Nach drei Jahren Gezanke: Umstrittene Pergolen beim «Roten Kreuz» in Arbon müssen weg

Das Hotel und Restaurant Rotes Kreuz zieht den Kürzeren: Der Kanton verlangt den Rückbau der vor drei Jahren illegal erstellten Metallkonstruktionen.

Annina Flaig
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Die Pergola beim Restaurant Rotes Kreuz in Arbon am See zur Schlosswiese hin steht seit drei Jahren ohne Baubewilligung.

Die Pergola beim Restaurant Rotes Kreuz in Arbon am See zur Schlosswiese hin steht seit drei Jahren ohne Baubewilligung.

Annina Flaig

Der Arboner Stadtrat erhält eine Rüge des Kantons. Das seit drei Jahren andauernde Gezanke um die beiden illegal erstellten Metallpergolen beim Restaurant Rotes Kreuz dürfte damit ein Ende nehmen. Beide Strukturen hätten vom Stadtrat nie bewilligt werden dürfen. Das schreibt das Departement für Bau und Umwelt (DBU) in seinem 20-seitigen Entscheid.

Konstruktionen fügen sich nicht in die Grünfläche ein

Eine der beiden Pergolen hatte der Stadtrat im nachträglichen Bewilligungsverfahren gutgeheissen. Es handelt sich um das Sonnendach für das Gartenrestaurant im Kastaniengarten. Nicht bewilligt hatte der Stadtrat die Gartenbar mit Pergola zur Schlosswiese hin. Damit war die Bauherrin nicht einverstanden und erhob Rekurs. Die Bewilligung für die Pergola im Kastaniengarten wiederum bekämpfte der Thurgauer Heimatschutz mit seinem Rekurs. Letzterer erhält nun Recht. Gianni Christen vom Thurgauer Heimatschutz sagt:

Gianni Christen,Thurgauer Heimatschutz

Gianni Christen,
Thurgauer Heimatschutz

«Das Urteil des DBU ist für den Heimatschutz erfreulich.»

Das Gebäude «Rotes Kreuz» sowie der Kastaniengarten, in welche die Baute eingezwängt wurde, seien Schutzobjekte. Ausserdem liegt das Gebiet gemäss dem rechtskräftigen Zonenplan der Stadt Arbon in der Erholungs- und Grünzone und befindet sich zudem im ISOS-Schutzgebiet (unsere Zeitung berichtete).

Das DBU hält denn auch fest, dass die strittigen Strukturen als markante, dominante Konstruktionen in Erscheinung treten. «Sie fügen sich keineswegs sorgfältig in die Grünfläche ein.» Die Rekursinstanz kommt zum Schluss, dass beide Strukturen nicht zonenkonform sind. Allein schon deswegen hätten sie nicht bewilligt werden dürfen respektive können auch nachträglich nicht bewilligt werden.

Auch bezüglich Ortsbildschutz seien die Pergolen nicht zulässig. Hier wird der Stadtrat gerügt. «Der Sicherstellung des Schutzes des Ortsbildes wurde viel zu wenig Bedeutung beigemessen.» Dies hatte bereits ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) aufgezeigt.

Wirt hatte absichtlich keine Baueingabe gemacht

Innert Monatsfrist muss die Pergola zur Schlosswiese hin nun rückgebaut werden. Unverständlich für Gianni Christen ist, dass das DBU nicht auch für die Pergola im Kastaniengarten abschliessend entschieden hat. Zwar hält das DBU unmissverständlich fest, dass die Stadt mit der Baubewilligung gegen das eigene Baurecht und gegen den eigenen Zonenplan verstösst, dennoch gibt sie den Entscheid zurück an die Stadt. Diese muss nun über «die Verhältnismässigkeit der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes prüfen», heisst es im Schreiben.

Bei der Stadt will dazu noch niemand Stellung nehmen. «Wir werden den Entscheid mit unserer Juristin anschauen und das weitere Vorgehen bestimmen», sagt Remo Tambini, Leiter der Abteilung Bau.

Beim «Roten Kreuz» war am Montag für eine Stellungnahme niemand erreichbar. Das Restaurant befindet sich noch bis Ende Monat in der Winterpause. Klar ist, dass Wirt Gionatan Capuano keine Freude am Urteil haben wird, zumal ihn die Bauten rund 100'000 Franken gekostet hatten.

Diese Kosten hat er offenbar auch in seinem Rekursschreiben ins Feld geführt. Geholfen hat es ihm nicht, auch deshalb nicht, weil er wusste, dass seine Konstruktionen bewilligungspflichtig sind. Letzteres hat er nie bestritten. Deswegen findet das DBU nun deutliche Worte und nimmt der Stadt ihre Entscheidung eigentlich vorweg: «Es geht nicht an, wissentlich Bauvorschriften zu missachten und sich anschliessend der Wiederherstellung unter Berufung auf die Kosten zu widersetzen.»

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