AFGHANISTAN-EINSATZ: Söldner statt reguläre Truppen?

Die USA suchen nach einer neuen Strategie für den Krieg am Hindukusch, wo die Taliban wieder deutlich erstarkt sind. Diskutiert wird jetzt auch die Entsendung einer Söldnerarmee.

Urs Bader
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Ein US-Soldat sitzt in einem Helikopter über der afghanischen Stadt Kabul. (Bild: Jonathan Ernst/Getty (24. April 2017))

Ein US-Soldat sitzt in einem Helikopter über der afghanischen Stadt Kabul. (Bild: Jonathan Ernst/Getty (24. April 2017))

Urs Bader

Die radikalislamischen Taliban in Afghanistan geben sich siegessicher. Sie haben US-Präsident Donald Trump diese Woche einen Brief geschrieben, in dem sie ihm den vollständigen Abzug aus Afghanistan nahelegten, wie Agenturen berichteten. «Kriegstreiberische Politiker und Generäle» versuchten ihn in eine Verlängerung des Krieges zu zwingen, was aber nur zu mehr amerikanischen Verlusten führen werde.

Die Taliban warnten Trump auch, dass eine weitere «Besatzung» dazu führen werde, dass sie sich den «Feinden» der USA zuwenden würden. Tatsächlich gehen Geheimdienste davon aus, dass der Iran und Russland die Taliban fallweise bereits heute unterstützen – freilich mit ganz unterschiedlichen Motiven.

Afghanistans Streitkräfte sind überfordert

Die Taliban giessen mit ihrem Brief in den USA Öl ins Feuer, wo die Regierung Trump um eine neue Afghanistan-Strategie ringt. Und wie in anderen Fragen scheint es im Weissen Haus auch dabei zwei Lager zu geben, die Antworten auf diese Fragen suchen: Sollen weitere Truppen an den Hindukusch geschickt werden? Wenn ja, wie viele? Mit welchem Auftrag? Und neuerdings: Könnten die USA statt reguläre Truppen nicht Söldner aufbieten?

Verteidigungsminister James Mattis sagte zu Wochenbeginn, man sei «sehr nahe dran an einer neuen Afghanistan-Strategie». Diese sollte aber schon Mitte Juli vorliegen; eine Truppenverstärkung schien beschlossene Sache zu sein. Auch Nato-Partner hatten zugesagt, ihre Truppen zu verstärken. Zu klären, wie es in Afghanistan weitergehen soll, ist dringlich, weil die Taliban ständig erstarkt sind und in vielen Landesteilen immer wieder Stellungen der Armee überrennen. Das sind fast tägliche Machtdemonstrationen. Bereits sollen die Taliban wieder elf Prozent des Landes beherrschen oder beeinflussen. Hinzu kommt, dass vielerorts auch Kommandos des «Islamischen Staats» aktiv sind.

Die afghanischen Streitkräfte, die seit dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes im Dezember 2014 weitgehend auf sich selbst gestellt sind, sind überfordert. Die Nato-Trainingsmission «Resolute Support» gilt als zu klein. Ausbildung findet fast ausschliesslich auf hoher Offiziersebene statt. In dieser für die ­ US- und Nato-Verbände prekären Lage hat Erik Prince, der ­frühere Chef der unter neuem Namen auftretenden Blackwater-Söldnertruppe, der US-Regierung eine Offerte gemacht, die in der «Financial Times» bekannt gemacht wurde. Mit 5000 Söldnern und 100 Flugzeugen will er der afghanischen Armee beistehen. Kostenpunkt: 10 Milliarden Dollar pro Jahr, also deutlich weniger als die 40 bis 50 Milliarden, welche die USA heute für den Afghanistan-Einsatz ausgeben. «Wir geben in Afghanistan zu viel aus», erklärte Prince. «Das macht den Aufstand noch schlimmer – durch Korruption und dadurch, dass Geld an die Taliban abfliesst.»

Söldner operieren im juristischen Graubereich

Der Einsatz von Söldnern, durchaus gängige Praxis, ist heikel. Söldner operieren im juristischen Graubereich und werden, anders als die Armee, nicht durch ein Parlament kontrolliert. Blackwater-Leute richteten 2007 in der irakischen Hauptstadt Bagdad ein Massaker unter unbewaffneten Zivilisten an. Der Prozess gegen vier Söldner ist jetzt gerade neu aufgerollt worden; ein Berufungsgericht hat die langen Haftstrafen aufgehoben.

Die Offerte von Prince, dem Bruder von Bildungsministerin Betsy DeVos, ist in Trumps Regierung strittig. Die Taliban äussern sich in ihrem Brief an Trump höhnisch dazu: «Wenn Sie den Krieg schon nicht mit professionellen US- und Nato-Truppen gewinnen, werden Sie ihn niemals mit Söldnern und unmoralischen Handlangern gewinnen.»