Volksfest
Pratteln startet den Countdown für das Eidgenössische 2022 – mit Siegermuni und Schwingerkönig

Ein Jahr vor dem Schwing- und Älplerfest herrschte am Samstag in Pratteln schon Festatmosphäre im Kleinen. Die Vorfreude auf den Grossevent im Baselbiet steigt.

Tobias Gfeller
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In einem Jahr soll in Pratteln das Urbane mit ländlichen Traditionen verbunden werden. Das Volksfest vom Samstag gab einen Vorgeschmack darauf.

In einem Jahr soll in Pratteln das Urbane mit ländlichen Traditionen verbunden werden. Das Volksfest vom Samstag gab einen Vorgeschmack darauf.

Juri Junkov

Die Schlange wird immer länger. Kinder in Zwilchhosen, Frauen und Männer in Edelweisshemden und Senioren mit alter Schwingfestkappe wollen ein Autogramm vom amtierenden Schwingerkönig Christian Stucki. Dieser ist bestens gelaunt, selbst wenn er kürzlich bekanntgab, dass er seine Saison aufgrund einer Schulteroperation vorzeitig abbrechen muss. «Meinst du, sie gewinnen morgen», fragt Stucki einen Jungen im FCB-Trikot. Dieser nickt etwas scheu, als ihn ein älterer Herr daneben aufklärte.

«Weisst du, der Stucki ist YB-Fan.»

Die Atmosphäre ist entspannt. Ganz der Profi lächelt der Schwingerkönig in die Handykameras und schreibt sich während einer Stunde die Finger wund. Neben Stucki sind die meisten Kameras auf Magnus gerichtet. Der Siegermuni vom Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (Esaf) Ende August 2022 in Pratteln wurde frisch getauft, frisst in aller Ruhe in seinem kleinen Gehege Heu und lässt sich vom Rummel nicht beirren. «Ein prächtiges Tier», hört man hier und da Besucherinnen und Besucher sagen.

Viele Besucherinnen und Besucher wollten ein Autogramm von Schwingerkönig Christian Stucki haben.

Viele Besucherinnen und Besucher wollten ein Autogramm von Schwingerkönig Christian Stucki haben.

Juri Junkov

Auch Beat Gisin, Geschäftsführer der Landi Reba AG, gehört dazu. Das Baselbieter Unternehmen hat den zweiten Lebendpreis, das Rind Landina, gesponsert. Das Tier ist zwar nicht da, dafür hängt schon seine Schleife bereit, die Beat Gisin gleich mehrfach fotografiert.

«Ein solcher Anlass, der zu unserer Philosophie passt, praktisch vor der Türe, ist wohl etwas Einmaliges.»

Gesucht: Ein Baselbieter Schwingerkönig

Der Andrang auf das Festgelände vor dem Kuspo ist trotz Beschränkung mittels Covid-Zertifikat gross. Während unter den fachkundigen Ratschlägen der Baselbieter Kantonalturnerinnen- und Turner unterschiedlich schwere Steine gestossen werden können, lädt gegenüber die Hornussergesellschaft Tenniken zum Austausch ein. Die einzige übrig gebliebene Hornussergesellschaft nördlich des Juras, wie Präsident Urs Roth nicht ohne Stolz sagt, hofft auf einen Mitgliederschub durch die Aufmerksamkeit, die der Schweizer Traditionssport durch das Esaf in Pratteln erhält. Mit Schindel, Bock, Nouss und Stecken versuchen der Präsident und seine Kollegen, die Faszination des Sports weiterzugeben.

«Leider haben wir hier nicht genügend Platz, damit wir den Sport auch aktiv präsentieren könnten.»

Platz hat der Schwingklub Pratteln genug. In einem kleinen Sägemehlring duelliert sich der Schwingnachwuchs des Kantons. «Ich habe ihn mit einem Übersprung auf den Rücken gelegt», erklärt der siebenjährige Leon. Kollege Ari gab derweil den Kampfrichter. Der Basellandschaftliche Kantonal-Schwingerverband will mit dem Schwung des Esaf auf die Suche nach dem Schwingerkönig von 2037. Die Anstrengungen dafür sind bitter nötig. Ein Königsanwärter aus dem Baselbiet liegt zurzeit in weiter Ferne. Die Vorbilder der Jungschwinger sind deshalb andere: allen voran König Christian Stucki.

Die Baselbieter Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP) begutachtete Siegermuni Magnus.

Die Baselbieter Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP) begutachtete Siegermuni Magnus.

Juri Junkov

Baselbieter Tracht ist für das OK Pflicht

Über stärkere Baselbieter Schwinger würde sich auch Regierungsrat Thomas Weber (SVP) als bekennender Schwingfan freuen. In Pratteln waltet er als Präsident des Esaf-Organisationskomitees in offizieller Mission und trägt dafür wie seine fünf Vorstandskollegen die Baselbieter Festtagstracht. Mit dabei sind auch die Ehrendamen – natürlich ebenfalls in der Tracht. Das Fest ein Jahr vor dem Esaf sei ein wichtiger Zwischenschritt, betont Weber.

«Wir sind bereit. Jetzt geht es quasi auf die letzte Meile, das letzte Jahr vor dem Fest.»

Es ist zu spüren, dass Weber in seiner Rolle als Esaf-OK-Präsident aufblüht. Er fachsimpelt gerne mit Besucherinnen und Besuchern und geniesst das Brauchtum mit Alphornklängen und Fahnenschwingern. «Das ist eine Rolle, da fühle ich mich richtig wohl.» Hätte Regierungsrat Weber einen Wunsch frei, würde er sich für das Eidgenössische im kommenden Jahr die gleichen Bedingungen wie am heutigen Festtag wünschen. «Trocken, nicht zu heiss – einfach perfekt für den Sport und das Fest.»

OK-Präsident und Baselbieter Regierungsrat Thomas Weber (SVP) schnupperte in Pratteln schon einmal Schwingfest-Luft.

OK-Präsident und Baselbieter Regierungsrat Thomas Weber (SVP) schnupperte in Pratteln schon einmal Schwingfest-Luft.

Juri Junkov

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