Ägyptens Regime spielt auf Zeit

Die wagen Absichtserklärungen der Regierung bestärken die ägyptischen Regimegegner. Derweil verbreiten die Regierungsmedien weiter Verschwörungstheorien.

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Limassol. In Ägypten ist auch nach ersten Gesprächen zwischen Regierung und Opposition kein Ende der Proteste absehbar. Regimegegner drückten gestern ihre Enttäuschung und Wut über die Haltung von Mubaraks Stellvertreter Suleiman aus. Dieser spiele auf Zeit und versuche daher mit wagen Absichtserklärungen die Opposition abzuspeisen und auseinanderzudividieren. Die Hinhaltetaktik der Regierung werde die Regimegegner aber letztlich ermuntern, ihre Proteste unbegrenzt fortzusetzen, sagte Essam al-Erian von der oppositionellen Moslembruderschaft.

«Israelische Spione»

Dass das von Suleiman geführte Regime kaum daran denkt, den seit 30 Jahren geltenden Ausnahmezustand und die damit verbundenen Notstandsgesetze aufzuheben, zeigt ein Blick in die Staatsmedien. Diese stellen die Opposition noch immer als eine Bande von Verschwörern dar. «Bei den Agitatoren», hiess es gestern in der Zeitung «Al Akhbar», «handelt es sich vermutlich um von Amerikanern bezahlte israelische Spione sowie von Iran gesponserte Hamas-Aktivisten, deren Ziel es ist, Ägypten in einen Striptease-Club unter der Führung schiitischer Ayatollahs zu verwandeln.»

Journalisten eingeschüchtert

Da die Regierung das Ausmass der Proteste verheimlichen will, werden ausländische Berichterstatter nicht nur bei ihrer Arbeit behindert, sondern von Regimeanhängern erneut eingeschüchtert. Das Informationsministerium forderte Fotografen und Kamerateams gestern auf, eine Art Kaution von bis zu 90 000 Dollar zu hinterlegen. Wer sich weigert, muss mit der Beschlagnahme seiner Ausrüstung rechnen. Vergessen scheint die Zusicherung des Regimes, eine freie Berichterstattung zuzulassen. Michael Wrase

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