Binningen

Stiftung nimmt Stellung zum Vorwurf der hungernden Kinder in Kita

Nach den schweren Vorwürfen nimmt die Stiftung der Kita in Binningen nun Stellung. Die schwierige wirtschaftliche Situation seit der Umstellung von Objekt- zur Subjektfinanzierung sei der Grund für die Probleme.

Benjamin Rosch und Julia Gohl
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Die Kindertagesstätte In den Schutzmatten in Binningen kämpft gegen wirtschaftliche Schwierigkeiten und verliert immer mehr Kinder.

Die Kindertagesstätte In den Schutzmatten in Binningen kämpft gegen wirtschaftliche Schwierigkeiten und verliert immer mehr Kinder.

Kenneth Nars

Die Anschuldigungen von mehreren Eltern und einer ehemaligen Mitarbeiterin der Stiftung Kinderbetreuung wogen schwer: Die Kindertagesstätte in Binningen soll Kinder hungern lassen, wenn ihnen das Mittagessen nicht schmeckt. Zudem sei der Betreuungsschlüssel stillschweigend verschlechtert worden und beim Personal kam es zu grossen Fluktuationen. «Blick» und «20 Minuten» nahmen die Geschichte national auf.

Nun nimmt die Stiftung Stellung zu den Vorwürfen: «Zwischen Oktober 2016 und März 2017 haben rund 35 Kinder die Stiftung Kinderbetreuung verlassen oder werden dies tun», sagt Stiftungsrat Dieter Freiburghaus. Nicht alle standen in direkter Verbindung zu den Problemen, mit denen die Kita kämpft, manche Eltern zogen weg. Doch gerade die Wechsel beim Betreuungspersonal war vielen Eltern ein Grund, die Kita zu wechseln – alleine sieben Kinder folgten einer Mitarbeiterin, welche nach elf Jahren wegen der unhaltbaren Zustände gekündigt hatte.

Als weiteren Auslöser für den Vertrauensverlust nannten Eltern den neuen Betreuungsschlüssel. Früher musste eine Betreuerin in der Babygruppe auf zwei Kinder aufpassen. In den vergangenen Monaten kam es zu Situationen, in welchen eine Lehrtochter die Verantwortung für vier Kinder gleichzeitig trug.

Freiburghaus räumt die Anpassung ein: «Früher waren wir aber grosszügiger, als es die Vorgabe verlangte.» Dennoch: In der gleichen Zeit wurde das Angebot teurer, die Kita kommunizierte die Anpassung nicht. Sie führt veränderte wirtschaftliche Bedingungen als Grund für die Turbulenzen ins Feld. «Bis 2013 wurde die Stiftung Kinderbetreuung mit 1,6 Millionen Franken jährlich von der Gemeinde subventioniert.», sagt Freiburghaus.

Nicht mal eine Miete für die Räumlichkeiten war fällig. Das hat sich geändert. Inzwischen gilt im Kanton Baselland das Prinzip der Subjektfinanzierung. Damit werden Eltern, nicht Institutionen unterstützt. Mittlerweile zählt die Agglo-Gemeinde fünf Kindertagesstätten mehr als 2013.

Aus dem aktuellen Bericht des Gemeinderats geht hervor, dass verschiedenste Seiten zufrieden seien mit den Veränderungen. Es ist auch keine Rede davon, dass das Angebot die Nachfrage übersteige. Zwar wird explizit erwähnt, dass zunehmend Eltern die Stiftung Kinderbetreuung verlassen und sich anderswo anmelden. Dies kommentiert die Gemeinde aber wie folgt: «Das angestrebte Ziel der Gleichbehandlung aller Eltern wurde somit erreicht.»

Kita hält an Konzept fest

Nichts mit den wirtschaftlichen Voraussetzungen zu tun hat indes die Kritik, dass manche Kinder Hunger hätten, weil das Ernährungskonzept «Fourchette verte» zu rigoros umgesetzt würde. Freiburghaus räumt zwar ein, dass die Bemühung um dieses Label zu Zeiten grösserer Veränderungen vielleicht nicht optimal sei, hält aber fest: «Von Hungern zu sprechen, wenn ein Kind einmal nichts isst, weil es vom angebotenen Mittagessen gar nichts gern hat, ist nicht angebracht. Es gibt ja noch das Zvieri», sagt er.

Barbara Suter, Beraterin und Vorstandsmitglied von «Fourchette verte», meint dazu: «Ein Menü besteht meist aus drei Komponenten: Stärke, Proteine und Gemüse/Salat.» Sollte ein Kind nun etwa das Gemüse nicht mögen, hätte es immer noch die Stärke- und Protein-Komponente. «Deshalb muss kein Kind hungern. Und drei Stunden später gibt es ja ein ausgewogenes Zvieri.» Nur: Gemäss dem Menüplan der Kita kann es sein, dass dieses auch mal aus Popcorn und Früchten besteht – wenig verwunderlich, dass den Kindern dann der Magen knurrt.

Suter hat noch eine andere Theorie, weshalb Kinder über Hunger klagen könnten: «Bei der Ernährung ist die Rolle der Betreuenden zentral», sagt sie. «Die Betreuenden sind Vorbilder. Mögen sie etwas nicht, mögen es auch die Kinder nicht.» Sie kann sich daher vorstellen, dass persönliche Ernährungsvorlieben oder -abneigungen von Betreuenden das Verhalten der Kinder beeinflusst haben.

Suter begleitet die Stiftung Kinderbetreuung auf dem Weg zur Zertifizierung schon seit einem Jahr und führt regelmässig Gespräche mit Geschäftsführung und Küchenverantwortlichen. Eigentlich sei auch die Einbindung von Betreuern und Eltern ein wichtiger Schritt.

Im Fall der Binninger Kita sei dieser bisher leider noch nicht erfolgt, was laut Suter zu den teilweise negativen Reaktionen beigetragen habe. Denn aus den 14 anderen Baselbieter Betrieben mit Label von «Fourchette verte» hätten sie nie ähnliche Beschwerden erreicht. «Im Gegenteil, Eltern und Betreuende geben immer wieder positives Feedback.»