Grössere Aussenbereiche
Beizen statt Parkplätze – so will die Basler Politik der Gastronomie helfen

Sobald der Aussenbetrieb wieder erlaubt ist, sollen die Basler Restaurants unbürokratisch ihre Boulevard-Flächen vergrössern dürfen. Das fordern Politiker von links bis rechts. Auch im zuständigen Bau- und Verkehrsdepartement macht man sich offenbar bereits Überlegungen.

Jonas Hoskyn
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Wer einen Aussenbereich hat, ist in der aktuellen Situation im Vorteil.

Wer einen Aussenbereich hat, ist in der aktuellen Situation im Vorteil.

Nicole Nars-Zimmer (niz) / BLZ

Restaurants und Bars sollen ihre Aussenbereiche wieder öffnen dürfen. Das hat der Bundesrat am vergangenen Freitag vorgeschlagen. Für viele Basler Beizer ist dies nach langer Durststrecke ein kleiner Hoffnungsschimmer. Doch längst nicht alle Restaurants können mit einem grossen Hinterhof oder Biergarten aufwarten. Und auch dort, wo es einen Aussenbereich gibt, sind es oftmals nur wenige Plätze.

Hier will nun die Basler Politik ansetzen. Vergangene Woche wurden im Grossen Rat zwei Vorstösse eingereicht, die vorschlagen, dass die Beizer dieses Jahr ihre Aussenbereiche unbürokratisch und schnell erweitern können. Bereits nach dem ersten Lockdown im Frühling 2020 gab es eine Ausnahmeregelung. Die Beizen konnten damals ihre Aussenbestuhlung ausdehnen. Allerdings durften sie insgesamt nicht mehr Tische aufstellen als normal.

Parkplätze in Sitzflächen umfunktionieren

Neu soll als Obergrenze das Total der Gästezahl gelten. Sprich die Wirte sollen unkompliziert Plätze von drinnen nach draussen verlegen können. Für die nötigen Freiflächen sollen die Betriebe auch auf Teile der Trottoirs oder punktuell auch auf eingeschränkte Bereiche der Strassenflächen in Beschlag nehmen dürfen. Dafür soll das Bewilligungsverfahren vorübergehend vereinfacht werden. Dies fordert ein Vorstoss von Basta-Grossrat Beat Leuthardt, der von Politikern aller im Parlament vertretenen Fraktionen unterzeichnet wurde.

Und FDP-Grossrätin Karin Sartorius – ebenfalls mit Unterstützung von links bis rechts – doppelt nach. Sie schlägt sogenannte Gastro-Parklets vor. Das bedeutet, die Restaurants und Cafés dürften angrenzende Parkplätze in Beschlag nehmen. «Vor allem in den Quartieren ist eine Erweiterung aufgrund der Geometrie des Strassenraums meist gar nicht möglich», sagt Sartorius. Oft würden sich aber im Strassenraum direkt angrenzend Parkplätze befinden, die für die anstehenden Sommermonate unkompliziert in attraktive Restaurationsflächen umgewandelt werden könnten, so ihr Vorschlag.

Ein Café mit einem Parklet in der slowakischen Hauptstadt Bratislava

Ein Café mit einem Parklet in der slowakischen Hauptstadt Bratislava

Andrej Shadura

«Zeitlich beschränkte Krisenbewältigungsmassnahme»

Bei den Beizern kommen diese Vorschläge erwartungsgemäss gut an: «Es wäre eine temporäre Massnahme, die helfen würde, die Krise besser zu bewältigen – und gleichzeitig ein interessanter Versuch, wie solche Ideen ankommen», sagt Wirteverbands-Präsident Maurus Ebneter. Aussenflächen seien bereits in den vergangenen Jahren immer bedeutender geworden für die Restaurants. Angesichts der Corona-Schutzmassnahmen sei die Möglichkeit, rauszustuhlen noch entscheidender. «Wer attraktive und genügend Aussenplätze hat, ist klar im Vorteil», sagt Ebneter.

Allerdings sei die Idee nicht ganz einfach umzusetzen, so der Präsident des Wirteverbands. Denn grundsätzlich ist für eine solche Erweiterung eine Bewilligungspflicht vorgesehen. Und da reicht oft eine Einsprache und die Saison ist gelaufen. «Im Sinne einer zeitlich beschränkten Krisenbewältigungsmassnahme wäre es zu rechtfertigen, dass man die Rechte der Anwohner ein bisschen zurückstellt», sagt Ebneter.

Der Wirteverband habe bereits mit der neuen Baudirektorin Esther Keller wegen des Themas Kontakt aufgenommen und positive Signale erhalten. «Unsere Anliegen werden geprüft. Denn wenn die Bewirtung wieder erlaubt ist, muss es schnell gehen», sagt Ebneter.

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