Münchenstein
Schweden feiern nordische Weihnachten in Münchenstein

Der Verein schwedischer Immigranten feiert seit über 10 Jahren in Münchenstein Weihnachten. Dafür darf das hübscheste Mädchen jeweils als Lucia den Umzug anführen.

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Schwedenfeier Sankta Lucia
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 Schwedischer Weihnachtsbaum mit kleinen Landesflaggen.
 Lucia und ihre Begleiterinnen singen traditionelle Lieder. Das bekannteste, „Sankta Lucia“, stammt aus Sicilia, wo die historische Heilige Lucia lebte.
 Ohne Worte.
 Die tärnor („Seeschwalben“) sind die weibliche Begleiter von Lucia.
 Lucia ist dieses Jahr Ellinor Eriksson.
 Lucia kommt mit ihrem Gefolge in den Saal.
 Die männlichen Begleiter von Lucia heissen stjärngossar, „Sternbuben“.
 Nach dem gemeinsamen Singen verlässt Lucia den Saal wieder.
 Weihnachtsmarkt mit typisch Schwedischem.
 Der Jultomte und seine junge Helferin Ida Burren.
 Die tärnor („Seeschwalben“) begleiten Lucia.
 Lucia mit ihren Begleiterinnen, den tärnor („Seeschwalben“).
 Die tärnor („Seeschwalben“) sind die weibliche Begleiter von Lucia.
 Tomtenissar heissen die kleinen roten Helfer des Jultomte, des schwedischen Weihnachtsmannes.
 Ohne Worte.

Schwedenfeier Sankta Lucia

bz Basellandschaftliche Zeitung

«Då i vårt mörka hus/ stiger med tända ljus/ Sankta Lucia, Sankta Lucia», singen die hübschesten schwedischen Mädchen aus der Region Basel, als sie mit sachtem Schritt und Kerzen in der Hand in den verdunkelten Saal kommen: Sankta Lucia, die schwedische Lichtgestalt der dunklen Jahreszeit, «kommt mit zartem Licht in das dunkle Haus», wie es im Liedtext heisst.

Seit über zehn Jahren veranstaltet Svenska klubben, der Verein schwedischer Immigranten in der trinationalen Region Basel, im Kultur- und Sportzentrum Münchenstein das schwedische Weihnachtsfest. In Schweden spielt Sankta Lucia, deren Fest am 13. Dezember gefeiert wird, fast eine grössere Rolle als Weihnachten selbst: Die Kinder haben schulfrei und beginnen schon früh morgens mit Backen und Basteln, um sich auf den abendlichen «Luciatåg», den Umzug von Lucia und ihren jungen Begleitern, vorzubereiten.

Heilige Lucia

Die Heilige Lucia von Syrakus wurde in Sizilien geboren, wo ihre Mutter ihr schon früh vom Christentum erzählte. Sie beschloss, ein gottgefälliges Leben als Jungfrau zu führen. Als sie einen von ihrem Vater auserwählten Mann heiraten sollte, weigerte sie sich, und wurde somit als Christin entlarvt, was damals mit dem Tod bestraft wurde. So wurde Lucia der Legende nach in eine abgelegene Hütte geführt, wo man sie mit siedendem Öl übergoss.

Ein Knecht stiess ihr ein Schwert in die Kehle; doch trotz dieses Martyriums soll die Heilige überlebt haben. Sie empfing durch einen Priester die heilige Kommunion und starb, angeblich an einem 13. Dezember. Das Fest Sankta Lucia (sprich: Lüsía) wird vor allem in Schweden und in den schwedischsprachigen Städten Finnlands gefeiert. (bZ)

Besuch bei Ikea

Es ist eine grosse Ehre für jedes schwedische Mädchen, einmal Lucia spielen zu dürfen. So auch für Ellinor Eriksson, die dieses Jahr als Lucia den Münchensteiner Umzug anführt. «Normalerweise wird das hübscheste Mädchen zur Lucia erwählt; aber in der Region Basel gibt es viele hübsche schwedische Mädchen», sagen Tina Bromann und Ellinors Mutter Anika lachend und fügen ernsthaft hinzu: Die Mädchen zwischen 16 und 18 Jahren müssten sich das Lucia-Sein verdienen, indem sie längere Zeit im Verein aktiv sind.

Broman und Eriksson organisieren bereits seit den Neunzigern den Lucia-Auftritt in Münchenstein. Die jungen Lucia-Begleiterinnen, die tärnor («Seeschwalben») und die männlichen Begleiter (stjärngossar, «Sternbuben»), kommen vor den Auftritten zweimal zum Proben zusammen. Mehr sei nicht möglich, weil die Kinder weit auseinander leben. Dafür war der gestrige Auftritt schon der dritte nach dem Gottesdienst am Mittwoch in der schwedischen Kirche in Basel und einem Besuch bei Ikea in Pratteln am Donnerstag.

Ein grosses Fest für die Kinder

«Weihnachten ist bei uns ein grosses Kinderfest», erklärt Kerstin Dornbusch vom Vereinsvorstand, seit 1997 in der Region Basel und mittlerweile Grossmutter. Rund 400 Mitglieder hat Svenska klubben in der Nordwestschweiz und dem benachbarten Ausland; gestern kamen vor allem zahlreiche junge Familien. Darunter sind viele schwedische Pharma-Mitarbeiterinnen mit ihren schweizerischen Männern, immer mehr aber auch rein schwedische Familien, die für einige Jahre in Basel arbeiten.

Seit 35 Jahren versucht Svenska klubben, den Schweden in der Region ein bisschen Heimatgefühl zu bieten. Übers Jahr werden wichtige Feste gemeinsam gefeiert, neben Weihnachten vor allem Walpurgis (Valborg), der schwedische Nationalfeiertag am 6. Juni und das Krebsessen im September. Midsommar, das wichtigste schwedische Fest, konnte sich bisher in Münchenstein nicht so wirklich etablieren, erzählt Dornbusch: Zu dieser Zeit sind fast alle Schweden daheim in Schweden. Eine Premiere wird am kommenden Dreikönigstag der erste «Trettondedagsball» im Binninger Schloss sein, wo nach 13 Tagen das Ende der Weihnachtszeit gefeiert wird.

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