BVB und BLT
Weniger Trams in der Innenstadt, mehr Zuverlässigkeit: So soll sich das Tramnetz ab 2030 entwickeln

Die beiden Basel wollen das Tramnetz gemeinsam ausbauen. Besonderes Augenmerk legen sie auf die Innenstadt sowie die Erschliessung neuer Gebiete. So werden der vom Baselbieter Volk abgelehnte Margarethenstich, die Verlängerung der Linie 8 in Allschwil und ein neuer Tramabschnitt im Klybeck aufgenommen.

Silvana Schreier
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Die Basler Innenstadt ist ein Nadelöhr: Die geplanten Veränderungen sollen das Gebiet entlasten.

Die Basler Innenstadt ist ein Nadelöhr: Die geplanten Veränderungen sollen das Gebiet entlasten.

Keystone
«Entflechten, flexibilisieren und beschleunigen»,

lautet das Credo aus beiden Basel. Die Kantone Baselland und Basel-Stadt haben zusammen mit der Baselland Transport AG (BLT) und den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) bekanntgegeben, wie sie sich das künftige Tramliniennetz vorstellen. Sie wollen direktere Verbindungen schaffen, die Basler Innenstadt entlasten, pünktlicher unterwegs sein und neue Areale erschliessen. Die Veränderungen laufen unter der «Tramnetzentwicklung 2030».

«Wir machen das Tramnetz fit für die Zukunft», sagt die Basler Regierungsrätin Esther Keller an der virtuellen Pressekonferenz. Gerade in der Innenstadt werde es immer enger.

«Ziel ist es, diesen Flaschenhals zu entlasten.»

Während heute bis zu sieben Tramlinien zwischen Schifflände und Barfüsserplatz verkehren, sollen es ab 2030 zwei weniger sein. BVB-Direktor Bruno Stehrenberger sagt: «Die Kapazitätsgrenze in der Innenstadt ist massiv ausgereizt. Auf dem Barfüsserplatz kommt jede Minute ein Tram an.»

Tram soll Rückgrat der Region bleiben

Zudem sollen neue Strecken geschaffen werden, sodass bei Störungen oder Sperrungen besser ausgewichen werden kann. Dazu gehören der Petersgraben, der Claragraben, der Margarethenstich sowie der Anschluss des ehemaligen Werkareals Klybeck. Letzteres Gebiet wird von der Linie 14 erschlossen, dem «Zukunftstram», wie es von Keller genannt wird.

Stehrenberger ist überzeugt:

«Mit dem Tramnetz 2030 schaffen wir einen Mehrwert für die Fahrgäste, die Stadt und die Region.»

Das Tram bleibe das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in der Region Basel, dürfe seine Geschwindigkeit aber nicht verlieren.

Die Bemühungen der beiden Basel werden von allen Seiten kommentiert: Die Handelskammer beider Basel hofft auf Impulse für die neu erschlossenen Areale; Pro Velo wünscht sich einen velofreundlichen Ausbau; die Linkspartei Basta fordert den Einbezug des Tram 30, das anstelle der Buslinie entstehen soll; für die Grünen Basel-Stadt ist der Plan der Auftakt der Verkehrswende. Auch die Interessengemeinschaft für den öffentlichen Verkehr (IGÖV ) verteilt den Beteiligten gute Noten. Die Basler SVP hingegen ist der Ansicht, die Neuerungen würden die Innenstadt nicht entlasten und wären nicht sinnvoll.

Drei neue Tramstrecken in Baselland

Der laut Stehrenberger «moderate Infrastrukturausbau» betrifft auch den Landkanton. Hier verfolgt die neu überarbeitete Strategie im Wesentlichen drei Ziele: das Leimentaler Expresstram plus Neuauflage einer Tramverbindung am Margarethenhügel, die Erschliessung von Salina Raurica bis nach Augst mit dem verlängerten 14er-Tram und die Linie 8 Letten in Allschwil.

