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Musik ist der Sauerstoff der Seele

MUSIKSCHULE WEINFELDEN ⋅ Seit 1968 fördert der Verein Musikschule Weinfelden das gemeinsame Musizieren und Tanzen in der Region. Vielseitig und ein wenig provokativ steuert die Schulleitung ihr Flaggschiff innovativ durchs digitale Zeitalter.
Anna Dieckmann
(Mareycke Frehner)

(Mareycke Frehner)

Hören, atmen, jodeln, wirbeln: Viele solcher Worte zieren die Gebäudefront der Musikschule Weinfelden, während sich in ihrem Innern reges Treiben verbirgt. Hinter den farbigen Türen erklingen Geigentöne, sitzen Kinder klatschend im Kreis und dehnen sich die Besuchenden eines Zumba-Kurses. «Die Musik ist die universelle Sprache der Menschheit», sagt Andreas Schweizer, Leiter der Musikschule Weinfelden und leidenschaftlicher Cembalist. Musik verbinde Menschen und ihre kulturellen Hintergründe miteinander und helfe beispielsweise Kindern, Sprachen zu lernen. Dasselbe gilt auch für den Tanz: Die Musikschule verbindet beide Formen der Kunst unter einem Dach. Seit sie ihre neuen Räumlichkeiten an der Ringstrasse Anfang 2007 bezog, wurde das Angebot stetig erweitert.

Musik und Tanz als fester Bestandteil der Bildung

Seit der Französischen Revolution stehen Musik- und Tanzunterricht sowie Konzertbesuche nicht mehr nur dem Adel und Klerus zur Verfügung. «Musik- und Tanzlehrer kamen zuvor aufs Schloss», erzählt Schweizer. Nach dem Aufstand des Bürgertums lösten Konzertsäle die Kammermusik ab und Musikgesellschaften entstanden. Musik und Tanz blieben ein fester Bestandteil der Bildung. Doch später wurde der Instrumentalunterricht ausgelagert und vom Gesangsunterricht abgelöst. «Ich hoffe, dass zukünftig ­Instrumente und Ensembles wieder ein ­fester Bestandteil des Stundenplans werden», sagt der Musikschulleiter. So würden die Schülerinnen und Schüler lernen, sich in einen Kontext einzufügen und nicht nur mit sich selbst und dem Smartphone zu beschäftigen. Über 2000 Schülerinnen und Schüler – davon rund 15 Prozent Erwachsene – besuchen regelmässig das Zentrum für Musik und Tanz. Während vielerorts Musikschulen mit fallenden Zahlen kämpfen, hat sich in Weinfelden die Schüleranzahl seit 1999 verfünffacht.

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Musikschule Weinfelden

Dabei liegt der Schulleitung die ausgewogene Festigung von Breiten- und Begabtenförderung besonders am Herzen. «Es ist wie beim Sport: Nur durch eine breite Grundlagenstärkung ist eine konstante und gute Spitze möglich», erklärt Samuel Forster, stellvertretender Leiter der Musikschule und Schlagzeuglehrer.
Schweizer beobachtet indessen eine Öffnung der Schere zwischen diesen beiden Bereichen: «Während auf der einen Seite das Jugendorchester Brahms vierte Sinfonie auf dem Level eines Berufsorchesters spielt, ist auf der anderen Seite der Skala der Leistungswille am Zusammenbrechen.» Der Aufwand, die Menschen heutzutage für wichtige gesellschaftliche Traditionen wie Chöre und Ensembles zu motivieren, sei enorm. Diese Tendenz macht Schweizer Sorgen. «Die Menschen möchten nach dem stressigen Arbeitstag lieber zu Hause entspannen, die Ehrenamtsarbeit wird immer unattraktiver.» Denn die Freude an der Musik sei nicht nur ­
als Spass zu verstehen. Vielmehr sind ­seriöses Üben und Leistungswille die ausschlaggebenden Merkmale für das Erlernen eines Instruments oder einer Choreografie.
«Jede Kunstform setzt voraus, dass sich der Mensch mit seiner Umgebung auseinandersetzt, so auch die Musik», sagt Forster. Beim längeren Entstehungs- und Lernprozess sei es enorm wichtig, dass die Eltern den Willen des Kindes unterstützen – ob im Unterricht oder Leben. Die Musik übernimmt so eine Form der Erziehung. «Im Ensemble atmet man zusammen ein und zusammen aus. Der Einzelne kann nicht einfach spielen, wie er möchte, sondern ist Teil eines Ganzen», sagt Perkussionsleiter Forster. So könne etwa der vibrierende Schallkörper eines Cellos oder Kontrabasses einem Kind mit Hyperaktivität zu besserem Ausgleich verhelfen. Dabei sollte besonders in schwierigeren Zeiten das Augenmerk auf dem Instrumentalunterricht liegen, da dieser die Balance fördert und als Konstante fungiert.

