Sommerfeste
Jugendkulturfestival Basel muss den Strom nun selber berappen

Basel stellt Sommerfestivals vor Probleme. Für den Jungle Street Groove (JSG) sieht es schlecht aus. Die Parade, die jedes zweite Jahr Tausende Baslerinnen und Basler mit elektronischer Musik durch die Stadt führt, steht vor dem finanziellen Ruin.

Muriel Mercier
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Am Jugendkultur-Festival im 2011 spielte auf dem Barfüsserplatz die türkische Hip-Hop-Gruppe Makale aus Basel. Martin Töngi/Archiv

Am Jugendkultur-Festival im 2011 spielte auf dem Barfüsserplatz die türkische Hip-Hop-Gruppe Makale aus Basel. Martin Töngi/Archiv

Martin Töngi

Genauer: 7000 Franken müssen bis zum 1. September aufgetrieben werden, damit die Veranstaltung problemlos durchgeführt werden kann. Schuld daran sind veränderte Auflagen der Behörden aus dem Jahr 2011: Die Organisatoren müssen für Polizeieinsatz, Signalisation und Verkehrssperrungen zum ersten Mal selber aufkommen.

Imagine-OK hat keine Angst

Was für die JSG das Aus bedeuten könnte, scheint andere nicht-kommerzielle Veranstaltungen in Basel weniger zu belasten. Das Imagine, das Festival gegen Rassismus, das Ende April über die Bühne ging, hat keine Angst vor höheren Gebühren. «Wir mieten an diesen zwei Tagen den Barfüsserplatz und den Klosterberg und sperren keine Strassen», sagt Festival-Leiter Luca Studer. Ein Unterschied zum JSG: Dieser führte bis 2010 vom Münsterplatz über die Wettsteinbrücke zur Kaserne. Jetzt muss die Route wegen einer Baustelle auf dem Münsterplatz geändert werden und verläuft den Unteren Rheinweg entlang. «Wir vom Imagine benötigen kein Extra-Polizeiaufgebot für unsere Veranstaltung», sagt Luca Studer.

Auch das Jugendkulturfestival Basel (JKF), das als grösste nichtkommerzielle Plattform für Jugendkultur in der Schweiz gilt, ist in dieser Sache aus dem Schneider. Auch sie müssen keine Räume – weder den Pyramiden-, den Theater- noch den Barfüsserplatz – sperren lassen, erklärt Geschäftsführerin Joëlle Perret. Zudem hat das JKF im letzten Jahr 80 Prozent Gebührenerlass von der Stadt erhalten, weil sich das Team selber um die Abfallentsorgung gekümmert hat.

IWB übernimmt Strom nicht mehr

Perret, die sich derzeit als Produktionsleiterin um das Theaterfestival Basel kümmert, beunruhigt eher, dass die Industriellen Werke Basel (IWB) ab diesem Jahr die Stromzufuhr für das Theaterfestival nicht mehr im Sinne eines Sponsorings übernehmen.

Lars Knuchel, Leiter Unternehmenskommunikation bei der IWB, begründet diesen Schritt damit, dass die IWB künftig eine Ungleichbehandlung ihrer Sponsoring-Partner vermeiden möchte. «Die tatsächlich bezogenen Leistungen wie Material, Stromverbrauch und Arbeitsaufwand können sich je nach Anlass stark unterscheiden und entsprechen selten dem zuvor vereinbarten Betrag.» Ausserdem wolle man Energie und Wasser nicht kostenlos abgeben. «So geht das Gefühl für die Wertigkeit der Leistung und den sparsamen Umgang mit Ressourcen, den wir generell ja fördern wollen, verloren.»

Bebbi sy Jazz nur in Altstadt

Während das Imagine und das JKF keine öffentlichen Räume absperren lassen und deswegen keine höheren Gebühren bezahlen müssen, profitiert Ernst Mutschler, Leiter vom Bebbi sy Jazz, von einem anderen Vorteil. Sein Anlass nämlich findet in Basels Altstadt statt. Der Aufwand für Absperrungen ist gering. «Man kann Apfel und Birnen nicht vergleichen», sagt Mutschler.

Sollte der Jungle Street Groove, der am 1. September zum 14. Mal in Basel groovt, tatsächlich zugrunde gehen, sind sowohl Studer, Perret und Mutschler enttäuscht. «Der Jungle Street Groove ist eine coole Veranstaltung. Es wäre schade, wenn er rein wegen der Kosten sterben würde», sagt Luca Studer vom Imagine.

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