Liestal

Streit um Eglin-Sgraffito scheint beendet – «Weltenbaum» soll auf Infotafel abgebildet werden

KV und Künstlersohn Toni Eglin haben sich unter Vermittlung von Stadtrat Franz Kaufmann geeinigt: Der eingegipste «Weltenbaum» soll auf einer Infotafel abgebildet werden.

Andreas Hirsbrunner
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Ausschnitt aus dem «Weltenbaum» von Walter Eglin.

Ausschnitt aus dem «Weltenbaum» von Walter Eglin.

zvg

Kaufmännischer Verband Baselland (KV) und Kunst von Walter Eglin – das ist eine konfliktreiche Verbindung. Nicht weniger als drei Eglin-Werke gipste der KV an seinem Standort in Liestal in den letzten Jahrzehnten zu. Vor fünf Jahren startete dann nach verschiedenen Protesten die grosse Befreiungsaktion: Das Mosaik «Sphinx» kam ins Walter Eglin-Museum nach Känerkinden.

Das Mosaik «Eule» wurde ebenfalls unter einer Wand hervorgeholt, aber nicht einmal Walter Eglins Sohn Toni weiss heute, wo es gelandet ist. Und jetzt holen die Beteiligten unter Vermittlung des Liestaler Stadtrats Franz Kaufmann zum letzten Befreiungsschlag aus. Dabei geht es um das Sgraffito «Weltenbaum», das eine Szene aus Carl Spittelers Epos «Olympischer Frühling» zeigt.

Da freut sich auch der Stadtführer

Den Anfang machte ein Augenschein vor Ort mit Präsident, Vizepräsident und Geschäftsführerin des KV, Stadtrat Kaufmann sowie Toni Eglin und weiteren Vertretern des ehemaligen «Freundeskreis Walter Eglin». Dabei wurde im Gespräch eine Idee entwickelt, die auf breiten Konsens stösst: Voraussichtlich auf der Terrasse des KV – der genaue Standort ist noch nicht fixiert – soll eine Informationstafel aufgestellt werden mit einer Fotografie des eingegipsten «Weltenbaum», einigen Erklärungen dazu und ein paar Eckpunkten zum Leben von Walter Eglin.

Stadtrat Kaufmann ist begeistert: «Das war eine konstruktive Begehung mit einem guten Vorschlag. So bleibt das Eglin-Werk über das Spitteler-Jubiläumsjahr hinaus dokumentiert.» Würde man einfach das eingegipste Bild freilegen, hätte das Publikum wenig davon. Denn es befinde sich in einer Wand eines Computerraums, der nicht öffentlich zugänglich sei.

Ihn freue das Ganze auch als Liestaler Stadtführer, ergänzt Kaufmann. Denn er komme mit seinen Gruppen immer wieder auf die KV-Terrasse, um von hier die gegenüberliegende Stadtmauer zu besichtigen. Und Teil dieses Stadtmauerabschnitts sei auch das alte Pfarrhaus, in dem Carl Spittelers Freund Josef Viktor Widmann aufgewachsen sei und in dem Spitteler oft verkehrt habe. Somit gebe es hier auch eine Verknüpfung mit Spitteler.

Georges Thüring, Vizepräsident des KV-Vorstands, bestätigt den gefundenen Konsens. Die Abmachung heisse, dass die Eglin-Freunde nun einen Vorschlag für die Tafel machten, der KV diese dann platziere und die Eglin-Freunde die Kosten trügen. Aufgestellt werde die Tafel im Rahmen der Bauerei in ein bis zwei Jahren, wenn der KV das Hauptgebäude aufstocke.

Vielleicht doch noch entgipsen

Auch Toni Eglin ist erfreut: «Ich kann absolut hinter dem Vorschlag mit der Informationstafel stehen.» Es gebe jetzt allerdings noch ein technisches Problem zu lösen. Denn es existiere nur eine Foto vom «Weltenbaum» und die sei mangels Qualität schlecht reproduzierbar. Von daher sei es möglich, dass man die Gipswand trotzdem entfernen müsse, um das Sgraffito für die Info-Tafel abzulichten.

Dann müsse man es ja nicht mehr zugipsen, sondern könne es mit einem Plexiglas schützen, meint Eglin junior. So könnten wenigstens die Schüler das Werk bestaunen.