Keine Reuen

Amok-Schütze Kneubühl: «Ich entschuldige mich nicht»

Der Rentner, der sich vor über zwei Jahren mit Waffengewalt gegen die Räumung seines Hauses in Biel wehrte und einen Polizisten schwer verletzte, will sich bei seinem Opfer nicht entschuldigen. «Er hat mich angegriffen», sagt Kneubühl

Drucken
Teilen

Der Sender TeleBärn strahlt das Interview in drei Teilen aus. Wie schon am Mittwochabend antwortete Kneubühl klar und präsent auf die Fragen der Journalistin. Er sieht sich aber durchs Band weg im Recht.

Am Tattag sei "nichts Spezielles" in ihm vorgegangen. "Verstehen sie, ich wusste ja, dass dieser Tag kommt und war vorbereitet", sagte Kneubühl.

Auf die Frage, ob er denn keinen anderen Ausweg gesehen habe, als sich mit Waffengewalt zur Wehr zu setzen, antwortete er: "Es gab keine andere Möglichkeit." Er habe alle ausgeschöpft, jahrelang mit Behörden und Gerichten gekämpft.

Selbst ein paar Tage vor dem Räumungstermin habe er beim Regierungsstatthalter und beim Obergericht Eingaben gemacht und geschrieben, es gehe um Leben und Tod. Doch nichts sei geschehen.

Er habe also gewusst, dass die Polizei kommen und ihm alles wegnehmen würde. Kneubühl sprach von einem Polizeiüberfall: "Sie kamen, um einen gefährlichen Psychopathen abzuholen."

"Ein gutes Gefühl"

Ob er denn so etwas wie Stolz empfinde, dass über tausend Polizisten ihn tagelang nicht zu fassen bekamen, wollte die Reporterin wissen. Nein, Stolz sei das nicht, erklärte Kneubühl. Ein bisschen ein gutes Gefühl habe er aber schon gehabt. "Ich war damals 67 und wusste nicht, was ich mir noch zutrauen konnte."

Wie und wo genau er die neun Tage auf der Flucht verbrachte, wollte Kneubühl aber nicht sagen. Er betonte lediglich, dass er keine Hilfe gehabt habe.
Flucht bleibt im Dunkeln

Im Herbst 2010 hatte sich Kneubühl im Zuge einer Erbstreitigkeit mit Waffengewalt gegen die Zwangsräumung seiner Liegenschaft gewehrt. Er verschanzte sich in seinem Haus. Als die Polizei anrückte, schoss Kneubühl einem Polizisten in den Kopf und verletzte ihn schwer.

Dem Rentner gelang die Flucht. Tagelang lieferte er sich ein Katz- und Mausspiel mit einem riesigen Polizeiaufgebot. Nach neun Tagen konnte ihn die Polizei oberhalb von Biel verhaften.

Wie von ihm beschrieben, lag Kneubühl schon vor der Tat jahrelang im Streit mit verschiedenen Behörden. Er hatte Behördenvertreter immer wieder mit seitenlangen Schreiben eingedeckt und galt als querulatorisch.

Anfang Januar wird sich das Regionalgericht Biel mit seinem Fall befassen. Das Gericht wird zu beurteilen haben, ob Kneubühl schuldunfähig ist und in eine Anstalt eingewiesen wird.