Persönlich
Das Leben ist schon kompliziert genug

Bier hat einfach Bier zu sein und nicht eine Wissenschaft. Sonst würde man ja zu Wein greifen.

Michel Ecklin
Michel Ecklin
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Ein frisch gezapftes Bier, schörkellos und ein bisschen prollig.

Ein frisch gezapftes Bier, schörkellos und ein bisschen prollig.

Zvg

Neulich ist mir eine Broschüre in die Hand gekommen, in der ein Grossverteiler sein Bierangebot anpreist. Vom belgischen Kirschenbier über welches mit Apfelgeschmack und «flüssigem Brot» aus Bayern und «Roggen-Weizen» von der Nordsee bis hin zum Saft aus Boston «mit schöner Cognacfarbe» und Gebräu mit Wurzelessenzen (igitt!) und Bitterorangen drin – insgesamt sicher hundert Sorten. Teure Flaschen versprechen mir «beste Pub-Culture aus Brooklyn» und «lokalen Spirit» aus Liechtenstein.

Die beiden «Junior Purchasing Manager Bier», ganz sicher diplomierte Bierologen, lassen mich wissen: «Bier lässt sich schon lange nicht mehr auf blond und kühl reduzieren» – und genau das ist mein Problem. Bier soll nichts Raffiniertes sein, sondern schnörkellos, ohne Allüren, gerne auch etwas prollig. Wer sich ein Bier gönnt, will sich belohnen und keine Wissenschaft betreiben. Greife ich zum Sixpack, will ich nicht Etiketts studieren (sonst würde ich Wein trinken). In der Beiz will ich eine frisch gezapfte Stange und nicht eine Bierkarte vorgesetzt kriegen. Das Leben ist schon so kompliziert genug.

Ob Bier schmeckt, hat sowieso nicht mit irgendwelchen edlen Zutaten zu tun. Dazu hab ich eine ganz eigene Theorie: Man mag das Bier am meisten, mit dem man in der Jugend biersozialisiert worden ist. Und dabei bleibt man dann ein Leben lang. Wer anderer Meinung ist, mit dem diskutiere ich gern in der Beiz. Hauptsache, ich krieg dann einfach ein Bier.

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