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Tausende Basler KMUs brauchen Kredite: Riesen-Andrang auf Corona-Nothilfe

Die Banken schütten in kürzester Zeit mehrere hundert Millionen Franken an notleidende Basler Betriebe aus. Der Betrag dürfte sich in Richtung der Milliarden-Grenze steigern.

Leo Eiholzer
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Bei den Banken musste am Wochenende durchgearbeitet werden.

Bei den Banken musste am Wochenende durchgearbeitet werden.

bz

Baselbieter KMU haben innert Kürze 60 Millionen Franken von der Kantonalbank erhalten.

Die vom Bundesrat beschlossenen Coronakredite sorgen auch bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) für Hochbetrieb. Stand gestern um 17 Uhr gingen bei der Bank seit Donnerstag 585 Kreditanträge von KMU ein; bereits konnten 460 Anträge mit einem Kreditvolumen von 60 Millionen Franken abgewickelt werden, sagt BLKB-Sprecherin Monika Dunant. Die restlichen Anträge werden heute verarbeitet. Wegen des Grossandrangs war das Geschäftskundenzentrum der BLKB ausnahmsweise samstags und sonntags geöffnet. Die Mitarbeitenden legten Sonderschichten ein; in der Unternehmenskundenberatung bat die BLKB gar pensionierte Mitarbeitende um temporäre Rückkehr an den ehemaligen Arbeitsplatz.

Im Gegensatz zu den Grossbanken UBS oder CS verfügt die BLKB fast ausschliesslich über KMU-Kunden, welche die erste Art der vom Bund aufgelegten Notkredite in Anspruch nehmen: Diese Betriebe erhalten zehn Prozent ihres Jahresumsatzes (max. 500 000 ­Franken) zu einem Zins von 0 Prozent; der Bund bürgt zu 100 Prozent. Innerhalb eines Arbeitstages werden solche Kredite ausgestellt, verspricht Dunant: «Landet ein Gesuch bei uns morgens um 9 Uhr auf dem Tisch, hat das KMU abends den Kredit.»

Bei dieser Kreditart gehe das Tempo vor; die Bonität des Betriebs werde von der Bank nicht geprüft, sagt Dunant. «Die Betriebe müssen auf dem Antragsformular des Bundes angeben, dass sie wegen der Coronakrise von Ausfällen oder einem Umsatzrückgang betroffen sind.» Keine Rolle spielt, ob ein Betrieb direkt (etwa ein Restaurant, das wegen Behördenweisungen geschlossen wurde) oder indirekt (ein Gärtner, der arbeiten darf, aber keine Aufträge erhält), von der Coronakrise betroffen ist. (haj)

Die Mitarbeiter in der Corona-Taskforce der UBS mussten das Wochenende durcharbeiten, genau wie die vieler anderer Banken. Seit der Bundesrat per letzten Donnerstag ein Notkredit-Programm aufgesetzt hat, rennen KMUs den Banken die Bude ein. In Basel und in der ganzen Schweiz, wie UBS-Regionaldirektor Thomas Aegerter verdeutlicht. «Die Nachfrage ist riesig», sagt er. Gesamtschweizerisch gingen bei der UBS bis Sonntagabend 15000 Anfragen ein, in Basel über 1000. «Wir haben die Kapazitäten aufgestockt. Von 300 Personen, die normalerweise im Firmenkundengeschäft Kreditanträge bearbeiten, auf 600. Davon sind rund 60 für die Region Basel zuständig.»

Finanzminister Ueli Maurer (SVP) sagte zuvor vollmundig, Firmen kämen innerhalb 30 Minuten an das Geld. Geht das bei der UBS in Basel? «Nein», sagt Aegerter. «Unsere Ambition sind 24 Stunden.» Am Montag seien aber praktisch alle Anträge verarbeitet und die meisten Auszahlungen getätigt worden. Aegerter: «Das oberste Ziel ist, dass die KMUs möglichst schnell
wieder über flüssige Mittel verfügen.»

Firmen brauchen durchschnittlich 200'000 Franken

Wer ans Geld will, muss ein Online-Formular ausfüllen. Die Bank macht einen Plausibilitätscheck. Ein Mitarbeiter überprüft, ob die angegebenen Zahlen Sinn ergeben: «Wenn zum Beispiel eine Coiffeur-Einzelfirma plötzlich 10 Millionen Umsatz angibt, haken wir nach», sagt Aegerter. Sonst wird das Geld – bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes und maximal eine halbe Million Franken – ausgezahlt. Aegerter sagt: «Wir beobachten aber nicht, dass die Antragssteller den maximalen Betrag ausreizen. Der Durchschnitt liegt unter 200000 Franken.»

Einige Firmen können wegen Corona alte Kredite nicht zurückzahlen. Aegerter: «Auf uns sind Unternehmen zugekommen, die per Ende März nicht zahlen können. Wir schauen, dass wir die Amortisationen herauszögern können. Sobald die Zahlungsprobleme Corona-bedingt sind, sind wir sehr flexibel.» Das ist die Bank nicht aus Nächstenliebe: «Man bekommt das geliehene Geld nur zurück, wenn die Firma überlebt. Insofern ist da auch ein gewisses Eigeninteresse dahinter.»

Im Rahmen der Not-Darlehen wird die Basler UBS wohl Kredite in dreistelliger Millionenhöhe vergeben. Mit den Krediten der anderen Banken dürfte sich diese Zahl in der Region Basel in die Milliardenhöhe steigern, wie eine bz-Umfrage ergab. Die Basler Kantonalbank erhielt bisher «mehrere hundert» Anfragen. 40 Mitarbeiter kümmern sich um diese. Raiffeisen hat seit Donnerstag in der Region Basel 200 Kredite über rund 20 Millionen Franken ausgezahlt. Die Anzahl Anfragen liege rund viermal höher. Die Bearbeitung erfolge in der Regel innert 30 Minuten, sagt Raiffeisen. Postfinance hat keine regionalen Zahlen, schweizweit aber 6150 Anfragen erhalten.

Banken können mit den Krediten Gewinn machen

Mit dem Krediten verdienen die Banken Geld, obwohl diese zinslos sind. Der Grund dafür ist, dass sich die Banken mit Negativzinsen refinanzieren. Zudem tragen die Banken kein Risiko, da der Bund die Kredite bis zu einer Höhe von 500000 Franken vollumfänglich garantiert. UBS-Regionaldirektor Aegerter sagt: «Wir wollen aus der Situation aber keinen Profit herausschlagen. Deshalb geht der Gewinn in einen Hilfsfonds, mit dem wir gemeinnützige Projekte unterstützen.»

Eine Frage bleibt: Kommt das Geld auch wieder zurück? «Sich hier auf einen Prozentsatz festzulegen, wäre reine Spekulation», sagt Aegerter. «Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass der allergrösste Teil zurückgezahlt wird.»