Waldenburg
Wenn Bunker begeistern

Am Samstag standen die Türen der Waldenburger Bunker von 1942 offen. Drinnen im Bunker berichtet Hanspeter Schweizer (72) aus Oberdorf dem Präsidenten des Bunkervereins Frank Blatter von den Festungswächtern in Oberdorf und Waldenburg, die er noch mit Namen kennt.

Boris Burkhardt
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Vereinsmitglied Michael Mohler zeigt das Wartungsbuch, das er entdeckt hat.

Vereinsmitglied Michael Mohler zeigt das Wartungsbuch, das er entdeckt hat.

Boris Burkhardt

Das Mädchen schrickt zurück, als der Vater dreier Kinder im Primarschulalter auf das Maschinengewehr aufmerksam macht, dessen Laufspitze aus einer kleinen Öffnung des Bunkers A305 am westlichen Steilhang über dem Zentrum von Waldenburg herauslugt. Doch der Vater beruhigt seine Tochter, dass von der Waffe keine Gefahr ausgeht. Drinnen im Bunker berichtet Hanspeter Schweizer (72) aus Oberdorf dem Präsidenten des Bunkervereins Frank Blatter von den Festungswächtern in Oberdorf und Waldenburg, die er noch mit Namen kennt.

Freiwillige gefragt, als Bund Bunker aufgab

Schweizer nutzte als einer von rund 60 Besuchern am vergangenen Samstag die Möglichkeit, zwei von vier der Waldenburger Bunker am Tag der Offenen Bunkertüren zu besichtigen: «Ich habe den Bunker immer vom Städtli aus gesehen; aber ich wusste nicht, dass es noch einen zweiten gibt.»

Im zweiten Bunker A307, etwa 30 Höhenmeter oberhalb, zeigt Vizepräsident Pascal Wyss gerne, wie schön die 9-Zentimeter-Panzerabwehrkanone PAK 50 mit Platzpatronen an der Felswand am Osthang widerhallt. Blatter und Wyss ist es zu verdanken, dass die beiden Bunker der Öffentlichkeit zugänglich sind und ein Bild davon vermitteln, wie die Schweizer Soldaten ab 1942, dem Baujahr der Bunker, ihren Dienst taten.

Dabei kommt keiner der beiden Hobbymilitärhistoriker aus dem Stedtli: Blatter wohnt in Lausen; Wyss arbeitet zwar in Waldenburg, wohnt aber in Reigoldswil. Aber die beiden beschlossen, sich zu engagieren, als die Gemeinde Waldenburg jemanden suchte, der die beiden Bunker zugänglich macht und unterhält, nachdem die Schweizer Armee bereits in den Neunzigern die Bunker aufgegeben hatte.

Doch noch zwei Jahrzehnte danach wurden die Bunker kontrolliert, wie Vereinsmitglied Michael Mohler soeben in einem Wartungsbuch entdeckt hat, das er begeistert herumreicht: In dem Büchlein sind die technischen Kontrollen des Bunkers nach der Demontage 1996 verzeichnet, zuletzt 2013.

Blatter und Wyss schauten die Bunker 2017 zum ersten Mal an. Einiges haben sie seither ausgebessert, saniert, hergerichtet und für den Tag der Offenen Bunkertüren haben sie sie mit Gewehren und Utensilien wie zwei Feldtelefonen aus ihrem Privatbestand ausgestattet. Im unteren Bunker A305 zeigt Blatter, wie die Schützen an den beiden Maschinengewehr-Halterungen über ein «Schiessdiagramm» die genauen Koordinaten auf der Hauptstrasse des Stedtlis anvisieren konnten, die ihnen die Beobachter im Ernstfall durchgegeben hätten. Doch einen solchen hat es im Waldenburgertal nie gegeben. Nach 1945 waren die Bunker nicht mehr besetzt, wurden aber immer wieder modernisiert.

Als «Unikate» bezeichnet Blatter die Militärkarten, die er und Wyss im oberen Bunker fanden: «Eigentlich wurden alle Karten ins Militärarchiv verbracht. Wir durften sie nach unserem Fund aber behalten.»

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