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8 Dinge, die Sie zu den Bombenanschlägen in Sri Lanka wissen müssen

Am Ostersonntag wurden in Sri Lanka bei terroristisch motivierten Vergeltungsanschlägen auf Hotels und Kirchen mindestens 320 Menschen getötet, Hunderte weitere wurden verletzt.

(sva/sda/afp/dpa/lil)

1. Was ist passiert?

Am Ostersonntag wurde Sri Lanka von einer Serie von Bombenanschlägen erschüttert. Dabei mussten mindestens 321 Menschen ihr Leben lassen, über 500 weitere trugen Verletzungen davon. Die Selbstmordattentate zielten auf drei 5-Sterne-Hotels in der Hauptstadt Colombo und drei katholische Kirchen ab. Eine davon befindet sich ebenfalls in Colombo, eine im nahe gelegenen Küstenort Negombo und eine weitere an der Ostküste in Batticaloa. Die Anschläge wurden binnen kurzer Zeit verübt. Die Kirchen waren voll besetzt mit Gläubigen, die die Ostermesse feierten.

Anschlag auf viertes Hotel nicht durchgeführt

Wie die AFP aus Ermittlerkreisen erfuhr, sollte ein viertes, namentlich nicht genanntes Hotel ebenfalls Ziel eines Anschlags werden. Auch dort hatte sich ein Mann – wie es auch bei den anderen Hotel-Anschlägen der Fall war – am Vorabend ein Zimmer genommen, seine Bombe explodierte am Sonntagmorgen jedoch nicht. Unklar ist bisher, ob dahinter Absicht oder eine Fehlfunktion steckte. Als Polizisten den Mann später stellten, sprengte er sich in die Luft und tötete dabei zwei Passanten.

2. Wer sind die Opfer?

Die meisten Opfer stammen nach offiziellen Angaben aus Sri Lanka. Zu den Opfern zählen auch 37 Ausländer aus verschiedenen Staaten. Wie das EDA am Montagabend bestätigte, wurden zwei Schweizer Staatsangehörige getötet. Ein drittes Familienmitglied, das über zwei ausländische Nationalitäten verfügte, starb ebenfalls. Darüber hinaus fielen die Eltern einer in der Schweiz lebenden schweizerisch-srilankischen Familie den Anschlägen zum Opfer. Das EDA sei mit den Angehörigen in Kontakt und unterstütze sie im Rahmen des konsularischen Schutzes, teilte das Aussendepartement weiter mit.

Verwandte und Freunde beten an der Massenbeisetzung der Opfer, welche in der Katuwapitiya-Kirche in Negombo ums Leben kamen. (Bild: Pushpa Kumara/EPA)

Verwandte und Freunde beten an der Massenbeisetzung der Opfer, welche in der Katuwapitiya-Kirche in Negombo ums Leben kamen. (Bild: Pushpa Kumara/EPA)

Nach jüngsten Angaben wurden bei den Anschlägen 321 Menschen getötet, hunderte weitere werden noch im Krankenhaus behandelt. Laut Unicef sind unter den Toten auch mindestens 45 Kinder. Dutzende Todesopfer kamen aus dem Ausland, unter anderem aus den USA, den Niederlanden, Dänemark, Grossbritannien, Indien, Australien, Frankreich, Japan, Portugal und der Türkei.

3. Wer sind die Täter?

Nach Einschätzungen der srilankischen Regierung habe eine extremistische Islamistengruppe mit Verbindungen zur Gruppe National Thowheeth Jamaath die Anschläge verübt, sagte Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene am Dienstag im Parlament des Inselstaates. Insgesamt hätten sich sieben sri-lankische Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Die Regierung ist überzeugt, dass die Täter Hilfe aus dem Ausland gehabt haben müssen. «Wir glauben nicht, dass diese Angriffe von einer Gruppe von Menschen verübt wurden, die auf dieses Land begrenzt waren», sagte Kabinettssprecher Rajitha Senaratne. «Es gab ein internationales Netzwerk, ohne das diese Angriffe nicht gelungen wären.»

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Anschlagsserie in Sri Lanka für sich reklamiert. Das IS-Sprachrohr Amaq berichtete am Dienstag in den sozialen Netzwerken, dass die Angreifer, die die Attacken auf «Bürger der Koalition und die christliche Gemeinschaft» durchgeführt haben, Kämpfer des Islamischen Staates gewesen seien.

Mit «Bürgern der Koalition» bezeichnet der IS Staatsbürger von Ländern, die der internationalen Anti-IS-Koalition angehören, die die Terrormiliz in Syrien und im Irak bekämpft. Die Echtheit der Bekennernachricht liess sich zunächst nicht unabhängig prüfen. Belege für diese Behauptung oder nähere Angaben zu den Tätern enthielt sie nicht.

Die Massenbeerdigung auf dem Don David Friedhof in Colombo. (Bild: M.A. Pushpa Kumara/EPA)

Die Massenbeerdigung auf dem Don David Friedhof in Colombo. (Bild: M.A. Pushpa Kumara/EPA)

Einheimische Brüder waren Selbstmordattentäter

Aus Ermittlerkreisen hiess es, zwei der Attentäter seien Brüder, die aus der Hauptstadt Colombo stammten. Sie seien führende NTJ-Mitglieder gewesen und hätten innerhalb ihrer Familie eine «Terrorzelle» gebildet. Beide waren demnach Ende zwanzig und Söhne eines wohlhabenden Gewürzhändlers. Sie hätten sich am Samstag je ein Zimmer in den Hotels Shangri-La und Cinnamon Grand genommen und sich am nächsten Morgen nahezu zeitgleich in der Schlange am jeweiligen Osterbuffet in die Luft gesprengt.

