wahl um die Nachfolge von Kanzlerin Angela Merkel gestern in Hamburg. 18 Jahre nachdem Merkel den Vorsitz der Christdemokraten übernommen hat, machte die 64-jährige Kanzlerin gestern Platz für einen Neuanfang. Das Votum der Delegierten fällt denkbar knapp aus. 517 Delegierte stimmen für AKK, 482 für den früheren Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz (63). 48,25 Prozent für die in ihrer Art Merkel sehr ähnlich auftretende AKK, 51,75 Prozent für den wirtschaftsliberalen Kandidaten.

«AKK» referierte emotional und frei

Der amtierende Gesundheitsminister Jens Spahn, 38, fiel nach dem ersten Wahlgang mit dem schlechtesten Resultat der drei Kandidaten aus dem Rennen. Obwohl das Gros aus dem Spahn-Lager im zweiten Durchgang zu Merz wechselte, gewann AKK hauchdünn die Wahl. Möglicherweise gaben die beiden ­Reden der Kandidaten am Ende den Ausschlag. Während AKK emotional und frei referierte, bekundete Merz zu Beginn augenscheinlich Mühe, die Delegierten rhetorisch zu überzeugen. Merz forderte eine «Agenda der Fleissigen» im Land und kündigte an, den Einfluss der AfD zurückzubinden. AKK warb vor allem mit ihrer 18-jährigen Regierungserfahrung auf Landesebene sowie der Parteiarbeit – zuletzt als Generalsekretärin.

Die Wahl ist richtungsweisend, die neue CDU-Vorsitzende hat gute Chancen, dereinst – spätestens 2021 – Merkel im Kanzleramt zu beerben. Die Wahl offenbart auch, wie gespalten die Partei nach 18 Jahren Merkel ist. Eine Hälfte erhofft sich mit Merz eine Stärkung des konservativen, wirtschaftsliberalen Flügels, die andere setzt eher auf Kontinuität und sieht in AKK eine Kandidatin, die der Partei den Machterhalt im Kanzleramt eher sichert als der polarisierend wirkende Merz.

Die beiden baden-württembergischen Delegierten Tim Haus, 34, und Ilona Koch, 52, aus dem Kreisverband Esslingen setzten ihre Hoffnung am frühen Nachmittag in den Kandidaten Friedrich Merz. Kurz nach 17 Uhr, als das Verdikt feststeht, applaudieren die beiden dem nun ebenfalls auf die Bühne tretenden, unterlegenen Kandidaten, der sich als guter Verlierer präsentiert. Natürlich hätte er gerne gewonnen, sagt Merz, «aber ich muss sagen, es hat auch so enorm Spass gemacht die letzten Wochen». Zugleich ruft er dazu auf, dass sich die Partei nun geeint hinter der neuen Parteivorsitzenden versammeln sollte. Freilich sei er enttäuscht, sagt Tim Hauser. Die Niederlage von Merz sei vor allem für die Basis in Baden-Württemberg eine herbe Enttäuschung. «Bei uns haben 70 Prozent der Parteimitglieder auf Merz gesetzt.»

Erleichterung bei der Vorgängerin

Den offensichtlich zutage getretenen Riss in der Partei wollte kaum ein Delegierter einräumen. «Die Partei ist nicht gespalten, die neue Vorsitzende hat die Einigkeit betont, die beiden unterlegenen Kandidaten haben angeboten, in der neuen CDU mitzuarbeiten», sagt der niedersächsische Finanzminister Reinhold Hilbers. «Ein Riss würde durch die Partei gehen, wenn die drei Kandidaten für jeweils eine komplett andere Politik gestanden wären. Das ist nicht der Fall.» Hilbers ist überzeugt, dass die Partei in eine lebendigere Zukunft gehen werde, in der um politische Inhalte wieder gerungen und gestritten werde.

Als AKK auf die Bühne tritt, erkennt man auch im Gesicht ihrer Vorgängerin Erleichterung. Eine Zusammenarbeit zwischen den früheren Rivalen Friedrich Merz als Parteichef und Angela Merkel als Kanzlerin wäre sicherlich schwieriger geworden, als es diejenige zwischen Merkel und AKK verspricht. Zwar ist auch AKK in den letzten Wochen auf Distanz zur Regierungschefin gegangen, doch blieb sie in der grossen Linie loyal. Die neue CDU von AKK wird schon bald an Taten gemessen werden. 2019 sind nicht nur Europawahlen, es stehen auch drei Landtagswahlen an.

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