Deutschland

Anschlag von Halle - Familie des Angeklagten schweigt vor Gericht

Im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag in der ostdeutschen Stadt Halle mit zwei Toten wollen sich die Eltern und die Halbschwester des Angeklagten nicht äussern. Die drei erklärten zu Beginn des vierten Prozesstages am Mittwoch in Magdeburg, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch zu machen.

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dpatopbilder - Der angeklagte Stephan Balliet (M) sitzt neben seinen Verteidigern Hans-Dieter Weber (l) und Thomas Rutkowski im Landgericht von Magdeburg. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/Pool/dpa

dpatopbilder - Der angeklagte Stephan Balliet (M) sitzt neben seinen Verteidigern Hans-Dieter Weber (l) und Thomas Rutkowski im Landgericht von Magdeburg. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/Pool/dpa

Keystone/dpa-Zentralbild/Pool/Hendrik Schmidt

Der Vater nickte seinem Sohn kurz zu, die Halbschwester wich den Blicken des Angeklagten aus. Ein Anwalt der Nebenklage versuchte, die Halbschwester, welche die gleiche Mutter hat wie der Angeklagte, davon zu überzeugen, auszusagen. Die Richterin unterband das. Im Anschluss sollten der Ex-Freund der Schwester sowie ehemalige Mitschüler und Lehrer des Angeklagten vernommen werden.

Der 28 Jahre alte Stephan Balliet hatte zu Prozessbeginn vergangene Woche eingeräumt, am 9. Oktober 2019 schwer bewaffnet versucht zu haben, in die Synagoge von Halle einzudringen, um dort möglichst viele Juden zu ermorden. In dem Gotteshaus feierten zu dem Zeitpunkt 52 Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Der Angeklagte scheiterte an der Tür der Synagoge und erschoss daraufhin eine 40-jährige Passantin. Später erschoss er in einem Dönerimbiss einen 20-Jährigen. Die Bundesanwaltschaft, Deutschlands oberste Anklagebehörde, wirft Balliet 13 Straftaten vor, darunter Mord und versuchten Mord.

Der Angeklagte hatte an den ersten drei Prozesstagen immer wieder betont, seine Familie habe nichts mit dem Anschlag zu tun, sie habe von seiner Radikalisierung und seiner Bewaffnung nichts gewusst. Die Nebenklage bezweifelt, dass Verwandte und Bekannte nichts von dessen rechtsextremem Weltbild gewusst haben. Auch dass die Eltern nicht bemerkt haben, dass der Mann seit Jahren Waffen in seinem Kinderzimmer lagerte, bezweifeln die Vertreter der Nebenklage. Zudem sollten am Mittwoch noch frühere Mitschüler und Lehrer des Angeklagten gehört werden.

Der Prozess läuft seit Dienstag vergangener Woche vor dem Oberlandesgericht Naumburg. Das Gericht wich für die Verhandlung in die Räume des Landgerichts Magdeburg aus, weil dort ein grösserer Verhandlungssaal zur Verfügung steht.