Wasserkraft
Nach sieben Jahren Projekt- und Bauzeit: EBL weiht neues Wasserkraftwerk in Zwingen ein

Was lange währt, wird endlich gut. Nach langwierigen Projekt- und Bauarbeiten sind nun sogar die Fischer mit dem neuen Kraftwerk an der Birs zufrieden.

Tomasz Sikora
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EBL-Verwaltungsratspräsident Martin Thommen weiht das neue Kraftwerk Obermatt in Zwingen ein.

EBL-Verwaltungsratspräsident Martin Thommen weiht das neue Kraftwerk Obermatt in Zwingen ein.

Kenneth Nars / BLZ

Mit einer enormen Verzögerung infolge der Pandemie hat gestern Martin Thommen, der Verwaltungsratspräsident der Elektra Baselland (EBL), das neue Kraftwerk Obermatt in Zwingen «mit grossem Stolz» eröffnet. Es handelt sich um die erste Neukonzessionierung im Baselbiet seit Jahrzehnten. Mit seiner jährlichen Stromproduktion in der Höhe von 2,3 Gigawattstunden wird das neue Kraftwerk 500 Haushalte versorgen, 100 mehr als sein Vorgänger.

Die pandemiebedingte Verzögerung war bei diesem Projekt nicht die einzige, wie EBL-CEO Tobias Andrist gegenüber den Medien im Kulturzentrum «Alts Schlachthuus» in Laufen erklärte. So habe der Rückbau der seit Jahren stillgelegten Papierfabrik, mit der das ehemalige Kraftwerk baulich verbunden war, zu Einstürzen und Schäden am Bauprojekt geführt.

An den Rand der Verzweiflung hätten ihn aber beinahe die ökologischen Auflagen gebracht, die das Projekt erfüllen musste. Grundlage für die Anforderungen der ökologischen Ausgleichsmassnahmen war der unverbaute Zustand des Gewässers. «Dabei war das Gewässer doch schon verbaut, als wir das alte Kraftwerk übernahmen. Es war schwierig für mich, das nachzuvollziehen», erinnerte sich CEO Andrist.

Zum Glück habe der zuständige Projektleiter, Martin Strohmaier, die nötige Geduld gehabt, um das Vorhaben, dessen Planungen bereits 2014 begannen, zum erfolgreichen Abschluss zu führen. Die Situation sei tatsächlich kompliziert gewesen, bestätigte Strohmaier:

«Bei diesem Projekt trafen viele Parteien und Interessen aufeinander, die irgendwie vereint werden mussten. Sieben Jahre sind für ein solches Kraftwerk eine lange Zeit.»

Zunächst war lediglich eine Sanierung des alten Kraftwerks geplant. «Wegen der Rahmenbedingungen, die sich seit der Übernahme des alten Kraftwerks durch die EBL stark verändert hatten, zeigte sich nach Projektbeginn schnell, dass ein neues Kraftwerk mehr Sinn macht», sagte Geschäftsleitungsmitglied Yves Grebenarov. Die neue Anlage verfügt über moderne Fischauf- und -abstiege, habe ein grösseres Produktionspotenzial, einen geringeren Wartungsaufwand und verursache dank einer Isolierung kaum Lärm- und Schwingungsemmissionen.

Neben der schwierigen Situation mit der stillgelegten Papierfabrik, von der das neue Kraftwerk baulich getrennt ist, habe die EBL zahlreiche Gespräche mit dem WWF, Fischern und einem Dutzend kantonalen Behörden führen müssen. Dass sich die Zusammenarbeit insbesondere mit den Fischern zu Beginn schwierig gestaltete, dürfte mit dem gescheiterten Versuch der EBL zu tun gehabt haben, ein Stück flussabwärts ein weiteres Kraftwerk zu bauen. Nachdem sich Umwelt- und Fischereiverbände lautstark und auch juristisch gegen das Projekt gewehrt hatten, verzichtete die EBL vor zwei Jahren auf das Projekt. CEO Andrist betonte denn auch ein für alle Mal: «Das Projekt Grossmatt wird nicht weiterverfolgt.»

Sogar die Fischer sind zufrieden

Projektleiter Strohmaier gab zu, dass das Verhältnis zwischen EBL und Fischern nach dem Fall Grossmatt getrübt war, betonte aber: «Das Verhältnis hat sich unterdessen gebessert.» Sie hätten sogar dabei geholfen, betroffene Landbesitzer vom Projekt zu überzeugen.

Tatsächlich zeigt sich Fischer Ilyas Kirecci, Co-Präsident der Fischpachtvereinigung Laufental (Fipal), zufrieden mit dem neuen Kraftwerk – die Neukonzessionierung habe einen Ausgleich und sogar eine Aufwertung gebracht. Das sei nur dank der guten Zusammenarbeit mit der EBL möglich gewesen, die er beibehalten will: «Wir würden sie in Zukunft bei Sanierungen oder Abfischungen gerne weiterführen.»

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