Nach Amokdrohung in Langenthal: Fast wie ein normaler Schultag

Nichts deutete gestern im Schulzentrum Kreuzfeld 4 darauf hin, dass sich Schüler und Lehrer in einer besonderen Situation befanden. Der erste Schultag nach der angekündigten Drohung verlief ruhig. «Aber der Fall beschäftigt uns seit letzter Woche nonstop», berichtet Schulleiter Peter Rubeli.

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Schulzentrum

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Solothurner Zeitung

Walter Ryser

Gestern Morgen, um 7.10 Uhr: Es regnet in Strömen. Auf das Schulzentrum Kreuzfeld 4 prasseln schwere Tropfen, und Dunkelheit umhüllt das Gebäude. Nur schemenhaft sind die Personen auszumachen, die sich dem Schulhaus nähern oder um dieses patrouillieren. Es scheint ein Morgen zu sein wie jeder andere auch. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass sich Polizisten auf dem Schulareal aufhalten und umsehen.

Sie beobachten die ankommende Schülerschar. Diese zeigt sich unbeeindruckt von der Polizeipräsenz. Alle sind sie informiert: Vergangene Woche wurde im Aufenthaltsraum des Schulzentrums eine Drohung vorgefunden, welche am Montag hätte wahrgemacht werden sollen - glücklicherweise wurde diese aber nicht ausgeführt. Seither gehört die Polizei zum Schulalltag, weil die Täterschaft noch nicht ermittelt ist.

Einige blieben zu Hause

Nachdem am Montag im Schulzentrum Kreuzfeld 4 kein Unterricht durchgeführt wurde, strömen die Kinder an diesem Morgen wieder wie gewohnt ins Schulgebäude. «Nein, Angst habe ich keine», gibt ein Schüler Auskunft über seine Gemütslage. Eine Schülerin stimmt ihm zu und sagt: «Ich hatte heute Morgen keine Angst vor dem Gang zur Schule. Ich habe mit meinen Eltern darüber gesprochen und wir waren der Meinung, dass ausreichende Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden.»

Ähnlich denkt wohl auch eine Mehrheit der übrigen Schüler, denn sowohl vor dem Schulgebäude wie auch in den Gängen ist keinerlei Hektik oder Nervosität zu spüren. Da wird gelacht, schlaftrunken Richtung Schulzimmer spaziert oder am «Töggeli-Kasten» noch schnell ein Früh-Game absolviert. Im Schulzentrum Kreuzfeld 4 scheint alles seinen normalen Lauf zu nehmen.

Dennoch gibt es einige Schüler, die es vorziehen, den Morgen zu Hause zu bleiben. «Meine Eltern hatten Angst und rieten mir, nicht zur Schule zu gehen», sagt ein 16-Jähriger aus Lotzwil, der sich am Mittag via Internet bei den Schulkollegen über den Verlauf der Morgenlektionen erkundigt und sich danach entschliesst, am Nachmittag wieder zur Schule zu gehen.

Dass die Normalität nur scheinbar hergestellt ist, wird spätestens beim Gespräch mit Schulleiter Peter Rubeli klar. «Seit vergangenem Donnerstag bin ich praktisch rund um die Uhr mit diesem Fall beschäftigt», sagt er und weist darauf hin, dass er selbst beim Einkaufen im Coop auf den ungewöhnlichen Vorfall an seiner Schule angesprochen werde. Überrascht zeigt sich Rubeli vor allem von der Dynamik, den dieser Fall nach Bekanntwerden erhalten hat. «Da hat sich innert Kürze etwas entwickelt, das wir kaum noch bremsen und schon gar nicht mehr kontrollieren konnten.» So habe er in den vergangenen Tagen etwa 100 Telefonanrufe erhalten. «95 davon waren von Medienleuten aus der ganzen Schweiz.»

Rubeli ist deshalb froh, in dieser Situation auf die Unterstützung von Fachleuten zurückgreifen zu können. In diesem Zusammenhang lobt er vor allem das Engagement der Stadt und deren Vertreter. «Stadtschreiber Daniel Steiner behält stets kühlen Kopf und ist meiner Meinung nach hauptverantwortlich dafür, dass die ganze Situation nicht eskaliert ist», sagt er.

Rubeli wird psychisch stark gefordert

Der Schulleiter selbst wirkt, wie Lehrer und Schüler auch, ruhig und gefasst. Er gesteht jedoch: Er sei in diesen Tagen psychisch stark gefordert. «Ich befinde mich in einer andauernden Spannung», erzählt er. Es sei keine emotionale Angelegenheit, «vielmehr erfordert das Ganze von mir eine hohe Konzentration über eine längere Zeitspanne». Die Zusammenarbeit mit dem Schulleitungskollegium sowie dem Lehrer-Team hat gemäss Peter Rubeli in dieser ungewöhnlichen Situation «aber perfekt funktioniert. Das hat mich stark beeindruckt und mir sehr geholfen».

Den schulfreien Montag hält Rubeli im Nachhinein nicht nur mit Blick auf die Schüler für einen richtigen Entscheid: «Dieser Tag war auch für die Lehrkräfte wertvoll, konnten wir uns doch eingehend darüber unterhalten, wie es weitergehen soll.» So hätten sie ein Drehbuch für den gestrigen Tag erstellt. «Alle haben uns geraten, möglichst schnell zur Normalität überzukehren - das heisst in unserem Fall unterrichten.» Das hätten die Lehrer auch getan, sagt Rubeli, der froh ist, dass der gestrige Tag ruhig verlief. «Der erste Schritt zurück in die Normalität ist erfolgt.»

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