Nachruf
Ein Fürsprecher der Benachteiligten ist tot: Jürg Meyer, Basler Journalist und Politiker

Als langjähriger Redaktor der «Basler Zeitung» und als Grossrat hatte Meyer nur ein Ziel: Denjenigen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen, eine Stimme zu geben.

Patrick Marcolli
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Im Alter von 82 Jahren verstorben: Jürg Meyer, Journalist und alt Grossrat.

Im Alter von 82 Jahren verstorben: Jürg Meyer, Journalist und alt Grossrat.

Roland Schmid

Er wirkte immer etwas aus der Zeit gefallen. Im positiven Sinn. Jürg Meyer, der vorgestern im Alter von 82 Jahren nach längerer Krankheit verstorben ist, war bis zuletzt ein unbeirrbarer Kämpfer für die sozial Benachteiligten in seiner Heimatstadt. Der promovierte Jurist arbeitete bis 2003 als Redaktor bei der «Basler Zeitung» und erachtete es als seine Aufgabe, all jenen zuzuhören und eine publizistische Stimme zu geben, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen.

In den neuen, noblen Räumen der Zeitung am Aeschenplatz empfing er noch bis weit in die 2000er-Jahre hinein seine Gesprächspartner und zog sich in ein Kämmerlein zurück, um ihnen zuzuhören und sich ihre Sorgen auf einem Block zu notieren. Nach seiner Pensionierung zog es ihn in die Politik. Ab 2007 sass er für 13 Jahre für die SP im Grossen Rat. Auch dort wirkte er, unter den jungdynamischen Politikerinnen und Politikern, wie ein Relikt aus klassenkämpferischen Zeiten. Gerade die Wohnpolitik beschäftigte ihn sehr. Fast 50 Jahre sass er im Vorstand des Mieterinnen- und Mieterverbands und setzte sich, nach den Worten von Co-Geschäftsführer Beat Leuthardt, «unbestechlich und niemandem nach dem Mund redend» für die Interessen jener ein, als deren Fürsprecher er sich Zeit seines Leben sah.