Romanshorner Stadtrat macht Weg frei für Wohnüberbauung am See

Die M.U.T. Areal Lakeside AG hat das ehemalige Hydrel-Areal gekauft. Wenn der überarbeitete Zonenplan durchkommt, könnte sie hier am See Wohnungen bauen.

Rosa Schmitz
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Die M.U.T. Areal Lakeside AG mit Sitz in Oberägeri ZG hat das ehemalige Hydrel-Areal an der Badstrasse 14 in Romanshorn gekauft und will es umgestalten.

Die M.U.T. Areal Lakeside AG mit Sitz in Oberägeri ZG hat das ehemalige Hydrel-Areal an der Badstrasse 14 in Romanshorn gekauft und will es umgestalten.

Reto Martin

Die M.U.T. Areal Lakeside AG mit Hauptquartier in Oberägeri, Zug, will in Romanshorn investieren. Sie hat im Mai des letzten Jahres das ehemalige Hydrel-Areal an der Badstrasse 14 von der Schaeffler Schweiz GmbH gekauft. Dessen 42 Mitarbeiter sind im September ins «Bodan»-Gebäude umgezogen. Die neuen Eigentümer des Firmenareals wollen noch nicht verraten, was sie damit vor haben.

Doch es ist absehbar, in welche Richtung es gehen könnte. Die Liegenschaft an bester Lage direkt am See liegt derzeit in einer Wohn- und Gewerbezone dreigeschossiger Erscheinung. Neu soll sie zur W3 werden, also zur Wohnzone dreigeschossiger Erscheinung. So jedenfalls ist es im überarbeiteten Zonenplan vorgesehen, den der Stadtrat kürzlich verabschiedet hat und der ab Freitag für 20 Tage öffentlich aufliegt.

Rechtskräftig ist der Zonenplan aber erst, wenn ihn am Schluss die Stimmbürger angenommen haben, was noch Monate dauern kann. Wie lange genau, lässt sich nicht sagen. Es hängt unter anderem davon ab, wie viele Einsprachen eingehen und wie aufwendig die damit zusammenhängenden Verfahren sind.

Diverse Mieter müssen raus

Klar ist derzeit nur: Diverse derzeitige Mieter müssen früher oder später raus. Die Sozialfirma Brüggli, die im ehemaligen Hydrel-Areal rund 130 Mitarbeiter in den Bereichen Logistik, Aussenhandel, Qualität und Service sowie Zuschnitt beschäftigt, ist seit Sommer 2019 im Bild, dass ihr das Mietverhältnis über kurz oder lang gekündigt wird. «Wir hatten aber bereits vorher den Druck, uns nach etwas Neuem umzusehen», sagt Mediensprecher Michael Haller. Die Dringlichkeit sei jetzt einfach noch grösser.

Die Verkehrs- und Warenflüsse zwischen der dezentralen Produktion an der Badstrasse und dem Hauptsitz an der Hofstrasse seien heute nicht ideal. Bereiche, die zusammengehören würden, seien voneinander separiert, sagt Haller. Die Wege müssten kürzer werden. Eine Möglichkeit sei ein Neubau im Industriegebiet Hof zwischen Hydrel und Fatzer. «Wir haben einen Kaufrechtsvertrag für dieses Grundstück.» Es gebe aber auch noch andere Optionen, die zu prüfen seien.

Die sonderpädagogische Tagesschule der Sek Romanshorn ist auch dabei, einen neuen Standort zu suchen. Sie muss spätestens zu Beginn des neuen Schuljahres etwas anderes haben. Grund dafür sind Brandschutzvorschriften, die den Schulbetrieb im ersten Stock der Fabrikliegenschaft nicht länger erlauben.

Zwar gäbe es die Möglichkeit, in einen anderen Gebäudeteil auf dem 11400 Quadratmeter grossen Areal umzuziehen. Aber die Sekundarschulgemeinde bekäme keinen längerfristigen Mietvertrag mehr von der M.U.T. Areal Lakeside AG. «Wir hätten am liebsten eine dauerhafte Lösung, bei der sich auch unsere Investitionen in die Infrastruktur rechnen», sagt Sekundarschulleiter Markus Villiger. Bis jetzt hätten sie noch nichts gefunden, seien aber guten Mutes, dass sich etwas ergäbe.

«Wir tappen alle im Dunkeln»

Das Fotostudio Bühler – das mit seinen rund 750 Quadratmetern zu den grössten Fotostudios in der Schweiz gehört – ist nicht betroffen. Noch nicht. «Wir müssen, soweit wir wissen, nicht in nächster Zeit raus», sagt Geschäftsführer Hanspeter Bühler. Allerdings sei er nur Untermieter und daher nicht im direkten Kontakt mit den neuen Besitzern.

Die Hauptmieter hätten ihnen bisher nur mitgeteilt, dass sich in den nächsten 30 Monaten etwas ändern könnte und den derzeitigen Vertrag zugunsten eines kürzeren aufgelöst. Dieser könne aber alle sechs Monate verlängert werden. «Bis Ende Jahr besteht also keine Frage, dass wir unseren Standort in der Badstrasse 14 weiterführen dürfen.» Keines der drei Unternehmen weiss, wie das ehemalige Hydrel-Areal in Zukunft genutzt werden soll. «Wir tappen alle im Dunkeln. Ich bin mir aber sicher, dass es etwas Interessantes sein wird», sagt Bühler. «Die Lage ist immerhin erstklassig.»

50 Jahre an der Badstrasse 14

Die Hydrel AG wurde 1947 in einer stillgelegten Textilfabrik gegründet. Die erste Aktivität der Maschinenfabrik war die Umrüstung von Hobel- und Messermaschinen von mechanischen auf hydraulisch-elektrische Antriebe. Daher der Name. Zwischen 1947 und 1976 produzierte und vertrieb die Hydrel AG Nadelbüchsen. Bis sie 1956 die Abteilung Feinschneiden aufbaute und 1960 mit der Fertigstellung von Nadelflachkäfigen aus Metall fortführte. Danach kam es zur weltweiten Vermarktung von Produkten der Hydrel AG. 1979 beteiligte sich die INA-Schaeffler KG zu 50 Prozent am Aktienkapital, 2000 zu 100 Prozent. Bevor 2016 die Umfirmierung in Schaeffler Schweiz GmbH stattfand und die Liegenschaft in der Badstrasse 14 verkauft wurde. (rms)

Was ist eine W3?

Die Wohnzone dreigeschossiger Erscheinung (W3) dient einer Bebauung mit Mehr- und Reiheneinfamilienhäusern mit mindestens zwei Vollgeschossen. Hier gilt ein Grenzabstand von fünf bis zehn Meter, eine Gesamthöhe von 14 Metern, eine Fassadenhöhe von elf Metern, eine Gebäudelänge von 40 Metern und eine Grundflächenziffer von mindestens 40 Prozent. (rms)

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