Persönlich

Verkehrte Welt: Mami bemuttern

Lea Meister
Drucken
Teilen
Tochter sein kann manchmal echt anstrengend sein. Ob das die Rache der Mutter für die langen, ermüdlichen Teenagerjahre ist...?

Tochter sein kann manchmal echt anstrengend sein. Ob das die Rache der Mutter für die langen, ermüdlichen Teenagerjahre ist...?

Zoo Basel

Ich schlendere mit meiner Mutter durch die Stadt. Neben der Einkaufsliste ist – natürlich – auch Corona ein Thema. Sie erzählt mir, dass sie momentan immer die gleichen Leute sehe. «So kann ja eigentlich nichts passieren», ist sie sich sicher.

Besorgt entgegne ich, dass sie einfach nicht zu viel unternehmen soll. Nebenbei erwähne ich, dass ich mich in 14 Tagen nur mit zwei Leuten getroffen habe und fühle mich gar etwas alt dabei.

Vor dem Pop-up-Store einer Confiserie am Barfüsserplatz halten wir an. Ein bisschen Herbstmesse muss sein. Also stellen wir uns in die Schlange, in der brav der Abstand eingehalten wird. «Nur drei Personen im Laden erlaubt» steht am Eingang geschrieben.

«Ach, wir gelten als eine Person», sagt meine Mutter, lacht und hängt sich an meinen Arm. Jetzt sind wir vier im Geschäft. «Nein», sage ich, «du musst draussen warten, wir sind zu viele». «Kein Problem», meint der Verkäufer, «das geht schon in Ordnung». Leicht genervt und besorgt sage ich bestimmt: «Nein, sie muss es lernen» und schicke sie hinaus.

Der Verkäufer grinst. Ich verlasse mit meinem Magenbrot den Laden, hänge mich bei meiner Mutter ein, und erinnere sie nochmals daran, sich an die Regeln zu halten. «Wie machst du das sonst, wenn ich nicht dabei bin und aufpasse?», frage ich sie und überlege mir, wie anstrengend ich früher wohl gewesen sein muss.