Skimming

Skimming im Baselbiet: Migros war nicht das einzige Opfer

Am Donnerstagabend gab die Migros bekannt, dass zwei ihrer Filialen im Baselbiet von Skimming betroffen seien. Kartenlesegeräte an den Kassen wurden manipuliert. Doch die Migros ist nicht das einzige Opfer im Baselbiet.

Daniel Haller
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Corpus Delicti: Unter anderem wurde in Sissach und Oberwil eine nicht als Fälschung erkennbare zweite Abdeckung auf die Karten-Terminals geklebt, womit die Betrüger den PIN-Code registrieren konnten.

Corpus Delicti: Unter anderem wurde in Sissach und Oberwil eine nicht als Fälschung erkennbare zweite Abdeckung auf die Karten-Terminals geklebt, womit die Betrüger den PIN-Code registrieren konnten.

Polizei Basel-Landschaft

Die Migros-Filialen Sissach und Oberwil wurden Opfer von Skimming-Attacken. Dies machte Migros Basel am Donnerstagabend per Communiqué bekannt. Mehrere Kartenlesegeräte wurden manipuliert. Derzeit gehen Migros, die Polizei sowie SIX Payment Services davon aus, dass es den Skimmern nicht gelungen ist, die mit betrügerischer Absicht gespeicherten Daten abzuholen und damit illegal Geld zu beziehen.

Bancomaten wurden in den letzten Jahren zwecks Datenklau relativ oft präpariert. Die Manipulation von den an Ladenkassen eingesetzten Kartenlesegeräten ist dagegen selten. Einen Fall gab es 2008 im Obi Basel. SIX Payment Services, die solche Geräte im Auftrag der Läden installiert und wartet, verzeichnete Anfang 2011 in der ganzen Schweiz knapp zwei Dutzend Fälle, davon waren nur vier erfolgreich. «Durch Installation eines zusätzlichen Software-Elements konnten wir die Geräte sichern und hatten anderthalb Jahre Ruhe», erklärt Bernhard Wenger, Sprecher SIX Payment Services.

Drei Fälle im Baselbiet

Nun aber hätten die Datendiebe eine neue Form der Manipulation entwickelt. «Seit Ende November hatten wir vier Fälle.» Einer betraf eine Coop-Filiale in Willisau (LU). Zwei hat nun Migros Basel bekannt gemacht, der Vierte betrifft ebenfalls das Baselbiet. Insgesamt waren zwischen 2000 und 3000 Karten betroffen.

Aus der ersten Skimming-Serie weiss SIX, dass das Geld ausserhalb Europas, oft in den in den USA abgehoben wird. Die Installation der Datenklau-Geräte erfolgt gemäss Nico Buschauer, Polizeisprecher Baselland, vermutlich durch Osteuropäer.

Es muss sich um Experten handeln, denn öffnet ein Laie einen Kartenleser, macht ihn ein Sicherheitsmechanismus unbrauchbar. Da die Manipulation aufwendig ist, geht die Polizei davon aus, dass sich die Datendiebe ausserhalb der Öffnungszeiten an den Geräten zu schaffen machten. Wie sie sich Zutritt verschafften, oder ob sie sich abends einschliessen liessen, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Kundekarte blieb stecken

In Oberwil wurde der illegale Umbau der Geräte entdeckt, als die Karte eines Kunden stecken blieb und SIX einen Servicetechniker schickte. In Sissach bemerkte man die Manipulation bei einer Kontrolle der Geräte.

Wird ein Skimming-Versuch entdeckt, setzt sich im Hintergrund ein aufwendiger Mechanismus in Gang, um die Karten zu sperren, bevor die Datendiebe Konten plündern: Zuerst wird ermittelt, mit welchen Karten im Verdachts-Zeitraum an den manipulierten Geräten bezahlt wurde. Dann sperren die Banken die betroffenen Karten. Sind die Diebe trotzdem schneller, trägt die Bank den Schaden, denn der Endkunde hat ja seine Sorgfaltspflicht nicht verletzt.

Was bleibt, ist der Ärger über die Umtriebe wegen der gesperrten Karte, was Migros-Basel-Sprecher Dieter Wullschleger ausdrücklich bedauert. Wenger weist seinerseits darauf hin, dass man nicht nur jeweils den PIN abdecken, sondern auch regelmässig die Kontoauszüge kontrollieren soll. Und nicht zuletzt sollte man dem Ladenpersonal sofort melden, wenn man das Gefühl hat, an einem Kartenlesegerät sei etwas faul.