Ziefen

Veruntreuungsfall von mehr als 51000 wirft den Dorfladen zurück

Seit zwei Jahren wird die «Chesi» in Ziefen von der Dorfladengenossenschaft geführt. Nun erleidet der Dorfladen aber einen Rückschlag: Ein Veruntreuungsfall mit einem Deliktsbetrag von mehr als 51'000 Franken.

Silvana Schreier
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Der Dorfladen von Ziefen liefert derzeit negative Schlagzeilen.

Der Dorfladen von Ziefen liefert derzeit negative Schlagzeilen.

Juri Junkov

«Dorfladen mit Zukunft – Zukunft mit Dorfladen»: Die Ziefner «Chesi» will gemäss ihrem Slogan noch lange das Dorf prägen. «Die ‹Chesi› wird im Interesse der Allgemeinheit und als Teil des Gemeindeleitbilds ehrenamtlich geführt», sagt Erik Wassmer, Präsident der Dorfladengenossenschaft Ziefen. Doch nun muss die «Chesi» einen Rückschlag einstecken: Ein Veruntreuungsfall mit einem Deliktsbetrag von mehr als 51'000 Franken wirft den Dorfladen zurück.

Fristlose Kündigung

Zehn Monate lang zweigte eine Verkäuferin der «Chesi» Geld aus der Ladenkasse in die eigene Tasche ab. Da die Unterschlagungen als Depot-Auszahlungen verrechnet worden und im Einzelfall nicht auffällig gewesen waren, blieb dies lange unentdeckt.

Nachdem die unrechtmässigen Bezüge im vergangenen Sommer zunahmen und die Kasse teilweise ins Minus geriet, machten die Buchhalterin und die Ladenleiterin «eine vertiefte Analyse der gesamten Kassenaufzeichnungen». Auch sei ein Vergleich der Einsatzpläne gemacht worden. Der Verdacht auf Unterschlagung gegenüber der Verkäuferin bestätigte sich. Sie wurde Anfang Oktober fristlos entlassen.

Die Genossenschafter wurden vor zwei Wochen mit einem Schreiben über den Vorfall informiert. Allgemein seien grosses Bedauern und Enttäuschung geäussert worden. «Auch Wut ist sicher vorhanden», sagt Wassmer. Doch man wolle die «fehlbare Verkäuferin nicht einfach nur verurteilen».

Im Informationsschreiben wird auch der Name der Verkäuferin breitwillig erwähnt. «Das war ihr ausdrücklicher Wunsch. Damit keine Gerüchte entstehen und nicht andere verdächtigt werden», erklärt Erik Wassmer. Sie habe von Anfang an zu ihren Fehlern gestanden.

«Offenbar hat sie damals keinen anderen Ausweg mehr gesehen», vermutet Wassmer. Den angerichteten Schaden müsse sie trotzdem wiedergutmachen. Ihr Motiv für die Veruntreuung waren finanzielle Probleme, darum «muss man ihre Zahlungsfähigkeit der Schulden als sehr zurückhaltend einstufen». In einem Strafverfahren werden nun die Einzelheiten geklärt.

Zuversicht trotz Rückschlag

Die Existenz der Dorfladengenossenschaft sei allerdings nicht gefährdet. «Da der Umsatz trotz der Abzweigungen der Verkäuferin leicht über dem Budget gelegen hat, haben wir keine Liquiditätsprobleme», sagt Erik Wassmer. Sie hätten jedoch eine günstigere neue Kühlvitrine kaufen und beim Umbau Montagekosten sparen müssen.

Momentan stehe die «Chesi» in «erfolgsversprechenden Verhandlungen mit einer gut ausgebildeten Verkäuferin». Der Vorfall sei zwar ungünstig für die «Chesi», doch die Genossenschaft blicke zuversichtlich in die Zukunft des Dorfladens.