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«Taming The Garden»: Letztes Geleit für einen Baum

Die Basler Koproduktion «Taming The Garden» erzählt von einem reichen Mann, der ohne Rücksicht auf Verluste Bäume sammelt.

Hannes Nüsseler
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Wenn einer eine Reise tut ...

Wenn einer eine Reise tut ...

Mira Film

Das perfekte Anglerlatein: Sitzen zwei Fischer am Schwarzen Meer, als plötzlich ein Baum vorüberschwimmt – aufrecht stehend. Was frei erfunden klingt, ist Wirklichkeit. Ein georgischer Oligarch und Ex-Premierminister sammelt für seinen Park hundertjährige Bäume, die er auf dem Seeweg anliefern lässt.

Über diesen Hintergrund verliert der Dokumentarfilm «Taming The Garden» nur wenig Worte. Stattdessen setzt Regisseurin Salomé Jashi die einzelnen Stationen einer solchen Baumverpflanzung zu einer surrealen Reise zusammen, die nicht einmal logistisch Sinn macht.

«Warum Bäume?», fragen Bevölkerung und Arbeiter. «Aus Prinzip», heisst es einmal: Das Angebot weckt eben eine Nachfrage. Zudem zahlt der durch Abwesenheit glänzende Milliardär Bidsina Iwanischwili den verarmten Verkaufswilligen gutes Geld. Gesteinsbrocken werden mit Baggern bewegt, Kabel von Starkstrommasten gekappt, Schiffsanlegestellen errichtet. Wo ein Markt ist, ist auch ein Weg. «Hauptsache, es werden Strassen gebaut», spricht sich einer der Befragten für den Trickle-down-Effekt des Grossprojektes aus. Pech, dass dafür auch Bäume gefällt werden müssen.

Der Bagger winkt einen Willkommensgruss.

Der Bagger winkt einen Willkommensgruss.

Mira Film

So absurd sich die Vorgänge ausnehmen, so berührend sind die Reaktionen der Dorfbevölkerung, die «ihrem» Baum das letzte Geleit gibt. «Meine Oma und Opa haben diesen Baum gepflanzt», sagt ein Mann, der aufgewühlt an einer Zigarette zieht – seine erste seit 30 Jahren. Zuletzt sehen wir die Bäume an einem gesichts- und geschichtslosen Ort mit Stahlseilen im Boden verankert, als ob sie daran gehindert werden sollten, an ihre alten Standorte zurückzukehren.

Die von Mira Film Basel koproduzierte Doku war für den Europäischen und den Basler Filmpreis 2021 nominiert. Mit seinen träumerischen Aufnahmen und dem aussergewöhnlichen Hauptdarsteller könnte «Taming The Garden» leicht als Parabel missverstanden werden. «Wie im Märchen», sagt auch ein Schaulustiger, als der Baum auf Schwerlastern in der Dunkelheit verschwindet – und einen Strassenzug lang krachend Äste herunterreisst. Dass die unsichtbare Hand des Oligarchen einen grünen Daumen hat, taugt jedenfalls nicht als Moral der Geschichte.

«Taming The Garden», Kultkino Atelier.