Coronakrise

Düstere Harmonien in sonnigen Hinterhöfen: Dokfilm über Basler Künstler im Lockdown

Der Dokumentarfilm «Was nun? Was tun?» begleitet drei Basler Musikschaffende während des Lockdowns.

Stefan Strittmatter
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Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm «Was nun? Was tun?»
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Screenshots «Was nun? Was tun?»

Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm «Was nun? Was tun?»

bz

Zaghaft klopft er auf die bunten Plastikrohre, die er auf dem steinigen Boden ausgelegt hat. Ein tiefes «Ploink» hier, ein höheres da. Benjamin Brodbeck lotet die Klangmöglichkeiten der sogenannten Boomwhackers aus, seine Schläge verdichten sich zu einem afrikanisch anmutenden Rhythmus. Dann endet das Kurzkonzert für die Kamera so unvermittelt, wie es begonnen hat. Der Musiker entfernt sich – zurück bleibt eine leere Industriebrache im Kleinbasler Hafen.

Die Eröffnungssequenz des 18-minütigen Dokfilms ist viel sagend: Es geht um Musik an ungewohnten Orten. Mehr noch: um Musik in ungewohnten Zeiten. Der Künstler Marcel Scheible hat für «Was nun? Was tun?» drei Basler Musikschaffende porträtiert, die vom Lockdown betroffen sind. Er habe bewusst drei sehr unterschiedliche Personen und Umstände gewählt, um ein «umfangreicheres Bild zu kriegen», so Scheible.

Der älteste von ihnen ist Roli Frei. Der Sänger, der 2019 sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feierte, sagt, er ­stehe wegen der vom Bundesrat verhängten Massnahmen nicht «unter Druck». Dieses Jahr habe er kein neues Album am Start, das er nun «betouren» müsse. Was ihm sehr fehle, sei der Kontakt zu seinen Mitmusikern. Doch gibt Frei seit längerem auch Solokonzerte. Und so ist er voll in seinem Element, wenn er im Film am St. Johann-Rheinweg ein Impromptu-­Konzert gibt. Der Beifall von den Balkonen ist ihm gewiss.

Freiluftkonzert in Basel statt am «Glastonbury»

Für Jasmin Albash ist das Freiluftkonzert in einem Innenhof eine Premiere, wie sie vor der ­Kamera sagt, während sie ihre Keyboards mit dem Mischpult verkabelt. Ihre elektronische ­Musik wirkt in diesem Setting ­anfänglich etwas deplatziert, doch entwickeln ihre düsteren Harmonien im Kontrast zum Tageslicht einen zusätzlichen Reiz. Wegen Corona fielen bei ihr nur eine paar wenige Konzerte aus, sagt Albash, jedoch seien ein paar «coole Sachen» darunter gewesen, so beispielsweise ein Auftritt am Glastonbury-­Festival.

Den finanziellen Ausfall thematisiert Benjamin Brodbeck am offensten: Er sei es sich gewohnt, auch mal mit wenig über die Runden zu kommen. Dass er aber – wie jetzt seit Mitte März – gar kein Einkommen mehr habe, das schlage ihm an manchen ­Tagen schon etwas aufs Gemüt. Wie viele seiner Kollegen hat er seine Ausfälle beim Kanton angegeben – bislang warte er aber noch auf eine Antwort.

Dass der Film trotz der kurzen Spielzeit auch Raum lässt, um Fragen stehen und Songs verklingen zu lassen, ist eine Stärke von «Was nun? Was tun?», der auf der Plattform ­Vimeo kostenlos gezeigt wird. Er sehe sich, ähnlich wie bei seinen Fotoarbeiten, eher als stiller Beobachter denn als «überequipter Filmemacher mit Gimbal, Drohne und Megakamera», sagt Scheible. So habe ihn der Film eigentlich auch nur Zeit und kein Geld gekostet. Einen Beitrag vom RFV gab es dennoch: Der Verein übernimmt die anfallenden SUISA-Kosten. So bekommen die drei Musiker zumindest indirekt einen kleinen Zustupf.

«Was nun? Was tun?» von Marcel Scheible. Kostenlos auf der Plattform Vimeo.