3600 Passagiere unter Generalverdacht: Die Kreuzfahrt dieser Japaner wurde zum Corona-Horrortrip

Das Corona-Virus grassiert auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess vor Japans Küste. Und Tokio fürchtet um sein Olympischen Spiele.

Felix Lill aus Tokio
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Quarantäne statt entspannte Ferien: 3600 Menschen harren auf dem Kreuzer Diamond Princess vor der japanischen Stadt Yokohama.

Quarantäne statt entspannte Ferien: 3600 Menschen harren auf dem Kreuzer Diamond Princess vor der japanischen Stadt Yokohama.

Bild: Getty

Von Kreuzfahrten erwarten sich Passagiere in der Regel pure Entspannung. Die rund 3700 Personen auf der Diamond Princess, einem Kreuzfahrtschiff aus Japan, ist es derzeit aber gar nicht danach zu Mute: Seit einer Woche wird die Diamond Princess vor der Küste von Yokohama im Südosten Japans unter Quarantäne gehalten. Denn auf dem Schiff, das Yokohama letzten Monat verlassen hatte und seitdem Stopps in Hongkong, Vietnam und Taiwan machte, grassiert das Corona-Virus. Der erste infizierte Passagier war ein 80-jähriger, der in Hongkong zugestiegen war. Bis am Mittwoch stieg die Zahl der Infizierten auf 174.

Während das Kreuzfahrtschifft Westerdam, das ebenfalls unter Corona-Verdacht stand, gestern im kambodschanischen Sihaounkville anlegen durfte, wird die Quarantäne für die Diamond Princess voraussichtlich noch eine Woche andauern.

Deutlicher Seitenhieb gegen Chinas Regierung

In Japan macht man sich nun zusehends Sorgen, dass sich der Virus auch an Land ausbreiten könnte. Japan ist nach China derzeit das am zweitstärksten vom Corona-Virus betroffene Land weltweit. Alleine unter den aus China zurückgeflogenen Verdachtsfällen haben sich in den letzten Tagen zwölf Ansteckungen bestätigt.

Um für Beruhigung zu sorgen, hat die nationale Regierung in Tokio ein Krisenmanagementzentrum errichtet, das vom Premierminister Shinzo Abe angeführt wird. Die Tourismusbranche soll unter anderem durch vermehrte Screenings an Flughäfen unterstützt werden sowie durch finanzielle Unterstützung bei neu auftretenden Problemen. Zudem unterhält die Metropolregierung Tokios eine Taskforce. Betont wird, dass die japanischen Krankenhäuser nicht nur mit Hochdruck an der Behandlung infizierter Personen arbeiten, sondern auch an Impfstoffen.

Japan arbeitet nicht zuletzt deshalb mit Hochdruck an der Eindämmung des Virus, weil das ganze Land bereits an die Olympischen Sommerspiele denkt, die ab Ende Juli in der Region rund um Tokio stattfinden. Die Frage, ob der anderthalbmonatige Megaevent trotz der drohenden Pandemie stattfinden kann, dämpft die Stimmung in Japan.

Das olympische Organisationskomitee aus Tokio etablierte daher letzte Woche eine Sonder-Taskforce. Sie soll sich speziell um die Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen für eine Sportgrossveranstaltung wie die Olympischen Spiele kümmern. «Tokyo 2020 wird weiterhin mit allen relevanten Organisationen kooperieren, die aufmerksam jedes Aufkommen ansteckender Krankheiten beobachten», heisst es auf Anfrage seitens des olympischen Organisationskomitees. Ein deutlicher Seitenanhieb gegen die chinesische Regierung, die in den Augen Japans anfänglich alles andere als aufmerksam war.

Passagiere müssen bis zum 19. Februar ausharren

Dabei gibt nicht jede Nachricht, die derzeit von offizieller Seite kommt, Anlass zu Beruhigung. Yoshihide Suga, Sekretär der Nationalregierung, sagte am Montag zum Umgang mit den Passagieren an Bord der Diamond Princess: «Wir priorisieren Personen mit Symptomen wie starkem Fieber. Ältere Menschen erhalten Vorzug.» Das werteten Beobachter so, dass wohl nicht jeder der Schiffspassagiere mit einer Behandlung rechnen kann.

Jetzt aber will die japanische Regierung alle Passagiere testen. Wer infiziert ist, sagte Gesundheitsminister Katsunobu Kato am Mittwoch, werde natürlich schnellstmöglich in ein Krankenhaus gebracht.

Wie die Geschichte für die insgesamt rund 3600 Passagiere und Crew-Mitglieder auf der Diamond Princess letztlich ausgehen wird, bleibt weiter unklar. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge werden sie bis mindestens am 19. Februar auf dem Schiff ausharren müssen.