Weitere Verdächtige auf der Flucht

In welchem Verhältnis sie zu den anderen Attentätern standen, war zunächst unklar. Bisher hat die Polizei rund 40 Verdächtige festgenommen. Nach Angaben von Premierminister Ranil Wickremesinghe noch einige Verdächtige auf der Flucht, einige davon seien im Besitz von Sprengstoff, sagte er bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

4. Was ist das Motiv?

Nach ersten Erkenntnissen der Regierung waren die Anschläge in Sri Lanka als Vergeltung der Terroranschläge auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch beabsichtigt, wie Wijewardene am Dienstag weiter mitteilte. Rachegelüste und Hass, nicht Religion, hätten die Täter motiviert. Bisher wurden 42 Menschen in Gewahrsam genommen und mehr als 20 Häuser durchsucht. Islamistische Terrorangriffe hatte es bisher auf Sri Lanka nicht gegeben.

5. Wie war das möglich?

Das ist noch unklar. Vor den Attacken hatte es Hinweise auf Anschlagspläne der Gruppe NTJ gegeben. Erste Informationen über mögliche Anschläge auf Kirchen und Touristenziele hätten der Polizei bereits am 4. April vorgelegen, sagte Senaratne. Auch dem Geheimdienst Sri Lankas hätten Hinweise auf einen möglichen Anschlag vorgelegen. Es müsse untersucht werden, warum keine entsprechenden Massnahmen ergriffen worden seien, sagte der Premierminister Sri Lankas am Montag.

6. Wie reagiert die Regierung?

Nach den Anschlägen hatten die Behörden Mühe, die Lage in den Griff zu bekommen. Sie verhängten am Sonntag und Montag eine nächtliche Ausgangssperre und liessen die Online-Netzwerke sperren, um die Verbreitung von Falschnachrichten und Gerüchten zu verhindern. In der Nacht auf Dienstag hatte erneut eine Ausgangssperre gegolten. Präsident Maithripala Sirisena hat am Montag den Ausnahmezustand ausgerufen. Dies im Interesse der öffentlichen Sicherheit, der Wahrung der öffentlichen Ordnung und zur Sicherung der Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen, hiess es in einer Erklärung des Präsidenten. Die Sicherheitskräfte sollen seinem Büro zufolge weitreichende Befugnisse erhalten, darunter fallen etwa Hausdurchsuchungen ohne gerichtliche Erlaubnis und Verhaftungen ohne Haftbefehl.

Dieser Mann dankte Gott dafür, dass Er seine fünfköpfige Familie beschützt hatte und betete für das Leben derer, die von den Bombenanschlägen betroffen sind. (Bild: Gemunu Amarasinghe/AP Photo)

Dieser Mann dankte Gott dafür, dass Er seine fünfköpfige Familie beschützt hatte und betete für das Leben derer, die von den Bombenanschlägen betroffen sind. (Bild: Gemunu Amarasinghe/AP Photo)

Schweigeminuten und Bestattungen

Der Dienstag begann in Sri Lanka mit drei Schweigeminuten zu Ehren der Toten. Anschliessend wurden die ersten Opfer bestattet. An der St-Sebastian-Kirche in Negombo wurden ihre Särge nach und nach zur Trauerfeier aufs Kirchengelände gebracht.

«Es sind so viele Leichen, dass wir nicht für alle gleichzeitig Platz haben»

sagte Weihbischof Anthony Jayakody. Die Zeremonien fanden daher im Freien statt, tausende Menschen nahmen an ihnen teil. Bis zum Mittag waren mehr als 20 Menschen beigesetzt.

«So viel Trauer haben wir seit dem Bürgerkrieg nicht mehr empfunden»

sagte eine der Trauernden, die bei den Anschlägen mehrere Verwandte verloren hatte. Innerhalb der Kirche waren die Spuren der Explosion allgegenwärtig, auf dem Boden lagen Teile von Heiligenstatuen und zerbrochene Kirchenbänke.

Eine römisch-katholische Frau während der dreiminütigen nationalen Schweigepause. (Bild: Eranga Jayawardena/AP Photo)

Eine römisch-katholische Frau während der dreiminütigen nationalen Schweigepause. (Bild: Eranga Jayawardena/AP Photo)

7. Wie geht es jetzt weiter?

Präsident Maithripala Sirisena berief ein dreiköpfiges Team ein, das die Anschlagsserie untersuchen und in zwei Wochen einen ersten Bericht vorlegen soll. Die internationale Polizeiorganisation Interpol kündigte an, Spezialisten mit Expertise in den Bereichen Tatortuntersuchung, Sprengstoff, Terrorismusbekämpfung und Opferidentifizierung zu entsenden. In einer Mitteilung von Interpol vom Montag hiess es, dass bereits die Datenbank gestohlener und verloren gegangener Reisedokumente überprüft werde. So sollen mögliche Verbindungen und internationale Spuren ermittelt werden.

8. Wie sicher ist Sri Lanka?

Das Aussendepartement schreibt, dass erneute Anschläge nicht ausgeschlossen werden können. Ausserdem müsse damit gerechnet werden, dass die sozialen Medien zeitweise eingeschränkt seien. Von Reisen nach Sri Lanka wird aber nicht generell abgeraten. Das EDA gibt folgende Tipps:

  • Informieren Sie sich vor und während der Reise in den Medien und bei Ihrer Reiseleitung über die Entwicklung der Lage.
  • Lassen Sie grösste Vorsicht walten und befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden.
  • Erkundigen Sie sich lokal (Medien, Hotel, etc.) über allfällige Ausgangssperren, die kurzfristig verhängt und aufgehoben werden können.
  • Bleiben Sie mit Ihrem Reiseveranstalter und Ihren Angehörigen in Kontakt.

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