Persönlich

Fussballfans, Corona ist Eure grosse Chance!

Ohne Fans in den Fussballstadien geht es nicht. Wegen Corona geben die Vereine sogar Geld für Pappkameraden aus, um die Tribünen zu füllen. Höchste Zeit für einen Systemwechsel.

Bojan Stula
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Sind bereit für Geisterspiele: Fans von Gladbach aus Pappe.

Sind bereit für Geisterspiele: Fans von Gladbach aus Pappe.

Sascha Steinbach / EPA

Leider haben Fussballfans weltweit 0,0 Prozent Sinn für Ökonomie. Sonst würden sie nicht zeitlebens den Gegenwert ihrer gesamten Altersrente für Fussballspiele verpulvern. Ebenso wenig würden sie anstandslos den vollen Eintrittspreis für Matches bezahlen, in denen die eigene Mannschaft nach 70 Minuten den Betrieb einstellt, um sich «fürs nächste Spiel zu schonen».

Doch selbst unter solch kläglichen Voraussetzungen müsste dem hintersten und letzten Fan klar werden, welch einmalige Gelegenheit die Coronakrise für ihn darstellt. Quasi unter Laborbedingungen und unwiderruflich ist für alle Zeiten festgestellt, dass Fussballspiele ohne Fankurven nichts wert sind. Nur dank der von Stadionbesuchern erzeugten Ton- und Bildkulisse sind die Fussballprofis bereit, an die Grenzen ihrer Einsatzmöglichkeiten zu gehen; und nur dank der Fans mutieren TV-Übertragungen nicht zu Trauerveranstaltungen zum sofortigen Wegzappen.

Wie lieb und teuer der einzelne Fan den Vereinen sein sollte, lässt sich daran bemessen, dass sich viele Fussballklubs nicht zu schade waren, Geld für Pappkameraden auszugeben, um die leeren Tribünen zu füllen.

Darum mein Appell: Wenn sich jetzt Fussballfans weltweit zusammenschliessen, können sie den Vereinen einen revolutionären Systemwechsel aufzwingen. Nicht sie bezahlen künftig den Eintrittspreis für Fussballspiele, sondern die Fans lassen sich von den Vereinen für den Matchbesuch entlöhnen. Mindestens der Gegenwert von Bier und Bratwurst müsste für der einzelnen Fan schon drin liegen; Spesen für Arbeitskleidung und -weg selbstverständlich extra. Der Fan-Profi heuert bei mehreren Vereinen gleichzeitig an, so lassen sich Wochenenden ohne Heimspiele überbrücken.

Schliesslich böte ein vertraglich geregeltes Fan-Festanstellungsverhältnis für jeden Verein einen zusätzlichen, ultimativen Vorteil: Wer als Chaot auftritt, wird fristlos entlassen.