Coronakonform
«Gelage» oder nur angemessenes Ambiente? Basler Regierung wird für Abschlussessen während Gastro-Lockdown kritisiert

Mit einem «Gelage» habe der Basler Regierungsrat den Abschied von vier Mitgliedern gefeiert, schreibt die «Weltwoche». Die Regierung spricht von einem Arbeitsessen.

Jonas Hoskyn
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Im Wenkenhof veranstaltete der Basler Regierungsrat am Dienstag seine letzte Sitzung in der alten Besetzung.

Im Wenkenhof veranstaltete der Basler Regierungsrat am Dienstag seine letzte Sitzung in der alten Besetzung.

Juri Junkov/Archiv bz

Ein «mehrgängiges Bankett» mit Fisch- und Fleischgerichten, Schokoladenmousse und Wein im hochherrschaflichen Wenkenhof in Riehen – so habe der Basler Regierungsrat diese Woche seine bisherigen Mitglieder Elisabeth Ackermann, Christoph Brutschin, Hans-Peter Wessels und Baschi Dürr verabschiedet. Dies berichtet heute die «Weltwoche». All dies während die lokale Gastronomie sich im Lockdown befindet.

Tatsächlich würde ein solches Festessen von wenig politischem Feingefühl zeugen. Fragt man bei der Basler Regierung nach, tönt das Ganze auch ein wenig anders: Man habe die Abschiedssitzung in einem würdigen Rahmen durchführen wollen, sagt Regierungssprecher Marco Greiner. Statt wie üblicherweise im Theoriesaal des Justiz- und Sicherheitsdepartements, wo sich die Regierung seit der Pandemie trifft, um die Abstände gewährleisten zu können, wurde die Sitzung im Wenkenhof durchgeführt. «Selbstverständlich wurden auch dort die Abstände eingehalten», so Greiner.

«Regierungssitzung mit Mittagessen»

Es habe sich um eine normale Regierungsratssitzung gehandelt, die von 8.30 bis 14 Uhr dauerte und 60 Traktanden umfasste, so der Regierungssprecher weiter. Anwesend waren demzufolge die sieben bisherigen Regierungsmitglieder, die Staatsschreiberin und ihr Vize plus eine Weibelin. Während der Sitzung hätten alle Anwesenden Masken getragen. «Wie immer gab es, weil die Sitzung über den Mittag hinaus ging, für die Regierungsmitglieder ein Mittagessen», sagt Greiner.

Dieses haben zwei Personen einer Catering-Firma serviert. «Die Mahlzeit wurde sitzend am Arbeitsplatz der jeweiligen Regierungsmitglieder unter Einhaltung der Abstände eingenommen», sagt Greiner. Die Regelungen des Bundes im Zusammenhang mit Corona liessen Regierungssitzungen und Parlamentssitzungen ausdrücklich zu, «die Sitzung vom 2. Februar war also bundesrechtskonform.» In anderen Jahren findet zur Verabschiedung der scheidenden Regierungsmitglieder ein Nachtessen mit Gästen statt. «Dieses wurde dieses Jahr ersatzlos gestrichen», sagt Greiner.

«Es gibt dieses Jahr keinerlei Feierlichkeiten.»

Auffallend: Den Artikel in der «Weltwoche» hat der frühere SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli verfasst. In den vergangenen Monaten behauptete Mörgeli bereits einmal, der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger habe im Nachbarkanton ein Familienessen veranstaltet, während in Basel die Restaurants geschlossen waren. Die Geschichte erwies sich als grobe Verwechslung.

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