Coronavirus

Wie weiter nach der Krise? Der Autor Daniel Wiener sieht den Schlüssel in der Kreislaufwirtschaft.

Die Coronakrise führt uns die Abhängigkeit der Schweiz von globalen Waren- und Finanzmärkten vor Augen. Die internationale Arbeitsteilung führt zu Lieferengpässen bei lebens- und gar bei überlebenswichtigen Gütern.

Daniel Wiener
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Während der Coronakrise kam es nicht nur zu Engpässen bei Pasta.

Während der Coronakrise kam es nicht nur zu Engpässen bei Pasta.

Susann Basler

Um den ökonomischen Schaden des erzwungenen Stillstands zu mildern, stehen jetzt Notmassnahmen im Vordergrund. Aber auch nach der Erholung von Corona wird die Wirtschaft nicht mehr dieselbe sein wie vorher. Schon beim ganz banalen, täglichen Einkaufen besinnen sich Konsumentinnen und Konsumenten, aber auch Gewerbetreibende zurzeit unentrinnbar auf den Wert lokaler Produktion und lokaler Nachfrage zurück. Das gilt sogar für den Onlinehandel. Wir erleben gerade, wie die Zahlungsbereitschaft für Produkte aus der Nähe wächst. Corona graviert diesen Wandel tief in unser Bewusstsein ein. In der Folge werden sich das Gewerbe und der Handel noch stärker und nachhaltiger auf lokale Beschaffungs- und Absatzmärkte ausrichten.

Beim Einhalten des neuen Versprechens einer höheren Gewichtung lokaler Produktion spielt die Kreislaufwirtschaft eine Schlüsselrolle. Sie erlaubt es uns, mit Rohstoffen sorgsam umzugehen. Zum Beispiel können seltene Erden, die wir mit alten elektronischen Geräten entsorgen, wiedergewonnen und in neuen Produkten verwendet werden. Aber auch ganz einfache Kreisläufe müssen geschlossen werden. Heute verbrennt Basel (im Gegensatz zu Riehen und Bettingen) den grössten Teil der organischen Haushaltabfälle zur Wärme- und Stromproduktion. Die Schliessung dieses Kreislaufs über die Gewinnung von Biogas und Kompost ist ein Gebot der Stunde. Anschauungsunterricht bietet die Vergärungsanlage Pratteln.

Es braucht einen Masterplan Kreislaufwirtschaft

Neue Geschäftsmodelle sind gefragt, die dem Aufbau einer widerstandsfähigeren Volkswirtschaft dienen. Das ist der Punkt, an dem sich Städte und Gemeinden heute engagieren sollten. Sie wissen um die Hebel, die ihrem lokalen Gewerbe helfen können, Kreisläufe zu schliessen. Sie sind in der Lage, aufgrund von Analysen ihrer Stoffflüsse die wirkungsvollsten Mittel und Wege zu identifizieren, um auf den Pfad der Kreislaufwirtschaft einzuschwenken. Deshalb braucht Basel – für die Zeit nach der Nothilfe – einen Masterplan Kreislaufwirtschaft. Dieser sollte aber nicht nur Strukturen aufzeigen und Strategien definieren. Er muss von Anfang an auch konkrete, bestehende und neue Geschäftsmodelle des Gewerbes und der Logistik für die Kreislaufwirtschaft identifizieren und fördern.
So kann eine zukunftsorientierte Wirtschaft aus der Coronaasche auferstehen.

Ein Masterplan Kreislaufwirtschaft würde es auch erlauben, in allen übergeordneten Planungen die richtigen Schlüsse für die Zukunftsfähigkeit Basels zu ziehen: Öffentliche Mittel – seien es Gelder oder gesetzliche Rahmenbedingungen – dienten damit effizient der Stärkung des lokalen Gewerbes, zum Beispiel von Handwerksbetrieben oder der Nahversorgung in den Quartieren.

Das Ziel muss sein, die Lehren aus der Coronakrise konkret umzusetzen, indem die lokale Wirtschaft dank geschlossener Kreisläufe zur Resilienz gegen zukünftige Engpässe einen wesentlichen Beitrag leisten kann. Zugleich wird damit der Umwelt- und Ressourcenschutz gestärkt. So kann Basel die Abhängigkeit der Wirtschaft von internationalen Waren- und Finanzmärkten lockern, die Umwelt wirksam entlasten, Arbeitsplätze schaffen und die Folgen zukünftiger Krisen abfedern.

Der in Liestal aufgewachsene und in Basel lebende Autor Daniel Wiener ist Journalist, Kulturmanager, Unternehmer und Berater.