Afghanistan- Diskussion auch wieder in Rom

rom. Nach einem Anschlag gegen italienische Isaf-Truppen in Kabul ist auch in Rom eine Diskussion über Sinn und Unsinn des Afghanistan-Einsatzes entbrannt. Bei dem Selbstmordattentat sind sechs italienische Soldaten und mindestens 15 einheimische Zivilisten getötet worden.

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rom. Nach einem Anschlag gegen italienische Isaf-Truppen in Kabul ist auch in Rom eine Diskussion über Sinn und Unsinn des Afghanistan-Einsatzes entbrannt. Bei dem Selbstmordattentat sind sechs italienische Soldaten und mindestens 15 einheimische Zivilisten getötet worden. Die Talibanmilizen beanspruchten die Urheberschaft des Attentats.

Debatte war verstummt

In Rom unterbrach das Parlament seine Beratungen, um in einer Schweigeminute der Opfer zu gedenken.

Ministerpräsident Berlusconi erklärte in einer Note, dass er und die ganze Regierung das Leid der Familien der Opfer teilten. Gleichzeitig drückte er «allen Einheiten der italienischen Mission in Afghanistan, die sich für den Aufbau von Demokratie und Frieden in diesem unglücklichen Land einsetzen», seine Solidarität aus. Italiens Kontingent zählt knapp 2800 Soldaten.

Seit den Diskussionen um die Verlängerung des Einsatzes unter der Mitte-Links-Regierung von Romano Prodi, die im Februar 2007 zu einer Regierungskrise geführt hatten, war es um dieses Thema eher ruhig geworden. Dies änderte sich gestern schlagartig.

«Exit-Strategie» gefordert

Aussenminister Frattini bekräftigte am Nachmittag zwar, Italien werde seine Verpflichtungen einhalten.

Mehrere Parteien forderten aber eine «Exit-Strategie», wobei sich das Mitte-Links-Lager einmal mehr schwertun dürfte, eine gemeinsame Linie zu finden. Während der moderate Teil des Partito Democratico sich darauf beschränkte, sich mit den Soldaten zu solidarisieren und den Anschlag zu verurteilen, forderte die Partei des früheren Korruptions-Staatsanwalts Di Pietro, dass sich die Regierung umgehend bei der Nato für den Plan eines geordneten Rückzugs einsetzen solle.

Die Forderung nach einer «Exit-Strategie» war zwar auch im Regierungslager zu vernehmen, doch sind diese Stimmen in der Mitte-Rechts-Koalition klar in der Minderheit. Insgesamt dürfte der angeschlagene Berlusconi vom Anschlag eher profitieren: In Zeiten der Not und Trauer scharen sich die Italiener um den Regierungschef. Bereits hat der Journalistenverband die für Samstag in Rom geplante Grossdemonstration zum Schutz der Pressefreiheit abgesagt. Dominik Straub, Rom

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