Veranstaltungstipps

Die Unsichtbaren: Soloperformance gegen Altersdiskriminierung

Mit «Age on Stage» will die Künstlerin Ariane Andereggen in der Kaserne Basel gegen ineinandergreifende Diskriminierungen aufgrund von Alter und Geschlecht ankämpfen.

Oliver Spiess
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Ariane Andereggen will den Diskurs um die Sichtbarkeit unterrepräsentierter Menschengruppen anregen.

Ariane Andereggen will den Diskurs um die Sichtbarkeit unterrepräsentierter Menschengruppen anregen.

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Und irgendwann verschwinden sie wie von magischer Hand von den Bühnen. Werden nicht mehr engagiert, wollen nicht mehr gesehen werden. Die Altersdiskriminierung sei auch im Theaterwesen eine Tatsache: «Der Kunst- und Kulturbetrieb ist nicht so klassenfrei, wie er sich zuweilen selbst gerne sieht und gibt», sagt die Künstlerin Ariane Andereggen.

Mit ihrer Performance «Age on Stage / Am Rande des Rollenfeldes» will sie gegen die ineinandergreifende Diskriminierung aufgrund von Alter und Geschlecht kämpfen.

Ihr Stück feiert diesen Samstag in der Kaserne Basel Premiere

Die Beschäftigung mit dem Thema der Unsichtbarmachung von alternden Menschen – «aber was heisst denn schon alt; heutzutage haben wir mit fünfzig noch das halbe Leben vor uns!», kommentiert Andereggen – kommt für die Kunstschaffende nicht von ungefähr:

Die 51-Jährige weiss aus ihrem eigenen Alltag nur allzu gut, welche Formen altersbezogene Diskriminierung annehmen kann. Nicht nur im Theaterwesen sei das Jugendliche als Ideal verbreitet; auch auf dem Arbeitsmarkt hätten es Menschen mit zunehmendem Alter immer schwieriger.

Was Andereggen wie so viele andere tagtäglich erlebt, bringt sie mit ihrer Soloperformance auf die Bühne. Ein «subversiv-dysfunktionales Vorsprechen» kündigt das Programmheft an; eigentlich ein Versuch der Sichtbarmachung des Unsichtbaren. Das Scheinwerferlicht wird nur auf sie ganz alleine gerichtet sein: Genug oft sei sie in ihrer Karriere von zentrovertierten Regisseuren in Rollen gezwängt worden.

Nun wolle sie in einem Akt emanzipatorischer Autonomie selbst bestimmen, unter welchen Bedingungen sie auftrete. Und damit ein Zeichen gegen jedwede Diskriminierung setzen: «Ich bin zwar nur eine weisse, privilegierte Frau, aber sehe mich als Rollenmodell für viele Menschen, die unsichtbar gemacht werden», sagt sie.

Wenn die Menopause zur Endstation wird

So inszeniere sie in Teil eins ihrer Performance eine autobiografisch gespickte Erzählung davon, wie sich die Wahrnehmung «der Frau» mit der Menopause – «was für ein dummes Wort, als wäre damit das Leben als Frau am Ende» – urplötzlich verändere: Insbesondere für kinderlose Frauen beginne damit eine Zeit der Ausspielung gegen Jugendideale, Stilisierungen von Unschuld und «der» Schönheit.
Damit einher gehe eine komplette Entmachtung.

Aber auch eine Chance. Und dieser widmet sich der zweite Teil der Performance. «Ältere Frauen trauen sich vielleicht eher, zu sagen und zu tun, was sie denken», beschreibt Andereggen die Figur des zweiten Parts: selbstbewusst, autonom, konfrontationsfreudig – in ihrer entfesselten und schamlosen Art ermutigend für all jene, die sich von gesellschaftlichen Normen zurückgebunden fühlen.

Dass sie mit dieser Rolle auf Widerstand stösst, ist ihr mehr als bewusst. Genau um die Dekonstruktion der Vorurteile, auf die solche Figuren oftmals treffen, geht es Andereggen. Kratzbürste oder Schreckschraube sind nur zwei Bezeichnungen, mit denen sie alltäglich zu kämpfen haben. Ihren sicheren Raum habe sie sich deshalb auch hinter der Bühne geschaffen: Mit Trixa Arnold, Tim Zulauf, Nikola Duric und Knut Klaßen habe sie vier Menschen im Team, die genau wüssten, wovon sie selbst in ihrer One-Woman-Show spreche.

Age on Stage
Samstag, 17. 10., bis Montag,
19.10., variierender Start,
ab 15 Franken, Kaserne
www.kaserne-basel.ch

Die Veranstaltungstipps der bz-Redaktion

Brüder Grimm für Erwachsene

Brüder Grimm für Erwachsene

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Brüder Grimm für Erwachsene

Thomas Ott nimmt die Märchenbrüder aus Hanau exakt beim Wort und verwandelt scheinbar harmlose Kindergeschichten in nicht ganz jugendfreie Erzählungen. «Die Gänsehirtin am Brunnen» heisst das Märchen der Gebrüder Grimm, das dieses Wochenende auf der Bühne im Safe des Unternehmens Mitte gelesen wird.

