Seuchengefahr
Nach Fällen in der Lüssel: Auch die Birs könnte von der Krebspest betroffen sein

Vor wenigen Tagen wurden in der Solothurner Lüssel tote Dohlenkrebse gefunden, die an der Krebspest verendet waren. Nun wird untersucht, ob auch Dohlenkrebse in der Birs betroffen sind, in welche die Lüssel in Zwingen mündet.

Tomasz Sikora
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Kommt in einigen Juragewässern nicht mehr vor: der einheimische Dohlenkrebs.

Kommt in einigen Juragewässern nicht mehr vor: der einheimische Dohlenkrebs.

Bild: Zvg

«Es wäre ein grosser Verlust», sagt die Solothurner Kantonstierärztin Chantal Ritter. Sie spricht das Risiko an, welches die kürzlich in der Lüssel entdeckte Krebspest für die Dohlenkrebspopulation des Solothurner und Baselbieter Juragewässers bedeutet. Ein grosser Verlust deshalb, weil der Dohlenkrebs in einigen Juragewässern, in denen er früher vorkam, bereits ausgestorben ist. Bei der Krebspest handelt es sich um einen Pilz, der den Dohlenkrebsen stark zusetzt, ein Befall endet meist tödlich.

Weniger empfindlich auf die Krebspest reagieren hingegen der Signalkrebs, eine gebietsfremde Art, die ursprünglich aus Nordamerika stammt und nach Europa eingeschleppt wurde. Genau wie der einheimische Dohlenkrebs kann der Signalkrebs von der Krebspest befallen werden. Anders als der Dohlenkrebs wird er durch den Pilz nicht krank, verbreitet ihn aber trotzdem weiter. Das macht den Pilz für den Dohlenkrebs noch gefährlicher, als er es als ökologischer Konkurrent ohnehin schon ist.

Hoffnung auf Wiederbesiedlung

Wie schlimm die Pest aktuell wütet und welche Gewässerbereiche betroffen sind, wird aktuell untersucht. Dabei hilft auch der Fischereiverein Thierstein mit, dessen Hausgewässer die Lüssel ist. Präsident Mihael Sever, der zusammen mit seinem Verein der Ansicht ist, dass die Krebse geschützt werden müssen, sagt:

«Ein Vereinsmitglied hat sich freiwillig gemeldet, um bei der Suche nach toten Dohlenkrebsen zu helfen. Das hilft dabei, zu erkennen, wo die Pest aktuell präsent ist.»

Seine Hoffnung sei, dass sich die Pest nicht flussaufwärts über Schwellen hinaus ausbreite. Eine Hoffnung, die auch Chantal Ritter hegt: «Flussaufwärts kann sich der Pilz nur ausbreiten, wenn er von Tieren oder Personen übertragen wird.»

Sie vermutet, dass der Erreger auch auf diese Weise seinen Weg in die Lüssel gefunden hat. Genau aus diesem Grund sei das Fischereiverbot erlassen worden. Zusammen mit der Bitte, das Gewässer nicht zu betreten, soll die Dohlenkrebspopulation in den oberen Teilen des Flusses auf diese Weise geschützt werden: «Wir hoffen, dass sich flussaufwärts eine Restpopulation erhalten kann», so die Kantonstierärztin.

Eine solche Restpopulation könne das Gewässer mit der Zeit wieder besiedeln, sagt Daniel Zopfi, der beim Kanton Baselland für das Jagd- und Fischereiwesen zuständig ist. Auch im Baselbieter Teil der Lüssel gilt ein totales Fischereiverbot. Während eine Ausbreitung flussaufwärts möglicherweise verhindert werden kann, ist das Risiko, dass die Sporen mit dem Wasser der Lüssel in die Birs geschwemmt werden und auch die dortige Dohlenkrebspopulation bedrohen, gross.

Aus diesem Grund wurden laut Zopfi Signalkrebse unter- und oberhalb der Lüsselmündung in Zwingen gefangen und untersucht. «Das Untersuchungsergebnis ist zurzeit noch ausstehend.»