GGG Basel
Die Stadtbibliothek wird durch die Pandemie digitaler

Die Besucherzahlen sind 2020 gesunken, dafür ist die Nutzung von Onlinemedien stark gestiegen.

Hannes Nüsseler
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Die GGG-Filialen sind geöffnet, Sofas, Leseecken und Stühle gesperrt.

Die GGG-Filialen sind geöffnet, Sofas, Leseecken und Stühle gesperrt.


Kenneth Nars / BLZ

Die Zahlen täuschen, wie die Stadtbibliothek GGG in ihrem Jahresrückblick selber einräumt. Zwar wurden im Pandemiejahr 2020 fast 17 Prozent mehr Entleihungen verzeichnet (Total: 1'592’518), doch lag das vor allem an den vielen Verlängerungen. Insgesamt sanken die Ausleihen um zehn Prozent.

«Allein bei den Reiseführern verzeichnete der Schmiedenhof letztes Jahr 18’000 Ausleihen weniger», sagt GGG-Direktor Klaus Egli. Beklagen will er sich trotzdem nicht, im Gegenteil: «Wir haben Glück.» Im Gegensatz zu Buchhandlungen sind die Filialen der GGG geöffnet. Kundinnen und Kunden dürfen in den Bibliotheken zwar nicht lesen, dafür aber weiterhin stöbern und Bücher ausleihen. «Das ist schön», sagt Egli. «Es zeigt sich, dass wir wohl ein Stück weit systemrelevant sind.»

Kurz vor dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr war ein Lieferservice neu lanciert worden – «zum Glück». 14’000 Auslieferungen wurden per Velokurier getätigt, bevor die GGG auf den Postversand umstellte. Die Auslieferung von Kindermedien wurde subventioniert und kostete nur einen Franken. «Das gab enorm viel zu tun.» Mittlerweile wurde das Angebot um einen Abholservice für vorbestellte Bücher ergänzt.

Der Schmiedenhof verliert am meisten Besucherinnen

Während im Sommer 2020 auch Filialen offen blieben, die sonst ferienhalber geschlossen sind, führte die missverständliche Kommunikation des BAG beim Halb-Lockdown im Dezember zu einem erneuten Unterbruch. «Überall hiess es, dass die Bibliotheken geschlossen würden, obwohl wir gemäss Verordnung nur die Lesesäle schliessen sollten», erklärt Egli. Als das BAG wenig später noch einmal klarer informierte, war der Betrieb schon auf Abholservice umgestellt und das Personal in den Ferien.

GGG-Direktor Klaus Egli: «Ich glaube, dass die Leute ein grosses Nachholbedürfnis haben.»

GGG-Direktor Klaus Egli: «Ich glaube, dass die Leute ein grosses Nachholbedürfnis haben.»

Zvg / bz Zeitung für die Region

Die Besucherzahlen haben gelitten, am meisten im GGG-Flaggschiff selbst. «Es zeigt sich, dass der Schmiedenhof trotz seiner zentralen Lage und dem grossen Angebot die höchsten Einbussen hatte», sagt Egli und macht dafür das Homeoffice verantwortlich, das die Innenstadt entleert. Quartierfilialen hatten dagegen einen vergleichsweise stärkeren Zulauf während der Pandemie.

«Kindermedien waren und sind in den Filialen sehr gefragt», erläutert der Direktor das veränderte Nutzerverhalten. Auch Sachmedien aus dem Bereich Haus und Freizeit laufen derzeit besser: Kochen, Basteln, Yoga, Heim, Fitness. «Das leuchtet ein, weil sich das Leben auf das Zuhause konzentriert», sagt Egli. «Aber das macht die gesunkenen Ausleihen insgesamt natürlich nicht wett.»

In Zukunft mit der Maske in die Bibliothek?

Einen mächtigen Zuwachs (plus 95 Prozent) erleben Onlinemedien wie eBooks und das eZeitschriften-Portal PressReader, das die GGG seit Herbst 2019 in ihrem Angebot führt. «Es umfasst verschiedene, auch internationale, Magazine und Zeitungen und ist sehr beliebt», sagt Egli. Besonders Romane würden als Ebooks gelesen. «Wer bei einem Sachbuch zwischen Kapiteln springen möchte, ist mit einem analogen Buch besser bedient.» Und solange Jurastudenten Textpassagen von Hand markierten, müsse man sich um physische Bücher keine Sorgen machen.

Die Pandemie werde dennoch nicht spurlos an der GGG vorübergehen, ist Egli überzeugt. «Neben meinem Büro ist der Kundenservice, deshalb höre ich immer, wie Mitarbeitende die Bedienung des Onlinekatalogs erklären.» Das digitale Know-how werde bestehen bleiben, ebenso das Interesse am Abholdienst. «Andererseits glaube ich, dass die Leute ein grosses Nachholbedürfnis haben und sich wieder in unseren Bibliotheken aufhalten wollen.»

Dazu werde in Zukunft möglicherweise auch das – freiwillige – Tragen von Hygienemasken gehören. «Von Japan weiss ich, dass vor Corona ungefähr ein Viertel der Leute eine Maske getragen hat», sagt Egli. «Das wird bei uns wahrscheinlich auch kommen – etwa bei Grippezeit im vollen Tram.»

Informationen zu Coronamassnahmen und Öffnungszeiten auf: www.stadtbibliothek.ch