«Eidgenössisches»

So einen Gaben-Tempel gabs noch nie: Holzbauer will Schwingern Dom liefern

Wenn 2022 in Pratteln das «Eidgenössische» steigt, dürfen die Sieger ihre Preise aus einem speziellen Ort abholen.

Benjamin Wieland
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Aesch will einen – Pratteln kriegt einen: Einen Holzdom. Hier ist der typenähnliche Saldome 2 von Häring in Riburg im Bau.

Aesch will einen – Pratteln kriegt einen: Einen Holzdom. Hier ist der typenähnliche Saldome 2 von Häring in Riburg im Bau.

az-Archiv/ach

Einen «Leuchtturm aus Holz» schwebe ihm fürs Baselbiet vor. Das sagte Christoph Häring am Mittwoch bei der Präsentation des Projekts einer Velo-Expresshochbahn, die der Kanton Baselland in Zusammenarbeit mit dem Bund plant (wie die bz berichtete).

Die Bahnelemente sind aus Holz, und Härings Holzbauunternehmen wird sie herstellen. Doch der Verwaltungsratspräsident der Häring-Gruppe meinte mit Leuchtturm noch etwas anders – obwohl das Wort Leuchtkuppel treffender wäre. Häring will für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2022 (Esaf) in Pratteln einen Dom liefern.

Eine Konstruktion, wie sie nicht unweit von Pratteln zu bestaunen ist

Im Rheinfelder Ortsteil Riburg stehen die Saldome 1 und 2. Unter den Kuppeln, die 31 und 32,5 Meter hoch sind, lagern die Schweizer Salinen Salz. Der Prattler Dom ist kleiner konzipiert als seine beiden Brüder im Fricktal, mit einem Durchmesser von 45 und einer Höhe von 14 Metern – doch auch so wird die Kuppel, die als Gabentempel dienen soll, zu einem Erlebnis für die Besucher des «Eidgenössischen». Denn als Aussenhaut sieht Häring transparente Kunststoffelemente vor.

Laut Hersteller stehen Interessenten Schlange

Wo genau der Dom hinkommt, das ist offenbar noch nicht spruchreif. Auch darüber, wie weit die Verhandlungen fortgeschritten ist, schweigen sich die Vertragspartner aus. Gemäss Häring wird der Dom für das «Eidgenössische», das am Wochenende vom 26. bis 28. August 2022 steigt, vermietet. Was danach mit der aufgeschnittenen Kugel passiert, weiss Häring noch nicht. «Doch darum mache ich mir keine Sorgen. Wir arbeiten mit dieser Form seit 1985, unsere Kunden kommen aus der ganzen Welt.»

Auch weitere Vermietungen seien möglich. Die Häring-Gruppe, ursprünglich aus Pratteln, heute mit Sitz in Eiken, ist zwar ein Familienunternehmen mit 140-jähriger Geschichte. Doch die Firma unterhält auch Ableger in China und Singapur.

Matthias Hubeli, Geschäftsführer des Esaf 2022, will sich nicht detailliert zum Domprojekt äussern. Er teilt lediglich mit, man plane für den Anlass «ausschliesslich temporäre Bauten». Die Arena, die Festzelte, Marktstände und so weiter würden wieder rückgebaut. Das Festgelände liegt im Gebiet Leimen-Hülften zwischen Pratteln und Frenkendorf. Die Hauptarena, die 47000 Plätze fassen soll, ist auf Landwirtschaftsgebiet vorgesehen.

Auch Aesch will einen Dom, Pratteln ist wohl schneller

Der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder hat vom Projekt des temporären Holzdoms auch vernommen. «Ein späterer Verwendungszweck für die Kuppel fällt mir spontan aber nicht ein. Wir haben bereits genügend Lokale für Veranstaltungen, auch wenn mir die Form des Doms sehr gefällt.» Klar sei, dass die Konstruktion nach Ende des Esaf nicht stehen bleiben kann: «Das ist Landwirtschaftsland, der Dom muss also wieder weg.» Falls ein benachbarter Bauer schon heimlich von einem neuen Heuschober oder einer geräumigen Gerätehalle in ausgefallener Form geträumt hat – daraus wird eher nichts.

Auch in Aesch ist ein Dom aus Häring’scher Produktion vorgesehen. Er soll dereinst unter anderem den Volleyballerinnen von Sm’Aesch Pfeffingen als Spielstätte dienen. Doch für diese Nutzung wäre das Schwingfestmodell wohl zu klein – die Prattler Kugelkolotte, so der Fachausdruck für diese Gebäudeform, wird also kaum nach 2022 ins Birstal zügeln.

«Der Rohstoff für den Prattler Dom wächst in der Schweiz innert weniger Stunden nach.»

Häring legt Wert darauf, dass für den Prattler Dom, wie schon für das Fricktaler Brüderpaar, nur Holz aus der Region verwendet wird. «Der Rohstoff für den Prattler Dom wächst in der Schweiz innert weniger Stunden nach.» Darüber, wie viel das Bauwerk kostet, will er sich nicht äussern. «Ich kann ihnen aber versichern, dass das Esaf für die Miete nicht mehr bezahlt als für ein vergleichbar grosses temporäres Festzelt.»

Die Velohochbahn ist zwischen Pratteln und Augst vorgesehen. Auf einer Länge von rund drei Kilometern werden die vorgefertigten Holzelemente aneinandergefügt, nach dem Prinzip Carrerabahn, wie es bei der Präsentation hiess. Parat stehen soll die Bahn ebenfalls fürs Esaf 2022. Gut möglich also, dass Velofahrer dann vom neuen Expresstrassee aus auch den Holzdom bestaunen können.