Baselbiet

Sauerbrut beunruhigt Imker: Bienenvölker mussten vergast werden

Wegen der Bienenseuche Sauerbrut mussten in Oberdorf und Diegten befallene Bienenvölker vernichtet werden. «Bei der Sauerbrut ist es gesetzlich vorgeschrieben, eine Sperrzone im Umkreis von einem Kilometer zu erlassen», erklärt die Kantonstierärztin.

Andrea Schäfer
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Zersetzte Larven: Die Sauerbrut verwandelt den Bienennachwuchs in eine breiige Masse.

Zersetzte Larven: Die Sauerbrut verwandelt den Bienennachwuchs in eine breiige Masse.

Ruedi Ritter/apisuisse/ho

Und wieder ist sie da – die Bienenseuche Sauerbrut. Am 21. April wurde die hochansteckende Krankheit, die Larven befällt, in einem Bienenstand in Oberdorf festgestellt. Dies teilte die Gemeinde am Montag mit. Die Sauerbrut ist eine zu bekämpfende und somit meldepflichtige Tierseuche und erfordert die Vernichtung von befallenen Beständen. Die an Sauerbrut erkrankten Maden verfärben sich gelblich bis schwarz-braun und werden zu einer breiigen bis wässrig-körnigen Masse. «In Oberdorf musste ein Bienenvolk vernichtet werden», bestätigt der Baselbieter Bieneninspektor Marcel Strub.

Um die Verbreitung der Seuche zu verhindern, hat die stellvertretende Kantonstierärztin Anna Jaggi das gesamte Gemeindegebiet Oberdorfs zum Sperrgebiet erklärt. «Bei der Sauerbrut ist es gesetzlich vorgeschrieben, eine Sperrzone im Umkreis von einem Kilometer zu erlassen», erklärt Jaggi. Auch in Diegten wurde die Krankheit entdeckt, die für den Menschen ungefährlich ist. Laut Strub mussten dort zwei Bienenvölker vernichtet werden.

Letztes Jahr besonders schlimm

Eine Sperrzone gebe es zurzeit auch in Muttenz, Frenkendorf, Liestal und Arlesheim, erläutert Jaggi. Dies, weil im angrenzenden solothurnischen Gebiet in Gempen ein Fall von Faulbrut aufgetreten ist. Bei dieser der Sauerbrut ähnlichen Krankheit ist ein Sperrgebiet im Umkreis von zwei Kilometern vorgeschrieben. Ob Faul- oder Sauerbrut: In den Sperrzonen dürfen keine Bienen oder Waben ein- oder ausgeführt werden. Die von Imkern verwendeten Gerätschaften dürfen nur nach erfolgter Reinigung und Desinfektion an anderen Bienenständen verwendet werden.

30 Tage nach der Vernichtung des betroffenen Bienenvolks würden alle Bienenvölker im Sperrgebiet kontrolliert, so Strub. Später wird er Nachkontrollen durchführen. Wie es in der Medienmitteilung aus Oberdorf heisst, können die Sperrmassnahmen frühestens 60 Tage nach der Vernichtung der befallenen Bienenvölker und Waben aufgehoben werden.

Bereits im vergangenen Jahr tauchte die Sauerbrut in zahlreichen Gemeinden im Unterbaselbiet auf: Allschwil, Binningen, Bottmingen, Oberwil, Reinach, Ettingen, Aesch und Therwil. Diese Sperrgebiete konnten aber inzwischen wieder aufgehoben werden. «2014 war das erste Mal, dass das Unterbaselbiet derart betroffen war. Normalerweise sind die Bedingungen dort sehr gut für die Bienen», sagt Strub. Das aktuelle Jahr sei in Bezug auf Sauerbrut bisher eher glimpflich verlaufen.

«In den letzten zehn Jahren gab es im Baselbiet immer zwischen einem und fünf Fällen pro Jahr», erklärt Strub. Eine Ausnahme sei jedoch das letzte Jahr gewesen. «2014 war ein schlimmes Jahr. Es gab 51 Fälle, bei denen insgesamt rund 150 Bienenvölker vernichtet werden mussten», sagt der Bieneninspektor. Diese würden jeweils mit Schwefeldioxid vergast. Auslöser der Seuche seien vor allem die Wetterverhältnisse: «Warm-Kalt-Perioden sind überhaupt nicht gut für Bienen. Damit haben sie grosse Mühe», so Strub. Dabei spiele vor allem die Temperatur im Brutnest eine Rolle. Die Bienenlarven benötigen laut Strub immer mindestens eine Temperatur von 35 Grad. Schönes Wetter animiere die Bienen, das Brutnest auszubauen.

Es braucht robuste Völker

Wird es dann plötzlich kühl, könne es sein, dass die Bienen Mühe haben, im ganzen Nest die nötigen 35 Grad herzustellen, was die Larven anfällig für die Krankheit mache. «Die Imker müssen aufpassen, dass sie starke und robuste Völker haben», so Strub. Sonst könne man eigentlich keine vorbeugenden Massnahmen treffen. Bei Verdacht auf Sauerbrut muss ein Imker laut Jaggi den Bieneninspektor informieren. Dieser entnimmt Proben und benachrichtig den Kantonstierarzt. Er wiederum muss wie bei allen meldepflichtigen Seuchen die Bundesbehörden informieren.

Das diesjährige Ausmass der Sauerbrut sei bisher nicht so dramatisch. «Für den betroffenen Imker ist es aber natürlich immer schlimm, wenn er ein Volk vergasen muss», sagt Bieneninspektor Strub. Selbst die Verluste von 150 Völkern vom vergangenen Jahr habe man verschmerzen können. Laut Strub gibt es in den beiden Basel rund 6500 Bienenvölker. Weitaus schlimmer sei der Befall der Bienen durch die Varroamilbe. «Im letzten Winter sind rund 20 Prozent der Bienen der Varroamilbe zum Opfer gefallen.»