Kommentar

Zum Aus des A380: Airbus hat die Lobbyarbeit der Konkurrenz unterschätzt

Der Airbus A380 habe seinen Auftrag als Prestigeobjekt zwar erfüllt, doch der Preis dafür war zu hoch, sagt unser Korrespondent Stefan Brändle über den A380-Misserfolg.

Stefan Brändle, Paris
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Stefan Brändle, Korrespondent

Stefan Brändle, Korrespondent

Der Markt habe sich verändert, erklärte Airbus-Chef Tom Enders den A380-Misserfolg unlängst. Flugexperten glauben eher, dass Airbus einem falschem Konzept gefolgt war. Der Konzern setzte auf den Massentransport zwischen den einzelnen «Hubs», den Dreh- und Angelpunkten der grössten Airlines in New York, London oder Peking. Für sie war der A380 gedacht; kleinere Flugzeuge sollten ergänzend die Verbindungsflüge von Regionalflughäfen in die grossen Umschlagplätze herstellen.

Boeing hatte das A380-Konzept von Beginn weg in Frage gestellt. Die Amerikaner erkannten, dass der rasant zunehmende Flugverkehr ein dichtes Netz von Direktflügen erfordern würde – wofür Mittel- und Langstreckenflugzeuge wie der B787 besser geeignet sind. Airbus hat inzwischen selber eingesehen, dass dieses Konzept nur noch mittelgrosse, aber möglichst günstige Flugzeuge erfordert. Deshalb wurde der A350 lanciert, der weniger Sprit verbraucht und auch kleinere Flughäfen anfliegen kann.

Der übergrosse A380 zwang die Flughäfen zu einer teuren Anpassung ihrer Infrastruktur mit Passagierbrücken und weiteren Pistenkurven. Mit einer Spannweite von 80 Metern ist der A380 sogar 15 Meter breiter als der B747 von Boeing. Airbus unterschätzte dabei ein wichtiges Detail: Wie früher bei dem britisch-französischen Überschallflugzeug Concorde lobbyierte Boeing erfolgreich, dass amerikanische und japanische Flughäfen und -gesellschaften dem A380 die kalte Schulter zeigten.

Doch Airbus wollte den A380 einfach aus Prestigegründen. In einem gewissen Sinn hat der Doppeldecker seinen Auftrag erfüllt: Airbus hat mit Boeing im kommerziellen Bereich gleichgezogen und sich in den letzten zehn Jahren als gleichwertiger Anbieter emanzipiert. Dafür zahlten die Europäer mit dem A380 einen hohen Preis.