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Afrika hat dreimal mehr Brände als der Amazonas – doch keinen interessiert's

Während die Welt besorgt auf Amazonien blickt, lodern in Afrika noch viel grössere Brände. Wieso schaut keiner hin? Die Erklärung ist einfach.
Markus Schönherr aus Kapstadt
Buschbrände wie hier in Südafrika gehören auf dem «Feuerkontinent» zum Alltag. Bild: S. van Zuydam/Keystone

Buschbrände wie hier in Südafrika gehören auf dem «Feuerkontinent» zum Alltag. Bild: S. van Zuydam/Keystone

Knysna, das Städtchen am untersten Zipfel Südafrikas, ist beliebt bei Touristen aus aller Welt. Der Hafen ist voll kleiner Läden, einmal im Jahr schlürfen die Touris beim traditionellen Oyster Festival Champagner mit Austern. 2017 änderte sich jedoch alles, als ein Waldbrand über Nacht weite Teile des Orts auffrass. Mehrere Menschen kamen ums Leben, etwa tausend Häuser fielen den Flammen zum Opfer. Die Tier- und Pflanzenwelt hat sich bis heute nicht erholt.

Lauffeuer gehören in Afrika zum Alltag. Das zeigen auch die Satellitenaufnahmen der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa, auf denen Brandherdmarker einen roten Teppich von Zentralafrika quer über den Südosten des Kontinents bis nach Madagaskar zeichnen.

In Angola gibt’s mehr Brände als im Amazonas

Allein in Angola loderten in den vergangenen Tagen etwa dreimal so viele Brände wie in Brasilien. «Afrika ist für 70 Prozent der jährlich verbrannten Erdoberfläche verantwortlich. Es ist die entzündlichste Region der Welt», sagt William Bond, Ökologe an der Universität Kapstadt. Doch wo bleibt der internationale Aufschrei? Wo bleiben die Spendenzusagen in Millionenhöhe, wie sie derzeit für den Amazonas-Regenwald gesammelt werden?

Der entscheidende Unterschied zwischen dem Amazonas und Afrika liegt darin, dass in Afrika keine ökologisch wertvollen Wälder zerstört werden, erklärt die südafrikanische Botanikerin und Feuerökologin Sally Archibald. «In Amazonien bereiten uns die Feuer Sorge, die in der Unterschicht der Tropenwälder lodern. Diese können grossen Schaden anrichten, da die Tropenhölzer, anders als Savannenbäume, nicht an Feuer gewöhnt sind und bei einem einzigen Brand absterben können.» In Afrika brennt vorwiegend Busch- und Grasland – und das ist aus Sicht der Biologin sogar nützlich.

In Savannen seien Pflanzen und Tiere an Feuer gewöhnt, viele seien sogar darauf angewiesen, um ihren Lebenszyklus zu vollenden. «Manche Pflanzen blühen erst nach einem Wildfeuer, und viele Vögel, Ameisen und Säugetiere benötigen die ungleichmässig offene Landschaft, die bei einem Brand entsteht», sagt Botanikerin Archibald.

Streit herrscht indessen über den Einsatz von Feuer in der Landwirtschaft. Wer etwa mit dem Flugzeug über die Kleinstadt Mbombela nahe des südafrikanischen Kruger-Nationalparks fliegt, erkennt sie schon von weitem: schwarzgraue Rauchsäulen, die sich in den Himmel bohren. Brandrodung ist als Landwirtschaftstechnik weit verbreitet in Afrika. Genau wie im Amazonas-Gebiet stehen die Feuer auch hier im Verdacht, den Klimawandel zu beschleunigen. Laut Studien seien Landschaftsfeuer für zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich, ein Drittel davon stammt aus Afrika. Vernachlässigbar, meint hingegen der Kapstädter Ökologe Bond: «Diese Brände tragen nicht signifikant zu den Emissionen bei, denn das CO2 wird durch den rapiden Neubewuchs wieder aufgebraucht.»

Ohne kontrollierte Feuer geht es nicht

Also: Abfackeln ohne schlechtes Gewissen oder Löschen um jeden Preis? Für ein gesundes afrikanisches Ökosystem heisst es: weder noch. Das weiss auch Ramona Butz, Ökologin aus den USA. Sie untersuchte in Nordtansania das traditionelle Feuermanagement der Massai. Die Nomaden legten während Tausender Jahre in der Trockenzeit kleine, kontrollierte Feuer. Das änderte sich mit der Ankunft der Europäer auf dem Kontinent. Bis heute setzen die Europäer darauf, Brände noch im Funken zu ersticken. «Historische Analysen zeigen uns, dass es etliche Konsequenzen mit sich zog, als man indigene Brandmethoden aus der Umwelt verbannte», so Butz. Wo kleine Feuer einst auf nachhaltige Weise die Natur aufräumten und natürliche Brandschneisen bildeten, wuchern heute Büsche und Gestrüpp. Die Folge: noch viel gewaltigere, zerstörerische Flächenbrände. Diese bedrohen Menschen und Infrastruktur.

Auch die Weltbank hat die doppelte Rolle von Buschbränden in Afrika erkannt. 2016 veröffentlichte sie eine umfassende Studie mit dem Titel «Afrika – der Feuerkontinent». Feuer sei entscheidend für die Artenvielfalt und ein gesundes Ökosystem, bedrohe in einem zunehmend urbanen Raum zugleich aber den Menschen und dessen Besitz, schreibt die Weltbank-Expertin Magda Lovei. «Deshalb müssen wir sicherstellen, dass die Brände in einem Zyklus und auf kontrollierte Weise stattfinden.»

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