Während die beiden Kantone am Ausbau und an der Steigerung der Attraktivität des Tramnetzes arbeiten, vermeldeten die BVB einen Fahrgastrückgang um 30 Prozent aufgrund der Coronapandemie. Dazu kommen um 20 Prozent tiefere Einnahmen durch den Verkauf von U-Abos und Einzeltickets. Gleichwohl rechnen die BVB mit dem Erreichen des Vor-Corona-Niveaus im Jahr 2024. Stehrenberger:

«Sehr viele Menschen in der Region Basel sind auf den öffentlichen Verkehr und damit auf die Trams angewiesen. Zudem wächst die Bevölkerungszahl markant und die Menschen werden älter, wollen aber mobil bleiben.»

Der Blick in die Zukunft sei natürlich «Glaskugellesen», aber könne aufgrund dieser Faktoren positiv beurteilt werden. «Der öffentliche Verkehr wird seinen Stellenwert nach der Krise wieder erlangen», ist Stehrenberger überzeugt.

Die geplanten Veränderungen des Tramnetzes sollen allesamt in den nächsten zehn Jahren umgesetzt werden. Bei einigen Ausbauschritten wird der Bund einbezogen werden. Er finanziert zudem via Agglomerationsprogramme einen Teil der Kosten. Der dritte Bericht zur Tramnetzentwicklung wird voraussichtlich Anfang 2022 in den Grossen Rat kommen. Dieser wird über die einzelnen Kreditvorlagen separat beschliessen.

Die neuen Linienführungen im Tramnetz 2030 im Überblick:

  • Linie 1: Verkehrt neu ganztägig über die Wettsteinbrücke und stellt via Claragraben eine schnelle Verbindung vom Klybeck an den Bahnhof SBB sicher. Die Kosten für die Strecke durch den Claragraben betragen rund 25 Millionen Franken und Baubeginn soll 2027 sein.
  • Linie 8: Wird nach Allschwil ins Gewerbegebiet Letten und in Weil am Rhein bis zum Läublinpark verlängert. Die Linienführung durch die Innenstadt bleibt unverändert. Baselland rechnet mit Kosten von 60 bis 80 Millionen Franken.
  • Linie 14: Verkehrt ab Riehenring neu direkt ins Klybeck und nach Kleinhüningen, stellt so die Erschliessung des Entwicklungsgebietes Klybeckplus sicher und verbessert die Anbindung an die Erlenmatt, erschliesst das Entwicklungsgebiet Salina Raurica bis nach Augst und bindet in Pratteln das Tram an die S-Bahn an. Rund 170 Millionen Franken veranschlagt Regierungsrat Isaac Reber für die Arbeiten auf Baselbieter Boden. Ein erster Projektierungskredit kommt im Juni zur Abstimmung. Für den Ausbau im Klybeck-Areal rechnet Regierungsrätin Esther Keller mit rund 60 Millionen Franken. Die Bauarbeiten beim längsten neuen Streckenabschnitt sollen 2028 starten.
  • Linie 15: Fährt neu in beide Richtungen via Barfüsserplatz zur Schifflände und nicht mehr zur Messe.
  • Linie 16: Verkehrt ab Barfüsserplatz neu via Petersgraben zur Schifflände, entlastet so den Marktplatz und bindet die Universität und das Unispital besser in das Tramnetz ein. Die Ausbauarbeiten, die voraussichtlich im Jahr 2026 beginnen, kosten rund 20 Millionen Franken.
  • Linie 17: Verkehrt neu via Margarethenverbindung und Wettsteinbrücke an den Badischen Bahnhof. Entlastet so den Marktplatz und bindet das Leimental schneller an den Bahnhof Basel SBB und die Arbeitsplatzschwerpunkte im oberen Kleinbasel an. Die Kosten für die Margarethenverbindung betragen laut dem Baselbieter Regierungsrat Isaac Reber zwischen 8 und 15 Millionen Franken.
  • Linie E11: Bindet das Birseck via Gundeli, Barfüsserplatz und Petersgraben direkt an Universität und Spitäler an und schafft eine direkte Verbindung vom Bahnhof St. Johann zur Innenstadt. Hier sollen die Kosten vollumfänglich vom Bund getragen werden.
  • Linie 21: Verbindet den Badischen Bahnhof neu ganztags mit dem Bahnhof St. Johann.

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