Beschwerde

Die Polizei operiert mit fragwürdigen Methoden gegen den Bierlauf

Der Gründer der Harassenlauf-Gruppe auf Facebook fühlte sich bei einer Polizeibefragung gedemütigt. Auf dem Polizeiposten soll es zwischen ihm und den Beamten zu verbalen Seltsamkeiten gekommen sein.

Boris Burkhardt und Leif Simonsen
Drucken
Teilen

bz Basellandschaftliche Zeitung

Der Baselbieter Harassenlauf sorgt jährlich für Zoff. Der diesjährige begann auf Facebook. Oliver Wyss wollte nach den vergangenen Jahren, «als ich den Mund zu weit aufmachte», einen diskreten Aufruf starten. «Nein zum Bierlaufverbot» hiess die Gruppe, die er gründete. Der 20-Jährige rief die Mitglieder dazu auf, sich am 1. Mai in Reinach zu treffen. Aber: Man solle sich doch anständig verhalten. Nicht schlecht staunte der Aescher, als er plötzlich von der Baselbieter Kantonspolizei zu einem Gespräch in Reinach vorgeladen wurde.

Lediglich eine «Befragung», wie es hiess. Auf Nachfrage wollte man nichts Näheres dazu sagen. Ob es um den Harassenlauf gehe oder nicht - darüber wurde Wyss im Dunkeln gelassen. Auch sein Vater durfte der Befragung nicht beiwohnen.

«Verhalten eines 14-Jährigen»

Was auf dem Polizeiposten passierte, wird unterschiedlich interpretiert. Wyss spricht von einer «Demütigung». Die zwei Polizisten hätten ihm herzlich zu seinem Amt als Organisator des Harassenlaufs gratuliert - und ihn damit zum Alleinverantwortlichen des illegalen Events befördert. Sie machten ihm klar, dass er somit alleine für die Kosten geradestehen müsse. «Zudem warfen sie mir vor, mich wie ein 14-Jähriger zu verhalten», so Wyss.

Dieter Leutwyler, Sprecher der Baselbieter Justiz- und Sicherheitsdirektion, spricht hingegen von einer «angenehmen Atmosphäre»: Wyss habe die Polizisten mehrmals zum Lachen gebracht. Zudem rechtfertigt er das Vorgehen: Aus Sicht der Polizei sei klar, dass Wyss der Organisator des Harassenlaufs sei, wenn er die Leute dazu aufbiete. Er müsse dann auch für die entstehenden Kosten aufkommen. Das Gesetz sei eindeutig: Für öffentliche Anlässe mit über 200 Teilnehmern sei eine Bewilligung nötig; und die sei bisher nicht einmal angefragt worden.

Wyss sieht das wiederum anders: Er habe schon in der Facebookgruppe klargestellt, dass er nicht Organisator des Harassenlaufs sei. Trotzdem habe er sich dem Druck der Polizei gebeugt und die Facebookseite gelöscht. Damit war ihm die Solidarität der Facebook-Community gewiss: Daniel Studer, ein Bekannter Wyss', ergriff die Initiative und gründete die Gruppe «Harassenlauf/Bierlauf Grün 80 - Jetzt erst recht!». Bisher sind bereits 213 Mitglieder beigetreten.

Konsequenterweise müsste die Polizei nun auch Studer vorladen. Ob es dazu kommt, will Leutwyler nicht sagen. Klar scheint hingegen, dass die Polizei einen Einsatz im ähnlichen Rahmen plant wie vor einem Jahr. Trotz Grossaufgebot wird sie sich aber hüten, das Bussenregime in der Alkoholverbotszone in Reinach und Münchenstein streng umzusetzen.

Wyss prüft weitere Schritte

Wyss hat derweil einen eingeschriebenen Brief an die Justiz- und Sicherheitsdirektion geschickt: Innert einer Woche verlangte er eine Erklärung für das Verhalten der Polizisten. Innerhalb dieser Frist, die gestern ablief, bekam er keine Antwort. Nun will er weitere rechtliche Schritte prüfen.

Zur Beschwerde will Leutwyler nichts sagen - er gibt indes zu, dass die Polizei seines Wissens nach noch nie zu einem solchen prophylaktischen Gespräch aufgerufen habe. Er verweist aber auf die besondere Situation am Harassenlauf: «Vor zwei Jahren hatten wir eine lebensgefährliche Messerstecherei und eine Prügelei, bei dem das Opfer ein Auge verlor und die Sanitäter angegriffen wurden. Damals waren wir uns einig: Das können wir nicht mehr zulassen.» Das will auch Wyss nicht: Er wird am Harassenlauf denn auch kein Bier trinken, sondern mithelfen, den Abfall wegzuräumen.