Oberdorf
Vom Flüchtling zum Beizer – Wie Salman Fistik in die Schweiz kam

Salman Fistik flüchtete vor 30 Jahren aus seiner kurdischen Heimat. Weshalb er in die Schweiz kam und wie er sich empor arbeitete.

Simon Tschopp
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Salman Fistik – ein Gastronom mit Herz und Seele.

Salman Fistik – ein Gastronom mit Herz und Seele.

Juri Junkov

Er ist der geborene Gastwirt: Seine Freundlichkeit ist ansteckend, keine Spur von Stress, für ihn der Traumberuf schlechthin. Salman Fistik führt das Restaurant Tigris in Oberdorf. Übermorgen Samstag feiert das dreiköpfige Team das 20-Jahr-Jubiläum.

«Mit einem Buffet mit anatolischen Spezialitäten für Stammgäste und alle, die kommen wollen», sagt der kurdischstämmige Beizer mit grosser Vorfreude. Fistiks Lebensgeschichte ist eindrücklich, seit gut einem Jahr ist er Gemeinderat in Oberdorf.

Im Gefängnis

Salman Fistik flüchtete vor gut drei Jahrzehnten aus seiner kurdischen Heimat im Südosten der Türkei in die Schweiz. Er wurde bespitzelt. Vor und nach dem obligatorischen Militärdienst musste er ins Gefängnis wegen seiner Herkunft, weil er politisch aktiv war und sich gegen das Regime auflehnte. «Die jetzige Lage in der Türkei ist leider für einen grossen Teil der Bevölkerung nicht sicher», konstatiert Fistik. Mehr dazu will er nicht sagen.

Auf Anraten seiner Eltern, die Landwirtschaft und später einen Lebensmittelladen betrieben, verliess Salman Fistik 1985 das Zuhause. Sie unterstützten ihren Sohn finanziell. «Ich wollte in die Schweiz», erzählt der heute 54-Jährige. Er habe ein Buch über dieses Land gelesen und sei fasziniert gewesen wegen der vier verschiedenen Sprachen, der demokratischen und stabilen politischen Verhältnisse.

Die ersten sechs Monate durfte Fistik nicht arbeiten, dafür büffelte er Deutsch. Danach nahm er mit dem positiven Entscheid seines Asylgesuchs eine Stelle im Hochbau an. Bald war er Kranführer. Nach zehn Jahren hatte er die Nase voll. Salman Fistik, der nach seiner Flucht stets im Baselbiet lebte, stiess per Zufall auf ein leerstehendes Ladenlokal in Oberdorf. Daraus entstand sein Restaurant, das «Tigris». Dieser Name erinnert an den grossen Fluss, der im Gebiet entspringt, wo Fistik seine Wurzeln hat. Der Strom ist für ihn ein «Brückenbauer zwischen Kulturen». Auch die Schweiz sei seine Heimat, betont er.

Im Gemeinderat

Einst hat der Wirt vier Mitarbeitende beschäftigt, heute schmeissen er, seine Frau und eine Angestellte den Restaurationsbetrieb. «Durch den Wegzug des Synthes-Hauptsitzes aus Oberdorf brach die Gästezahl massiv ein, gegen 50 Prozent», sagt Salman Fistik, der seit 16 Jahren das Schweizer Bürgerrecht besitzt und Vater zweier erwachsener Kinder ist. Aber er ist zufrieden, wie sein Restaurant heute gedeiht. Die Gäste stammen primär aus den beiden Frenkentälern, auch aus dem Gewerbe und Vereinen.

Das Restaurant Tigris, dessen Lokal Fistik gemietet hat und das kürzlich moderner ausgestattet worden ist, ist bekannt für anatolische Spezialitäten. Besonders erwähnt der Gastronom gefüllte Auberginen mit Gemüse oder Hackfleisch, Lammspiess oder Pizzen mit anatolischen Zutaten.

Der 54-jährige Salman Fistik ist auch politisch engagiert. Seit längerer Zeit schon gehört er der SP an und wirkt im Vorstand der Sektion Bezirk Waldenburg mit. Im Frühling 2016 wurde Fistik in den Oberdörfer Gemeinderat gewählt, nachdem er vier Jahre zuvor den Einzug in die Exekutive noch verpasst hatte. «Ich habe mich im Gemeinderat gut eingelebt. Die Arbeit gefällt mir. Es freut mich sehr, etwas für die Dorfgemeinschaft tun zu dürfen.» Seine berufliche Tätigkeit und das Gemeinderatsamt bringe er gut unter einen Hut, allerdings müsse er bei seinen Hobbys Abstriche machen.

Fistik hat es geschafft, in der Schweiz Fuss zu fassen – mit Höhen und Tiefen. Er ist ein Beispiel für geglückte Integration. Dazu hat vor allem er selber viel Engagement aufbringen müssen. Nun kann er ernten – in Beruf und Politik.

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