Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Afrikas Wachstum kommt zum Erliegen

Wirtschaft Wie eine offene Wunde klafft das riesige Loch in der Steppe von Botswana, aufgerissen von Baggern so gross wie ein mehrstöckiges Haus. Fast 400 Meter tief ist die im Tagebau betriebene Diamantmine von Jwaneng. Über zehn Millionen Karat werden hier jedes Jahr aus dem rotbraunen Boden der Kalahari gekratzt – mehr als aus jeder anderen Diamantmine weltweit. Doch das Geschäft läuft schlecht.

Früher gingen die Kumpel nach dem Schichtwechsel oft in eine der umliegenden Bars, um dort mit einem Markenbier ihren Durst zu löschen. Doch heute sind die Kneipen verwaist. Stattdessen trinken viele der Bergleute lokale Billigmischungen, die nicht in Glasflaschen, sondern Kartons abgefüllt sind.

Die Rückkehr zum Selbstgebrauten ist ein Zeichen für den eingebrochenen Konsum auf dem Kontinent. Statt wie in den zehn Jahren bis 2014 um bis zu 7 Prozent sind Afrikas 49 Volkswirtschaften nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) 2016 im Schnitt nur noch mickrige 1,4 Prozent gewachsen – und haben damit nicht einmal das hohe Bevölkerungswachstum von durchschnittlich rund 2,7 Prozent kompensiert.

Abhängigkeit von China rächt sich

Kein Wunder, dass Millionen junger Afrikaner nach Lebenschancen jenseits ihrer Heimat suchen, immer öfter auch in Europa. Gross ist in Europa deshalb die Sorge, dass nach der Migration aus Nahost nun auch die aus Afrika aus dem Ruder laufen könnte. So kamen nach Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in den ersten drei Monaten dieses Jahres über 50 Prozent mehr Afrikaner in die EU als Anfang vergangenen Jahres. Die deutsche Regierung rechnet mit bis zu 400000 Flüchtlingen vom Nachbarkontinent in diesem Jahr. Anders als heute war die Stimmung vor drei Jahren schon deshalb besser, weil es zu jener Zeit noch keine Flüchtlingsströme gab: Damals galten viele afrikanische Volkswirtschaften als wahre Wachstumswunder. Viele wähnten den Kontinent bereits auf den Fussspuren Asiens. Ex-US-Präsident Barack Obama, dessen Vater aus Kenia stammt, zeigte sich auf einer Stippvisite 2013 fest überzeugt, Afrika werde «die nächste grosse Erfolgsstory der Welt» schreiben.

Grundlage der Hoffnung waren wie so oft zuvor die vom Rohstoffboom befeuerten hohen Wachstumsraten einiger Länder – und die Aussicht auf das Aufkommen einer konsumfreudigen Mittelschicht. Genau das scheint sich nun jedoch als Trugschluss zu entpuppen. Denn China als wichtigste Triebfeder der Erholung Arikas schaut stärker nach innen – und baut zunächst einmal die eigene Wirtschaft um. Im Zuge dessen sind Afrikas Rohstoffexporte nach China seit 2015 um fast 40 Prozent auf 67 Milliarden Dollar eingebrochen. Genauso stark fielen die chinesischen Direktinvestitionen in Afrika. Jetzt rächt sich, dass Afrika in den vergangenen Jahren fast nur auf die chinesische Karte gesetzt und darüber die historisch engen Bande zu den traditionellen Handelspartnern im Westen vernachlässigt hat. Niemand weiss, wer nun all die geplanten Infrastrukturprojekte finanzieren und umsetzen soll.

Internationale Unternehmen zeigen sich skeptisch

Chinas Metamorphose von einer rohstoffhungrigen zu einer stärker auf den Konsum ausgerichteten Volkswirtschaft könnte womöglich sogar zur Folge haben, dass die für Afrika so wichtigen Metallpreise trotz der leichten Erholung im vergangenen Jahr für lange Zeit nicht mehr richtig zulegen werden. Keinen trifft der Absturz der Rohstoffpreise härter als das Afrika südlich der Sahara, dessen 49 Volkswirtschaften auch 60 Jahre nach Beginn der Unabhängigkeit fast alle noch auf dem Export jeweils eines einzigen Rohstoffs fussen. Bei vielen Unternehmen ist die Skepsis über das vermeintlich grenzenlose Wachstumspotenzial Afrikas jedenfalls spürbar gestiegen. Nun müssen viele Unternehmen erkennen, dass die Erwartungen überzogen waren.

Wolfgang Drechsler, Kapstadt

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.