Traditionsfirma
Treu geblieben: Die Rero lässt Waldenburg nicht im Stich

Andere Firmen sind wegzogen. Doch die Rero AG baut in Waldenburg aus. Um den Traditionsbetrieb zu halten, brauchte es eine Krise.

Michael Nittnaus
Drucken
Teilen
Noch ist es eine Baustelle, doch schon im Frühling 2020 soll der Rero-Anbau in Waldenburg fertig sein.

Noch ist es eine Baustelle, doch schon im Frühling 2020 soll der Rero-Anbau in Waldenburg fertig sein.

Kenneth Nars

2015 war der Tiefpunkt. Im Frühjahr wurde die Metallveredelungsfirma Rero AG aus Waldenburg verdächtigt, die Frenke gleich zweimal verunreinigt zu haben. In einem Fall räumte Firmenchef Reinhold Tschopp sofort Fehler ein: 6000 Liter zyanidhaltiges Abwasser waren zu früh in die Kanalisation abgelassen worden und hatten die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Frenke 2 lahmgelegt. Im August dann der Schock für das traditionsreiche Familienunternehmen: Das Herz von Reinhold Tschopp, im Dorf liebevoll «Böppel» genannt, hörte bei einer Wanderung auf zu schlagen. Der 60-Jährige hatte die Firma seit fast 30 Jahren geprägt wie kein Zweiter.

Die alte Generation hat sich endgültig zurückgezogen

Einen Monat später verkündete sein Sohn, Thomas Tschopp, dass er die Geschäftsleitung übernehme, nicht aber das Präsidium im Verwaltungsrat, denn: «Das Unternehmen soll nicht nur durch die Familie gesteuert werden.» Zeitsprung: Wie dem Handelsregister diese Woche zu entnehmen war, ist er es nun doch geworden, einfach vier Jahre später. Thomas Tschopp bestätigt der bz, dass er seit dem 23. Oktober nicht mehr nur Geschäftsführer, sondern auch Verwaltungsratspräsident der Rero AG ist.

Der 38-Jährige folgt auf Jacques Peter aus Riehen. «Er war die richtige Person für die Übergangsphase und ich musste mich erst in meiner neuen Rolle zurechtfinden», sagt Tschopp. Da auch noch Reinholds Bruder Rolf Tschopp vor Kurzem seine Rero-Aktien an seinen Sohn und Produktionsleiter Adrian abgetreten hatte und sich aus dem Verwaltungsrat zurückzog, schien die Zeit reif für eine Veränderung: «Wir wollen einen richtigen Schnitt
machen und eine neue Ära einläuten», hält Thomas Tschopp fest. Konkret verbleiben nun von ehemals sechs noch drei Personen im Verwaltungsrat: Neben den Cousins Thomas und Adrian Tschopp nur Kundenbetreuer Halil Cebeci. Eine vierte Person werde noch gesucht.

«Rero soll weiter in Familienhänden bleiben, doch jetzt hat eine neue Generation übernommen», sagt Thomas Tschopp. Es sei nie gut, wenn die vorherige Generation noch lange mitreden wolle, es brauche klare Strukturen.

Anbau in Waldenburg statt Neubau in Niederdorf

Damit meint Tschopp nicht bloss das Personelle, sondern auch die Infrastruktur. Seit einiger Zeit steht fest, dass die Rero Waldenburg auch nach 137 Jahren treu bleiben wird – und das seit 98 Jahren an derselben Adresse an der Hauptstrasse. Denn das im Schicksalsjahr 2015 angekündigte Projekt eines Neubaus in Niederdorf wurde im Frühjahr 2016 wieder begraben, ohne dass dies die breite Öffentlichkeit mitbekam. «Als der Euro einbrach, kamen wir bei einer Neubeurteilung zum Fazit, dass der Neubau überdimensioniert wäre», erzählt Tschopp. Die Lösung hiess: Verkauf der 8000 Quadratmeter Niederdörfer Land und Planung eines Erweiterungsbaus neben dem altehrwürdigen Waldenburger Firmensitz.

Vor einem Jahr fuhren die ersten Bagger auf, im Frühling 2020 soll alles fertig sein. Es entsteht ein vierstöckiger Anbau, der die Produktionsfläche der Rero deutlich vergrössert. Auch ermöglicht er der Firma, ihr Chemikalienlager zu zentralisieren und den Platz für die Abwasserbehandlung zu verdoppeln. Alles in allem bedeuten Sanierung und Neubau laut Tschopp Investitionen «im mittleren einstelligen Millionenbereich».

Andrea Kaufmann glaubt nicht an Signalwirkung

Die Investition war nötig. Platzmässig stösst die Firma mit ihren 85 Mitarbeitern an ihre Grenzen. Der Anbau sichere die nächsten 10 bis 15 Jahre in Waldenburg. «Wir fühlen uns hier wohl und spüren die Freude der Bevölkerung, dass wir bleiben, während andere Firmen wegziehen», sagt Tschopp.

Das bestätigt die Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann: «Wir sind froh, dass Rero hierbleibt. Es ist mittlerweile der grösste Arbeitgeber im Dorf und hat viel Tradition.» Man sei deshalb dem Unternehmen auch entgegengekommen und habe für die Zeit der Bautätigkeiten die Hälfte des Schulhausplatzes für Parkplätze freigeräumt. «Das kam zwar nicht überall gut an, gerade bei Eltern von Schulkindern, doch wir sehen es als – zeitlich beschränkten – Kompromiss», sagt Kaufmann.

Wenig Hoffnungen macht sie sich, dass der Verbleib und das Wachstum der Rero AG plötzlich wieder andere grosse Firmen zur Rückkehr ins Waldenburgertal motivieren könnte. «Da bin ich realistisch», sagt Kaufmann. Ein ganz klein wenig gerät sie dann aber dennoch ins Träumen: «Wer weiss, was passiert, wenn das Waldenburgerli fertig ausgebaut ist und es nirgendwo sonst noch Platz für Firmenansiedlungen hat. Vielleicht kommt dann der Aufschwung ins Tal zurück.»

Aktuelle Nachrichten