Freitag und Samstag 20 Uhr,
Unternehmen Mitte, ab 19 Franken
www.mitte.ch

Massimo Rocchi

Massimo Rocchi

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Komik à la carte mit Massimo Rocchi

Ein Veteran der Schweizer Comedylandschaft lädt heute und morgen zur Lachparade im Tabourettli des Fauteuils. Der Wahlbasler präsentiert neue Ideen, angereichert mit altbewährten Einlagen. Auf dem Programm steht Comedy «à la carte»: Was das genau heissen mag – davon wird man sich selber ein Bild machen müssen.

Freitag und Samstag 20 Uhr,
Theater Fauteuil, ab 49 Franken
www.fauteuil.ch

«Drei Männer im Schnee»

«Drei Männer im Schnee»

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Spiel der Verwirrungen in Therwil

Premiere in der Aula der Sekundarschule K1 in Therwil! Zum Zehnjährigen des Vereins Freies Theater Therwil spielt dieses sein neues Programm «Drei Männer im Schnee» von Charles Lewinsky nach dem Roman Erich Kästners. Das Publikum erwartet eine Verwechslungskomödie, bei der niemand zu sein scheint, wer er wirklich ist.

Freitag bis Sonntag variierender Start,
Sekundarschule K1, ab 20 Franken
www.freiestheater-therwil.ch

Ausstellung «Global Warning»

Ausstellung «Global Warning»

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Globale Warnung: Slogans neu interpretiert

«Just do it», «Think different», «I’m lovin’ it»… Die Werbeslogans der Marktgiganten dominieren Plakatwände, TV und Internet. Im Kunstraum Parzelle 403 interpretiert der Künstler Traz die Slogans neu und wendet sie gegen sich selbst: Im Zentrum der Ausstellung «Global Warning» steht die zerstörerische Komponente des freien Marktes.

Freitag bis Sonntag variierender Start,
Parzelle 403, Eintritt frei
www.parzelle403.ch

«Projekt Hoffnung»

«Projekt Hoffnung»

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Aus 15 Stimmen werden deren 40

Wo früher Trinkwasser gereinigt worden ist, soll dieses Wochenende die Reinigung von Ängsten stattfinden: Im Filter 4 auf dem Bruderholz will das Larynx-Vokalensemble mit dem «Projekt Hoffnung» ein Zeichen für die Kunst in Zeiten von Corona setzen. Mit Loop-Tontechnik übernehmen 15 Stimmen die Rolle von deren 40.

Freitag bis Sonntag variierender Start,
Filter 4, ab 15 Franken
www.larynx-basel.ch

Fotografiereihe «You are the weather»

Fotografiereihe «You are the weather»

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Eine Frau, hundert Perspektiven

In der Fondation Beyeler ist die Fotografiereihe «You are the weather» zu besehen. Hundert Porträts, eine Frau, eine Thermalquelle. Das Werk der US-Künstlerin Roni Horn zeigt eindrücklich, was aus subtilen Veränderungen der Mimik zu lesen ist und wie sich das isländische Wetter im Gesicht der porträtierten jungen Frau spiegelt.

Freitag bis Sonntag ab 10 Uhr,
Fondation Beyeler, ab 12 Franken
www.fondationbeyeler.ch

Arleser Märt

Arleser Märt

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Herbstliches Marktschlendern

Morgen Samstag ist es wieder so weit: Im Dorfkern von Arlesheim laden Marktfahrerinnen und Marktfahrer sowie lokale Organisationen und Vereine zum Arleser Märt. Ab 9 Uhr können die Besucherinnen und Besucher in herbstlicher Stimmung durch die mit bunten Ständen gezierten Gassen von Arlesheim schlendern.

Samstag ab 9 Uhr,
Dorfkern, Eintritt frei
www.agiv.ch

Kunstausstellung «Schätzli.ch»

Kunstausstellung «Schätzli.ch»

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Blick auf den regionalen Kulturschatz

Zum zweiten Mal wirft die Kunstausstellung «Schätzli.ch» in Ettingen einen Blick auf die Vielfalt regionaler Kultur. Dreizehn professionelle und Hobby-Kunstschaffende stellen ihre Bilder, Skulpturen, Plastiken und Schnitzereien vor. Begleitet wird die zweitägige Ausstellung von Liveshows, Workshops und Konzerten vor Ort.

Samstag und Sonntag ab 10 Uhr,
Thomas Weyl Art, Eintritt frei
www.schätzli.ch

Globi

Globi

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Globi und die Zukunft der Energie

Zusammen mit Atlant Bieri besucht Globi am Samstag die Kantonsbibliothek Baselland und bringt Kindern im Alter von acht bis zehn Jahren die Energiethematik näher. Der Autor der Globi-Sachbücher macht Energie mit spannenden Experimenten erlebbar und führt in die Zusammenhänge von Energie und Klimawandel ein.

Sonntag 11 Uhr,
Kantonsbibliothek BL, Eintritt frei
www.kbl.ch