Terror in Neuseeland
Aargauerin in Christchurch über Attentat: «Schrecklich für die Betroffenen, für die ganze Stadt»

Die in Lengnau aufgewachsene Stefi Porter, 36, ist vor 14 Jahren der Liebe wegen nach Christchurch in Neuseeland ausgewandert. Dort lebt sie mit ihrem Mann und Sohn und arbeitet bei der Stadt mit internationalen Studenten. Im Gespräch mit CH Media erzählt sie, wie sie das Attentat miterlebt hat.

Claudia Laube
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Stefi Porter Haag aus Lengnau

Stefi Porter Haag aus Lengnau

zvg

Bereits 2011 war Christchurch mit einer Tragödie konfrontiert, als ein starkes Erdbeben grosse Teile der Stadt zerstörte. Stefi Porter erlebte damals das Erdbeben hautnah mit. 8 Jahre später folgt die nächste Tragödie: Terroristen töteten in zwei Moscheen 49 Menschen.

Es ist Freitag, 23 Uhr in Christchurch, als wir die Lengnauerin telefonisch erreichen. Sie ist nach diesem Tag, verständlicherweise, sehr müde, aber trotzdem bereit, uns zu erzählen, wie sie sich fühlt.

Stefi Porter, wie erfuhren Sie vom Attentat?

Stefi Porter: Ich hatte gerade meine Arbeit bei der Stadt beendet und wollte meinen Sohn von der Schule abholen als ein «Lockdown», eine Vollsperrung, vermeldet wurde. Das bedeutete, dass wir im Büro bleiben mussten und nicht mehr auf die Strasse durften. Zuerst hatten wir keine Ahnung, was los war, aber dann kamen im Halbstundentakt immer neue Informationen rein – und die wurden immer schlimmer!

Was war mit Ihrem Sohn?

Die Kindergärten und Schulen wurden geschlossen und mein Sohn musste im Schulzimmer bleiben. Die Lehrer haben alles super gehandhabt. Sie haben den Kindern aber nicht erzählt, was passiert ist. Das wird dann die Aufgabe von meinem Mann und mir sein, unserem Sohn diese Geschehnisse zu erklären. Ich verstehe es ja selbst noch gar nicht und bin jetzt auch immer noch viel zu schockiert, um darüber nachzudenken.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie vom Attentat hörten?

Zuerst ist mir regelrecht schlecht geworden! Ich finde keine Worte für dieses Attentat, es ist einfach nur unglaublich. Warum tut jemand so etwas? Und warum ist das in Christchurch passiert, schon fast am Ende der Welt? Ich kenne Christchurch nur als friedliche Stadt, hier leben so viele Menschen mit den verschiedensten kulturellen Hintergründen zusammen. Und normalerweise tragen nicht einmal die Polizisten Waffen.

Ich finde es auch ganz schrecklich, dass da einer mit einer GoPro-Kamera alles gefilmt und auf Social Media live übertragen hat. Ich bin froh, habe ich das Video selbst nicht gesehen und habe auch meinen Freunden über meine Facebook-Seite mitgeteilt, dass ich davon abrate, sich das anzuschauen. Man soll Hass keine Chance geben.

Einen Tag nach den Terroranschlägen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch ist der 28-jährige Australier Brenton Tarrant am Samstag offiziell des Mordes beschuldigt worden.
37 Bilder
Der Australier Brenton Tarrant (28) ist ein Todesschütze beim Attentat von Christchurch/Neuseeland. Der Rechtsextreme hat sich bei den Taten selbst gefilmt und dies im Video live gestreamt.
Trauernde vor einem Spital in Christchurch.
Eine Frau, die beim Attentat ihren Ehemann verlor, ist fassungslos.
Blumenmeer von Trauernden in Christchurch.
Diese Nachricht wurde vor dem Spital in Christchurch niedergelegt.
«Das ist nicht Neuseeland»: Vor der Al Noor Masjid Moschee in Christchurch haben Trauernde Blumen zum Gedenken an die Opfer niedergelegt.
Nach Augenzeugenberichten hatte ein Mann zunächst in einer Moschee in der Innenstadt um sich geschossen, wo sich Hunderte Muslime zum Freitagsgebet versammelt hatten.
Später fielen auch noch in einer anderen Moschee Schüsse. Es handelte sich um die Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum und um eine Moschee im Vorort Linwood.
Am Tag nach dem Attentat ist Tarrant vor Gericht erschienen.
Blumenmeer für die Opfer.
Menschen trauern um die Opfer.
Menschen trauern um die Opfer.
Forensiker vor der Al Noor Masjid-Moschee in Christchurch.
Vorbild für Brenton Tarrant: Der norwegische Massenörder Anders Breivik.
Ebenso Vorbild für Brenton Tarrant: Radovan Karadzic, serbischer Kriegsverbrecher.
Die Masjid Al Noor Mosque-Moschee in Christchurch.
Sicherheitskräfte riegelten nach der Tat die komplette Innenstadt von Christchurch ab,
Neuseeländische Medien berichteten von Dutzenden Toten und Verletzten: Um 9.30 Uhr lag die Zahl der Todesopfer bei 49.
Rechter Terror in Neuseeland: Ein Mann weint, als er die Schreckensnachricht am Telefon erzählt.
Die Sicherheitskräfte gaben bekannt, dass vier Verdächtige festgenommen worden seien.
Es handele sich um drei Männer und eine Frau.
Im Internet kursieren ein Video und verschiedene Botschaften, die angeblich von einem der Täter stammen.
Dies ist ein weiterer Screenshot aus dem Video.
Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern verurteilte den Angriff aufs Schärfste. Die sozialdemokratische Politikerin sprach von einem der "dunkelsten Tage" in der Geschichte ihres Landes.
Australiens Premierminister Scott Morrison bestätigt, dass einer der Täter ein Australier ist. Der Angriff sei von einem "extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen" verübt worden, sagte Morrison er.
Zeugen eines Anschlags werden von der Polizei eskortiert.
Rechter Terror in Neuseeland.
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Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.
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Rechter Terror in Neuseeland.
Rechter Terror in Neuseeland.

Einen Tag nach den Terroranschlägen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch ist der 28-jährige Australier Brenton Tarrant am Samstag offiziell des Mordes beschuldigt worden.

KEYSTONE/EPA SNPA POOL/MARTIN HUNTER / POOL

Was denken Sie, hat das Attentat für Auswirkungen auf Christchurch?

Es ist einfach nur schrecklich für die betroffenen Menschen, für die Angehörigen, für die ganze Stadt. Obwohl hier mehr als 350 000 Menschen leben, ist es eine kleine, enge Stadt. Jeder wird jemanden kennen, der von diesem Attentat betroffen ist. Der Arbeitskollege eines Kollegen von mir ist getötet worden. Und ich weiss im Moment von einem Studenten, dass er im Spital ist, weil er in der Moschee war. Es sind sicher noch mehr Studenten betroffen, aber Namen von Betroffenen wurden noch nicht veröffentlicht.

Haben Sie jetzt mehr Angst?

Bei uns in der Nähe ist eine Autobombe platziert worden, die zum Glück nicht detoniert ist. Das macht natürlich Angst. Im Grossen und Ganzen fühle ich mich in dieser Stadt aber immer noch sicher. Ich habe grosses Vertrauen in die Polizei.

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