Qualität nach innen – Partnerschaft nach aussen

Da manche Kinder Mühe hätten, sich zum Üben zu motivieren, hat die Musikschule Weinfelden das Modell «Übe-Coaching» ins Leben gerufen. Dabei gehen ältere Musikschülerinnen und -schüler zu den jeweiligen Kindern nach Hause und helfen diesen, indem sie zusammen musizieren. Ein weiteres Projekt ist der Jahreskurs «Mini-Musig-Schuel». Die Kleinen können hier schon früh direkt mit dem Instrument ihrer Wahl beginnen. «Wir haben von Mini-Celli über Mini-Trompeten bis hin zu ­Mini-Harfen alles im Angebot», sagt Schweizer. Neben Musicals und besonderen Projekten bietet die Musikschule Weinfelden ein breites Spektrum an Musik- und Tanzunterricht an.
Diese breit gefächerte Förderung hat die Musikschule Weinfelden auch in ihr neues Schulmodell einfliessen lassen: Alle Projekte, die zur Weiterentwicklung der Schule beitragen, werden in einem der sechs Bereiche mit jeweiligem Leiter koordiniert. Die Schul- und Organisationsentwicklung steht dabei stets im Mittelpunkt: «Die Fachschaftsleitenden sind betrieblich sehr wichtig, denn eine Schulleitung kann nicht als einzelne Person 85 Mitarbeitende qualitativ betreuen», sagt Andreas Schweizer. Das Modell gewährleistet gute Partnerschaften nach aussen sowie Qualität nach innen. «Die Besonderheiten der Musikschule Weinfelden liegen in unserem extrem innovativen Lehrkörper», sagt Schweizer. Forster pflichtet ihm bei: «Als Lehrer möchte ich mich bei der Arbeit weiterentwickeln können. Das ist hier möglich.» In Weinfelden liege das pulsierende Herz der Musik- und Tanzschule. Schweizer weiss, wenn diese dezentraler organisiert wäre, käme dieser Geist und die Kreativität nicht auf dieselbe Weise zum Tragen. Trotzdem lege die Schule grossen Wert auf ihre ausserbetrieblichen Kontakte und umliegenden Unterrichtsstandorte: wie Blutbahnen, die vom Herz wegführen. Musikalischer Sauerstoff für die ganze Region.

Fakten

Standorte

Ringstrasse 2, 8570 Weinfelden
Ringstrasse 4, 8570 Weinfelden
Bahnhofstrasse 14a, 8570 Weinfelden

Bereiche

– Klassik-Musik und Tanz
– Rock / Pop / Jazz und Contemp. Dance
– Musik und Tanz der Völker
– Blasmusik
– Sing- und Chorschule
– Volksschule

Anzahl Schüler: 2160
Anzahl Lehrpersonen: 85
Anzahl Aufführungen: 91

Gründung

1968

Impressum:

Eine Sonderseite in Zusammenarbeit mit der Musikschule Weinfelden.
Redaktion: Verlagsredaktion St. Galler Tagblatt AG, sonderseiten.redaktion@tagblatt.ch, Telefon 071 272 73 52. Werbemarkt: NZZ Media Solutions AG, sonderseiten.inserate@tagblatt.ch, Telefon 071 272 77 77

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