Wie der Vater so der Sohn: Der Thurgauer Linus Itten tritt nach 24 Jahren als Darsteller von Oli Twist in die Fussstapfen seines Vaters

Der Romanshorner Linus Itten steht als Oliver Twist in Arbon auf der Bühne – wie vor Jahren sein Vater in St.Gallen.

Hana Mauder Wick
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Linus Itten tritt nach 24 Jahren als Darsteller von Oli Twist in die Fussstapfen von Vater Patrick Itten.

Linus Itten tritt nach 24 Jahren als Darsteller von Oli Twist in die Fussstapfen von Vater Patrick Itten.

Donato Caspari

Gegen das Lampenfieber hilft bei Linus Itten ein Cola aus der Dose. Und nur aus der Dose. Abergläubisch? Nein. Aber praktisch und gut gegen den Durst: «Wenn die Scheinwerfer einem direkt ins Gesicht leuchten, wird es auf der Bühne sehr heiss …» Der Schüler aus Romanshorn ist elf Jahre alt und steht als Oli Twist in der gleichnamigen Inszenierung von Florian Rexer im Thurgau auf der Bühne. «Ich spreche und singe gern vor Publikum», sagt der junge Darsteller.

«Natürlich waren die letzten Monate anstrengend. Vor der Premiere hatten wir jeden Tag Probe.»

Das Einfinden in die Rolle hat ihn über Monate begleitet. Gemeinsam mit der Truppe aus Laien- und Theaterprofis hat er sich seit dem Sommer seine Darstellung als Oli Twist erarbeitet. Seit Dezember ist das Ensemble mit dem Stück auf Tour. Das fordert Engagement.

Aber «Oliver Twist» ist eine jener Geschichten, die nie Staub ansetzt: von einem Jungen auf der Suche nach menschlicher Wärme und einem besseren Leben. Vom Waisenhaus zum Sarglieferanten und zum König der Diebe. Jede Generation erzählt den Klassiker von Charles Dickens aus einem neuen Blickwinkel. Die aktuelle Inszenierung mündet im Happy End.

Die Geliebte des Bösewichts starb 1995

«Das war in unserem Stück nicht so versöhnlich», erinnert sich Patrick Itten. Linus Vater stand als Kind selber in der Rolle des Oliver Twist im Rampenlicht. «Das war im Dezember 1995 in der Kellerbühne in St. Gallen. An die 50 Aufführungen durfte das Ensemble vor 24 Jahren erleben. In der damaligen Version starb Nancy, die Geliebte des furchteinflössenden Gauners Bill Sikes, zum Ende des Stückes. «Das hat mich als Kind sehr beschäftigt.»

Heute noch erinnern den dreifachen Familienvater Fotos, Plakate und ein Film der Aufführung an jene Zeit. «Als wir das Inserat sahen, mit dem Florian Rexer für den Oli Twist nach Laiendarstellern suchte, hat die ganze Familie unsere Kinder zum Vorsprechen ermuntert.» Wichtig war ihm, seine eigenen Vorstellungen der Rolle nicht auf Linus zu übertragen. Charles Dickens Stoff von keiner leichten Kost. «Ich habe in das Buch reingelesen», sagt Linus. «Aber das war echt hart. Dann habe ich es wieder ins Regal gestellt.»

In der Verarbeitung des Inhaltes für das Theaterstück waren ihm das Ensemble und die Familie eine Stütze. «Dass Kinder Hunger haben und darum stehlen müssen, ist sehr traurig», sagt Linus. «Aber der Oli Twist ist pflichtbewusst und spürt, was unrecht ist», sind sich Vater und Sohn einig. Trotz des ernsten Grundtenors ist die Aufführung «Oli Twist» kein Drama, sondern vielmer eine herzerwärmende Geschichte.

Die Rolle prägt für das ganze Leben

Vor und hinter den Kulissen: «In der Maske haben wir mit den anderen oft gewitzelt und gelacht,», erzählt Linus. Angst, dass es ihm nach Oli Twist langweilig werden könnte, hat der Sechstklässler aber keine. «Ich segle, spiele Unihockey und Trompete.» Von seinen Erfahrungen auf und hinter der Bühne will er einiges für die Zukunft mitnehmen. Sicheres Auftreten vor anderen Leuten zum Beispiel. Und viel Geduld. «Es ist eine Rolle, die fürs Leben prägt», ist Patrick Itten überzeugt. Aber bis dahin bleibt noch etwas Zeit. Ein kleiner Funke Lampenfieber. Und die eine oder andere Cola aus der Dose.

Zweimal im Presswerk

Oli Twist ist ein Stück von Regisseur Florian Rexer und Projektleiter Andreas Müller nach dem Gesellschaftsroman von Charles Dickens. Zu sehen ist es am Donnerstag, 27. Februar, Freitag, 28. Februar, und Samstag, 29. Februar, im Presswerk Arbon. Beginn jeweils 20 Uhr. (red)