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Der Demokrat, der Donald Trump zur Weissglut bringt

Bei Adam Schiff laufen bei den Vorarbeiten zum Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten Donald Trump die Fäden zusammen.
Renzo Ruf
Der Abgeordnete Adam Schiff lässt sich von der republikanischen Schmutzkampagne nicht beirren. (Bild: EPA)

Der Abgeordnete Adam Schiff lässt sich von der republikanischen Schmutzkampagne nicht beirren. (Bild: EPA)

Nachträglich betrachtet war es wohl keine gute Idee, dass Adam Schiff sich vorige Woche von seinem kalifornischen Wahlbezirk inspirieren liess, zu dem auch die Film- und Fernsehstudios in Hollywood zählen. Und eine parlamentarische Anhörung über die Ukraine-Affäre mit «einer partiellen Parodie» des Telefongesprächs zwischen Präsident Donald Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen begann. Denn diese zugespitzte Version setzte Schiff erneut dem Vorwurf aus, er nehme es mit der Wahrheit nicht genau.

Bereits forderte Trump, stets darum bemüht, seine Kritiker blosszustellen, einen Prozess wegen Betrugs und Landesverrats gegen den Demokraten. «Er hat alles erfunden», behauptete der republikanische Präsident am Mittwoch im Weissen Haus. Auch beschuldigte Trump den Demokraten, er habe dem anonymen Whistleblower, der die Affäre ins Rollen brachte, bei der Abfassung seiner Eingabe geholfen.

Republikaner gaben ihm despektierliche Beinamen

Schiff ist sich solche Breitseiten Trumps gewohnt. Als führender Demokrat im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses ist er in den Augen des Präsidenten schon lange Staatsfeind Nummer eins. Trump hat es Schiff nicht verziehen, dass dieser die Kontroversen um den Ausgang der Präsidentenwahl 2016 am Köcheln hielt – und zum Beispiel öffentlich sagte, es gebe ausreichend Beweise für eine illegale Kooperation zwischen dem Wahlkampfstab Trumps und russischen Hackern.

Aus dieser Zeit stammen auch die despektierlichen Beinamen, mit denen Schiff von führenden Republikanern regelmässig eingedeckt wird. Einige – «Shifty Schiff», ein Wortspiel mit seinem Nachnamen und dem amerikanischen Wort für «verschlagen» oder «gerissen» – erinnern an die Schmähwörter, mit denen Menschen jüdischen Glaubens im Nazi-Blatt «Der Stürmer» besudelt wurden.

Schiff lässt sich von dieser Schmutzkampagne nicht beirren. Er ist der Meinung, dass er im Pokerspiel mit Trump über die besseren Karten verfügt – auch, weil er dank seinem Amt Zugriff auf Geheimdienst-Informationen besitzt. In seiner Kritik gegen Trump legt er deshalb den Fokus auf politische Fehltritte des Präsidenten. Trump wiederum gibt ihm regelmässig neue Nahrung. So forderte der Präsident gestern nicht nur die ukrainischen Behörden auf, Ermittlungen gegen den führenden demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden aufzunehmen, sondern auch die chinesische Staatsführung.

Weil Schiff das erratische Verhalten Trumps weitgehend ignoriert, entschied Speakerin Nancy Pelosi, dass er die Ermittlungen über ein allfälliges Amtsenthebungsverfahren gegen Trump koordinieren solle. Schiff ersetzt damit Jerry Nadler, den Vorsitzenden der Justizkommission.

Schiff nahm es auch schon mit Obama auf

Das war nicht das erste Mal, dass Schiff in seiner Karriere einen einflussreichen Vertreter der Justizkommission des Repräsentantenhauses aus dem Weg schob. Im Jahr 2000, als sich der ehemalige Staatsanwalt erstmals in Kalifornien um einen Sitz im US-Kongress bewarb, trat er gegen den Republikaner James Rogan an. Dieser hatte Ende der 90er-Jahre als Mitglied der Justizkommission versucht, Präsident Clinton aus dem Amt zu jagen. Schiff besiegte Rogan, auch, weil er die Unterstützung von mächtigen Hollywood-Freunden des Präsidenten besass.

Im Repräsentantenhaus schloss sich der heute 59-Jährige der gemässigten Faktion der Demokraten an; auch dank der Unterstützung Pelosis wurde er alsbald eine führende sicherheitspolitische Stimme seiner Partei. In dieser Rolle schreckte er auch vor Kritik an Parteikollegen nicht zurück. So bemängelte Schiff die Antwort von Präsident Barack Obama auf die Hacker-Attacken Russlands im Wahlkampf 2016.

Und obwohl er wahrlich kein Freund des aktuellen Präsidenten ist, sprach sich Schiff erst am 24. September für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump aus. Er tue dies, weil der Präsident versucht habe, mit Hilfe eines anderen Staates den Ausgang der Wahl 2020 zu beeinflussen. Nun fällt ihm die Aufgabe zu, diesen historischen Schritt dem Rest des Landes zu erklären.

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