Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Ägyptens Präsident Mursi unter Druck der Hamas

Ägypten stand im Zentrum der Verhandlungen für eine Waffenruhe im Nahostkonflikt. Die Regierung muss jedoch zwischen ihrer Sympathie für die Hamas und eigenen Sicherheitsbedenken abwägen.
Markus Symank
Mohammed Mursi (Bild: ap)

Mohammed Mursi (Bild: ap)

KAIRO. Jahrzehntelang spielte Ägypten im Nahostkonflikt ein doppeltes Spiel. Öffentlich bekundete das Regime des gestürzten Diktators Mubarak seine Unterstützung für die Sache der Palästinenser. Tatsächlich aber hielt es Jerusalem und dessen mächtigen Partner Washington stets die Stange – auch wegen der Milliarden-Militärhilfe aus den USA.

Mit dem Machtwechsel ist vieles anders geworden. Die nun dominante Moslembruderschaft ist die Mutterorganisation der im Gaza-Streifen herrschenden Hamas; Präsident Mohammed Mursi unterhält enge persönliche Kontakte zur Führungsriege dort. Während seines Wahlkampfs ging er auch mit dem Versprechen auf Stimmenfang, sich für die «moslemischen Brüder» jenseits der Grenze einzusetzen.

Zweigleisige Diplomatie bleibt

Teils hat Mursi seine Zusage gehalten. Bei den Bemühungen um einen Waffenstillstand zwischen der Hamas und Israel kam Ägypten eine Schlüsselrolle zu. Kairo ist zurück auf der Landkarte der Nahost-Diplomatie. In der ägyptischen Hauptstadt laufen alle Verhandlungsfäden zusammen: Israelische Unterhändler, UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und auch US-Aussenministerin Clinton fanden sich hier zu Gesprächen ein. Ägyptens Regierung setzte zudem mit dem Besuch ihres Ministerpräsidenten Hisham Kandil in Gaza-Stadt ein starkes Zeichen der Solidarität.

Doch Ägyptens zweigleisige Diplomatie ist deshalb nicht Vergangenheit. So sehr Mursi sich an internationaler Front für die Palästinenser einsetzt, so wenig dürfte er bereit sein, deren Leid durch tiefgreifende Zugeständnisse zu mindern. Die Beendung der Gaza-Blockade, wie Mursi sie von Israel fordert, könnte er mit der permanenten Öffnung des einzigen ägyptisch-palästinensischen Grenzübergangs bei Rafah weitgehend selbst verwirklichen. Der Gaza-Streifen würde so nicht mehr länger am Tropf der israelischen Regierung hängen, könnte legal Lebensmittel, Medikamente, Baumaterial aus Ägypten importieren und eigene Produkte auf dem ägyptischen Markt anbieten. Ein freier Personenverkehr zwischen den beiden Ländern könnte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung in Gaza führen, auf den die Hamas dringend angewiesen ist. Die schlechte Versorgungslage in dem von ihr kontrollierten Gebiet schadet zunehmend ihrem Rückhalt in der Bevölkerung.

Mursi schreckte davor bislang jedoch zurück. Denn durch einen solchen Schritt könnten Terroristen aus Gaza noch leichter als bisher nach Ägypten gelangen und am Pulverfass Sinai-Halbinsel zündeln: Seit Monaten liefern sich dort radikale Islamisten blutige Gefechte mit Sicherheitskräften.

Mursi ist erpressbar

Dennoch ist die permanente Öffnung der Grenze zum arabischen Nachbarn der einzige handfeste Erfolg, auf den die Hamas hofft. Zugeständnisse von Seiten Israels sind unter der Regierung Benjamin Netanyahus kaum zu erwarten, erst recht nicht eine Aufhebung der Blockade.

Ägyptens Medien haben spekuliert, die Hamas-Führung werde erst dann einem Waffenstillstand zustimmen, wenn Mursi seine Haltung in der Grenzfrage überdenke. Die radikale Organisation weiss, dass der ägyptische Präsident in dieser Hinsicht erpressbar ist: Je länger der Krieg dauert, desto schneller sinkt in der Heimat seine Popularität.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.